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Montag, 27. September 2021

Ganz nah. Die Wehrkirche in Urphar.

Bei schönstem Spätsommerwetter machten wir einen Ausflug, der uns zuerst nach Urphar am Main führte. Urphar ist heute ein Stadtteil von Wertheim, der Main macht hier eine Schleife, und es gab in grauer Vorzeit hier einen Übergang über den Fluss, per Furt oder auch per Fähre. Wir besichtigten die Wehrkirche, die hoch oben über dem Dorf liegt. Von dort hat man einen guten Blick über den Main, und konnte rechtzeitig erkennen, wer sich dem Dorf näherte.
Wehrkirche
Der älteste Teil der Kirche ist der Turm aus dem 10. Jahrhundert, unten für Gottesdienst, oben Ausguck und Verteidigung. Die Kirche (St. Jakob) lag an einem Jakobsweg-Zubringer und war im Mittelalter ein Ziel für Pilger, so dass mehr Platz benötigt wurde. Das Langhaus wurde 1296/97 angebaut, Ende des 15. Jahrhunderts wurde für die Pilger eine Beichtkapelle an der Nordwand gebaut, die heute als Sakristei und Eingangsbereich dient. Das Gebiet um Urphar wurde nach der Reformation sehr früh evangelisch, so dass es mit den Pilgern vorbei war, und die Kirche für Urphar und weitere Dörfer der Umgebung als Pfarrkirche diente.
Die ursprüngliche Eingangstür samt Beschlägen stammt aus dem 13. Jahrhundert. 
mittelalterliche Tür
Im Kirchenschiff stehen noch die Kirchenbänke aus dem 13. Jahrhundert. Damit man heutzutage etwas bequemer sitzen konnte, wurde eine zusätzliche Rücklehne und einen breitere Sitzfläche auf der vorhandenen angebracht.
Kirchenbänke
Detail im Langhaus, hölzerner Pfeiler.
Pfeiler
Die beiden Emporen wurden im 16. und 18. Jahrhundert eingebaut, zur ersten gab es früher auch einen dirketen Zugang von außen.
Empore
Die ursprüngliche Treppe hoch zur ersten Empore ist eng und sehr schmal, eine richtige Hühnerleiter.
steile Treppe
 Die Orgel wurde ab 1780 eingebaut und 1952 renoviert.
Orgel
An den Wänden in der Apsis, im Chor und im Langhaus viele Fresken, die 1949 bis 1953 freigelegt wurden. 

Fresko Apsis Fresko Fresko 

Wir waren früher schon einmal hier, zum damaligen Bericht im Blog kommt man durch [klick].

Freitag, 3. November 2017

Auswärts. Saint-Jean-Pied-de-Port.

Nach Saint-Jean-Pied-de-Port führt die letzte Etappe des französischen Jakobswegs, gleichzeitig ist der Ort Start für den spanischen Jakobsweg nach Santiago de Compostela.
Morgennebel begrüßten uns an dem Ort, an dem sich drei der französischen Jakobswege treffen, der von Le-Puy-en-Velay, dem wir gefolgt sind, der von Tours und der von Vézelay.
Pyrenäen Morgennebel
Als Kennzeichen hat man eine Stele aufgestellt. Stele von Gibraltar
Schafherde
Dorffriedhof
Wanderer im Spiegelbild
Ein MUSS für alle Pilger ist der Besuch der Kirche in Saint-Jean-Pied-de-Port.
Kirche Notre Dame
Fluss Nive
Stadttor
Anmerkung: dieser Tag ist auch schon unter #12von12 im Blog verewigt, allerdings mit ganz anderen Fotos.
Der Ort Saint-Jean-Pied-de-Port ist auf der Karte grün markiert. Wir sind jetzt sozusagen links unten angelangt.


Mittwoch, 1. November 2017

Auswärts. Larressingle.

Larressingle ist ein befestigtes Dorf am Jakobsweg mit gut 200 Einwohnern, schon seit dem Mittelalter mit einer Ringmauer befestigt.
Ringmauer
Die Wehrkirche aus dem 12. Jahrhundert
Burg-Kirche
Im Innern der Ringmauer gibt es seit wenigen Jahren wieder ein Lokal mit einem Andenkenladen.
Larressingle

Dienstag, 31. Oktober 2017

Auswärts. Condom.

Condom zählt knapp siebentausend Einwohner und liegt am Jakobsweg. Wir kamen abends an und konnten die Kathedrale schon mal stimmungsvoll beleuchtet sehen.
Kathedrale Saint-Pierre
Am nächsten Morgen konnten wir sie auch von innen bewundern.
Kathedrale Saint-Pierre
Condom liegt in der Gascogne, und da kam doch auch d'Artagnan her? Die Musketiere.
Musketiere
Das Marktangebot auf dem Platz vor der Kathedrale ist unserem recht ähnlich.
Markt
Das Angebot an spanischen Zitronen ist überreichlich.
Markt Zitronen
Morgenstimmung am Fluss Baïse.
Fluss Baise
Condom ist auf der Karte durch einen grünen Strich markiert.

Montag, 30. Oktober 2017

Auswärts. Moissac.

Moissac ist ein wichtiger Ort am Jakobsweg, der Ort hat etwa zwölftausend Einwohner und bekommt durch die Abtei Saint-Pierre seinen kulturhistorischen Rang.
Der Kreuzgang wurde zwischen 1059 und 1131 errichtet.
Kreuzgang Kapitelle
Das Tympanon wird auf 1120/30 datiert und diente Umberto Eco in seinem Roman Der Name der Rose als Vorbild bei der Beschreibung eines Kirchenportals. Dargestellt ist die Vision des Johannes in der Offenbarung.
Tympanon
In einer Seitenkapelle findet man ein (sehr kleines) Fenster von Marc Chagall. Weil es so klein ist, wird es kaum wahrgenommen, und ... man sieht nur, was man weiß.
Fenster von ChagallAuf der Karte ist Moissac durch einen grünen Strich gekennzeichnet.
Kunsthistorische Angaben aus Wikipedia.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Auswärts. Lauzerte.

