Dienstag, 11. Oktober 2005

Die Aubergine in Don Quijote

Wer kennt das nicht? Man liest etwas, und dann springt einen ein Wort fast an, das man in einem ganz anderen Zusammenhang kennt oder erst vor kurzem gelesen hat. So ging es mir mit dem Wort Aubergine bzw. berenjena, wie es auf Spanisch heißt. Es machte auf einmal "pling", wie wenn zwei Stoffe eine neue Verbindung eingehen. Es geht um folgende beiden Bücher: 1. Miguel de Cervantes Saavedra "Don Quixote", insel taschenbuch 109; 2. G. Aparicio "Spanisch für Besseresser Band I", Schmetterling Verlag.

Zur Situation: wir machen Urlaub, und als ernsthafte Lektüre muss dieses Mal der Don Quixote "dran glauben", mehr zur Unterhaltung und auch, weil man daraus manche Anregung für die Ferienküche in Spanien ziehen kann, ist auch der Besseresser im Gepäck. Einen ersten Zusammenhang kann man gleich und einfach herstellen, beide Autoren sind gebürtige Spanier, und G. Aparicio kennt den Don Quixote sehr gut.

Hier soll es aber um eine ganz anderen Zufall gehen, und der liegt in der zeitlichen Abfolge meiner Lektüre dieser beiden Bücher, die vordergründig nichts miteinander zu tun haben. Um mit dem später entstandenen Buch zu beginnen: G. Aparicio beschreibt im Kapitel VIII La berenjena, un amor tardío, dass er von einer türkischen Freundin die Grundzubereitung der Aubergine, denn nichts anderes heißt "berenjena", gelernt hat. Diese Grundzubereitung ist Voraussetzung für eine Reihe von Rezepten, die hier aber nichts zur Sache tun. Er erwähnt noch, dass diese Freundin ihn und seine Frau mit regelrechten Banketten beschenkt, bei denen niemals Gerichte mit Auberginen fehlen.

Der Don Quixote, dessen erster Band vor genau 400 Jahren erschienen ist, verweist in Kapitel 9 darauf, dass die ganze Geschichte von Don Quixote nicht etwa von Cervantes erfunden ist, nein, Cervantes behauptet, sie stamme von einem arabischen Geschichtschreiber namens Sidi Hamet-Benengeli, und er, Cervantes, habe nur die Übersetzung beauftragt. In der deutschen Ausgabe des insel taschenbuchs 109 steht dazu nun die Fußnote auf Seite 125: "Cervantes folgte dem Geschmack jener Zeit, indem er seinen Don Quixote von einem Mohren verfaßt sein läßt. Das arab. Bedengeli = span. >berengena<(Aubergine), der >Eierapfel<; nicht, wie oft erklärt wird, Hirschsohn (Cervantes). Im 2. Teil 2. Kapitel nennt Sancho den Araber Sidi Hamet-Berengena." So weit die Fußnote in Teil 1, Kapitel 9, abgesehen von der Ungenauigkeit von "Benengeli" im Text zu "Bedengeli" in der Fußnote. Diese hatte ich schon lange vergessen, als ich nun genau im bereits erwähnten Teil 2, Kapitel 2 folgendes las. Sancho Pansa berichtet seinem Herrn Don Quixote, was "hier im Ort ... beim Volk, bei Junkern und Rittern" über ihn gesprochen wird. ">>... er sagte mir gleich, ... die Geschichte Eurer Gnaden sei bereits in ein Buch gebracht mit dem Titel: Der sinnreiche Junker Don Quixote de la Mancha. Auch sagte er ferner, daß meiner in dieser Geschichte Erwähnung geschehn sei unter meinem eignen Namen Sancho Pansa, sowie des Fräuleins Dulcinea del Toboso und andrer Dinge, die sich mit uns unter vier Augen zugetragen haben; und alles so genau, daß ich mich vor Entsetzen bekreuzen mußte, da es mir unbegreiflich ist, wie der Geschichtschreiber darum wissen konnte. ... mein Gewährsmann - nennt den Verfasser unsrer Geschichte Sidi Hamet-Berengena.<< >>Das ist ein Mohrenname<<>>Ohne Zweifel,<<>>denn ich habe sagen hören, daß die meisten Mohren Eieräpfel sehr lieben.<<" Hier steht nun wieder eine Fußnote> "Berengena = Eierapfel(>Aubergine<)." Allerdings zeigen die folgenden Kapitel, dass Sancho gerne Wörter verwechselt, und so ändert sich auch wieder berengena in benengeli.

Genug der Zitate. Ist es nicht merkwürdig, dass die Türken heutzutage Liebhaber der Aubergine sind und dass bereits im weltberühmten Roman von 1605 (bzw. 1615 als Erscheinungsjahr für Teil 2) der Araber (=Mohr) als Freund der Aubergine bezeichnet wird? Und das entdecke ich ganz zufällig im Urlaub!

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