Samstag, 16. April 2016

Auswärts. Kloster Reichenbach.

Es zog uns wieder mal in die alte Heimat, ins Ländle, und wir durften einige wunderschöne Tage im nördlichen Schwarzwald verbringen. Dort liegt auch der Ort Klosterreichenbach, dem das Kloster seinen Namen gegeben hat.
Das Kloster wurde als Benediktinerabtei 1082-1085 erbaut und war eine Dependance vom Kloster Hirsau. Die Kirche wurde in den 1960-er Jahren im ursprünglichen romanischen Stil wieder hergestellt.
Der Ostchor mit den beiden Türmen rechts, links das Langhaus.
Klosterkirche1
Der Innenraum, romanisch schlicht und protestantisch schlicht. Klosterkirche Innenraum
Die Kreurippengewölbe der Vorhalle stammen aus einer zweiten Bauphase 1230-1240.
Klosterkirche Arkaden

Klosterkirche2

Kunsthistorische Angaben entnommen aus Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg, Deutscher Kunstverlag 1964.

Samstag, 2. April 2016

Auswärts. Mal wieder München.

Ein bisschen Kultur, nette Leute treffen, die Stadt anschauen. So war der Plan für zwei halbe Tage in München, und so war es. Das Wetter spendierte uns einen einsamen Frühlingstag.
Wir starteten mit der Ausstellung Der blaue Reiter im Lenbachhaus, sehr sehenswert, nach monatelangen Ausleihungen in alle Welt neu zusammengestellt und anlässlich des 100. Todestags von Franz Marc bis zum Jahresende im zweiten OG präsentiert.
Am Lenbachhaus (auf dem Foto rechts hinten) liegt gleich der Königsplatz, unter König Ludwig I. (von Bayern) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. Hier die Propyläen.
Königsplatz Propyläen
Klassizistischer Stil, Nachbau griechisch-römischer Stilelemente, war in.
Die Glyptothek.
Königsplatz Glyptothek
Im Detail.
Königsplatz Glyptothek Detail
Vor dem Abendtermin schauten wir noch die Frauenkirche an, die innen relativ schlicht aussieht, ganz anders, als ich es erwartet hatte.
Frauenkirche
Im Münchner Zentrum, am Beginn der Fußgängerzone, das Karlstor.
Karlstor
Wappen an der Residenz (nicht das einzige).
Residenz
Die Feldherrnhalle am Odeonsplatz.
Feldherrnhalle
Gleich nebenan der Hofgarten.
Hofgarten
An der anderen Seite der Residenz thront der erste bayerische König Max-Joseph mitten auf dem gleichnamigen Platz.
Max-Joseph-Platz


Dienstag, 29. März 2016

Essen. Rückblick März.

Der März war bei uns in diesem Jahr ein noch recht kühler Monat, kulinarisch immer schon schwierig, wenn man auf regionale Lebensmittel setzt. Es gibt halt noch überwiegend Lagergemüse, alle Arten von Wurzeln und Knollen, die wir seit November auf dem Speiseplan haben, doch eigentlich würden wir ja viel lieber etwas Frühlingshaftes, Frisches essen.
Unser kulinarischer März begann mit einem Rote-Bete-Salat, Rezept hier.
Auch Frittata stand mal wieder auf dem Speiseplan, hier mit Mangold (endlich mal kein Lagergemüse!)
Fränkische Bratwurst ist sehr vielseitig, hier in einer italienischen Variante mit Fenchelsaat, Staudensellerie in einer Tomatensauce.
Waldorfsalat stand auch auf dem Speiseplan, das Rezept findet ihr hier.
Es folgte ein Ragout aus Hähnchenfleisch mit Steinchampignons mit Curry und köstlichem türkischem Reis. Das Rezept für den türkischen Reis muss ich noch nachreichen.
Auch Risotto durfte diesen Monat nicht fehlen, hier mit gedünstetem Chicoree als Gemüsebeilage.
Fränkische Bratwurst kann auch asiatisch, hier wurden aus dem Brät Klößchen geformt und angebraten, dazu Staudensellerie, Petersilienwurzel, Lauch, gewürzt mit Thai-Curry-Paste und Kokosmilch. Dazu wieder mal türkischer Reis, unser neuer Liebling.
Auch Frittata gab es mehrfach, diesmal mit Schinkenresten und Steinchampignons.
Da kam doch noch eine ganze Menge zusammen, #Alltagsküche halt.

Donnerstag, 17. März 2016

Auswärts. Mal wieder Berlin.

Meine bessere Hälfte hatte einen Termin in Berlin, und ich bin natürlich mit. Wir trafen uns einen Abend mit Freunden, und während er seinen Termin wahrnahm hatte ich einen halben Tag Zeit, die Bekanntschaft mit Berlin wieder aufzufrischen. Unser letzter Besuch war im Mai 2012, hier ausführlich häppchenweise und mit Fotos dokumentiert. Das Wetter spielte nur so halb mit, es war zwar trocken, aber grau, bedeckt und kalt, kein Wetter für draußen.
Ich wollte zur Museumsinsel ins Bode-Museum, war erstaunt, wie viel immer noch oder schon wieder Unter den Linden gebaut wird. Jede Menge Gebäude eingerüstet, Ausnahme die Neue Wache.