Wieder zurück am Jakobsweg hielten wir in dem kleinen Ort Lauzerte, knapp 1500 Einwohner. Er liegt auf einem Hügel. Von dort ließ sich der Weg kontrollieren, die Kanone zeugt noch davon.
Kanone
DSC01706
Kirche
Weiter Blick ins Land.
Blick ins Land
Grüne Markierung zeigt die Lage von Lauzerte auf der Karte.

Freitag, 27. Oktober 2017

Auswärts. Cahors.

Pont Valentre
Cahors liegt in einer Schleife des Flusses Lot, die Stadt hat knapp zwanzigtausend Einwohner. Wir waren an diesem Tag früh unterwegs und besichtigten die Kathedrale Saint-Étienne.
Das romanische Portal. Im Typanon wird die Himmelfahrt Christi und St. Étienne, dem Schutzheiligen der Kirche, dargestellt.
Portal Kathedrale
Der Chor entstand ab 1280.
Kathedrale
Der Kreuzgang stammt aus dem 16. Jahrhundert.
Kathedrale
Portal zum Kreuzgang.
Kathedrale
Noch lag Nebel über dem Fluss, die Brücke, Pont Valentré, wurde im frühen 14. Jahrhundert erbaut.
Pont Valentre
Der Bau der Brücke zog sich über 50 Jahre lang hin, und es gab die Legende, dass der Baumeister zur schnelleren Fertigstellung einen Pakt mit dem Teufel schloss, wie immer bei solchen Legenden, indem er ihm seine Seele versprach. Doch der Baumeister war schlau und konnte dem Teufel eine Forderung stellen, die dieser nicht erfüllen konnte. Damit hatte der Teufel die Vereinbarung gebrochen und der Baumeister seine Seele gerettet. Aber der Teufel gab nicht auf, er erschien jede Nacht, um den Schlussstein aus dem mittleren Turm wieder herauszubrechen, so dass der Turm einfach nicht ganz fertig wurde. Bei Renovierungsarbeiten im 19. Jahrhundert wurde an dieser Stelle ein behauener Stein fest verankert, außen drauf sitzt der Teufel und versucht vergeblich, diesen Stein herauszubrechen.
Pont Valentre
Kunsthistorische Angaben aus Wikipedia.
Zur Orientierung ist Cahors auf der Karte durch einen grünen Strich markiert.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Auswärts. Figeac.

Die Stadt Figeac hat knapp zehntausend Einwohner und hat sich ihr mittelalterliches Aussehen im Zentrum weitgehend bewahrt. Hier sieht man auch in größerer Anzahl Fachwerkhäuser. Figeac ist Station am Jakobsweg. Die Stadt "punktet" heutzutage als Geburtsort des Ägyptologen Jean-Francois Champollion, der die Hieroglyphen entschlüsselt hat. Dazu weiter unten mehr.
Fachwerkhaus
Fachwerkhaus
Place Champollion
Wie kommt es nun im frühen 19. Jahrhundert zur Entschlüsselung der Hieroglyphen?
Im Jahr 1798 besetzten französische Truppen unter Napoleon Bonaparte Ägypten und das Nildelta. Simon Singh (s.u.) beschreibt Entdeckung und Bedeutung des Steins von Rosette wie folgt:
"Im Jahr 1799 stießen die französischen Gelehrten auf den berühmtesten Stein in der Geschichte der Archäologie. Gefunden hatten ihn französische Soldaten aus Fort Julien in der Stadt Rosette im Nildelta. Sie hatten den Befehl gehabt, eine alte Mauer niederzureißen, um Platz für eine Erweiterung des Forts zu schaffen. In die Mauer eingebaut war ein Stein mit einer erstaunlichen Reihe von Inschriften: derselbe Text war dreimal in den Stein eingraviert, auf Griechisch, Demotisch und in Hieroglyphenschrift. [...] Die einfach zu lesende griechische Inschrift war ein Stück Klartext, das mit dem demotischen und dem hieroglyphischen Geheimtext verglichen werden konnte. Der Stein von Rosette bot die einzigartige Chance, die Bedeutung der alten ägyptischen Zeichen zu entziffern."
Jean-Francois Champollion gelang die Entschlüsselung der Hieroglyphen auch deshalb, weil er sie nicht als Bilderschrift betrachtete, sondern als Phonogramme, also Symbole für Laute, so wie unsere Buchstaben auch. Diesen Ansatz hatte vor ihm schon der Engländer Thomas Young verfolgt, dann aber das Interesse an Hieroglyphen verloren. Außerdem hatte Champollion sehr gute Kenntnisse der koptischen Sprache, einer Weiterentwicklung der Ägyptischen.
In Figeac ist auf der Place des Ecritures eine vergrößerte Nachbildung der Inschriften des Steins von Rosette installiert, der Ausschnitt zeigt Hieroglyphen.
Nachbildung Stein von Rosette
Abendstimmung am Célé
Zur Orientierung ist Figeac auf der Karte durch einen grünen Strich markiert.
Ich habe über die Entschlüsselung der Hieroglyphen in diesem Buch gelesen:
Simon Sing. Geheime Botschaften. Die Kunst der Entschlüsselung von der Antike bis in die Zeiten des Internet. München. Dezember 2001. (Ab Seite 247)