Berlin Neue Wache

Auf der anderen Seite nimmt der Neubau des Berliner Schlosses allmählich Gestalt an, die Humboldt-Box links informiert über den Neubau und die geplante Nutzung als Humboldt-Forum.
Berlin Humboldtforum

Auf der Museumsinsel ist nur das Alte Museum mit seiner Säulenfront sichtbar, Neues Museum und Pergamonmuseum sind verhüllt und werden umgebaut. Erst ganz am Ende der Insel ist wieder was zu sehen, das Bode-Museum. Das Gebäude selbst ist recht sehenswert, hier ein Treppenhaus
Treppenhaus_2

Treppenhaus_1

und Details aus dem Tiepolo-Kabinett.
Tiepolo-Raum Deckenausschnitt

In einem Raum traf ich auf ein Bild, das wir letztes Jahr in Schwäbisch Hall erklärt bekamen und das momentan in Berlin anderen Bildern, Zeichnungen und Skizzen von Vater und Sohn Holbein gegenübergestellt wird, die Schutzmantelmadonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen von Hans Holbein d.J. In Berlin durfte man fotografieren, was in Schwäbisch Hall strengstens verboten war. Mit dem Smartphone aus der Hand gibt ja keine Qualität, aber man kann sich wenigstens vorstellen, was da ausgestellt wird.
Schutzmantelmadonna

Eines der wenigen Ölgemälde im Raum neben der Schutzmantelmadonna ist im Bestand der Gemäldegalerie Berlin und stellt Georg Gisze in dessen Londoner Kontor dar.
dt. Kaufmann in London

Die geplante Pause nach dem Museumsbesuch entwickelte sich etwas enttäuschend, da der von mir geplante Ort zum Mittagessen geschlossen hatte und ich dann, schon ziemlich hungrig, nach einer Alternative suchen musste. Den Rest des Tages verbrachten wir gemeinsam. Am nächsten Morgen schauten wir mal wieder die Gedächtniskirche an und ließen uns von der einmaligen Atmosphäre des Neubaus mit seinem blauen Licht gefangen nehmen. (Fotos von einem früheren Besuch hier.)
Berlin Gedächtniskirche

Vor der Rückfahrt musste die obligatorische Currywurst verspeist werden, in dieser Location.
Berlin Currywurst_1

Mit dem Zug erreichten wir dann recht pünktlich wieder unser Zuhause.
Berlin Hauptbahnhof

Montag, 7. März 2016

Rezept. Waldorfsalat.


Noch ein Salat für Herbst und Winter, ein Salat aus rohem Sellerie, der sehr frisch mit einer Sauce aus Zitrone, Joghurt und Saurer Sahne daherkommt. Das Rezept stammt aus dem Kochbuch Einer für Alles von Meinrad Neunkirchner und Katharina Seiser, Seite 172. Bereits in einem früheren Post habe ich über ungenaue Mengenangaben in diesem Buch gemeckert, so auch hier. Angegeben ist für vier Personen eine ganze Sellerieknolle. Ich weiß schon, dass die Sellerieknollen sehr unterschiedliche Größen haben können, aber selbst bei einer kleinen Knolle ist die Menge Sellerie viel zu groß. Wir haben von einer mittelgroßen Knolle die Hälfte verwendet, das gibt eine große Schüssel voll. Die Angaben für die Sauce wurde eins zu eins verwendet, und das Ergebnis passt.

Salz, Saft von einer Zitrone, weißer Pfeffer und 1 Tl Apfeldicksaft (alternativ: Agavendicksaft) in einer Salatschüssel verrühren. Eine halbe Knolle Sellerie schälen, in dünne Scheiben schneiden (haben wir auf der Brotscheidemaschine gemacht) oder hobeln, dann in feine Streifen schneiden, Dicke etwa wie ein Streichholz. Schnell portionsweise mit der Sauce vermischen, damit der Sellerie nicht braun wird.

2 kleine Äpfel schälen (würde ich beim nächsten Mal nicht machen), entkernen und ebenfalls in Streifen schneiden, mit dem Sellerie vermischen. 3 El Joghurt und 2 El Saure Sahne vermischen und mit Sellerie/Apfel vermischen. Mehrere Stunden (über Nacht) durchziehen lassen, evtl. mit Salz und weißem Pfeffer nachwürzen.
Vor dem Servieren 50 g Haselnüsse oder Walnüsse in einer Pfanne ohne Fett anrösten, über den Salat geben.
So eine Riesenschüssel Waldorfsalat erhält man aus einer halben mittelgroßen Sellerieknolle.

Mittwoch, 2. März 2016

Rezept. Rote Bete mit Meerrettich-Kümmel-Vinaigrette.


Mit Rote Bete musste ich mich erst anfreunden, und es hat lange gedauert. Der entscheidende Tipp war, die Rote Bete nicht zu kochen, sondern im Backofen zu garen, gewaschen, etwas eingeölt, mit Meersalz bestreut und jede Knolle in Alufolie eingepackt. So vorbereitet lege ich drei bis vier Knollen in eine passende kleine Form und nehme sie als Beipack, wenn z.B. Backofengemüse oder ähnliches zubereitet wird.
Das Rezept für die Vinaigrette stammt aus Deutschland Vegetarisch, S. 117. Dort werden die Rote Bete mit hartgekochten Eiern und gerösteten Haselnussblättchen zur kompletten Mahlzeit. Wir essen sie ohne weitere Zutaten als kleinen Beilagensalat.
Für den Salat packe ich die im Ofen gegarten und abgekühlten 3-4 Rote Bete (eher kleine) aus und schäle sie, anschließend werden sie in Scheiben geschnitten. Für die Vinaigrette nehme ich 1 El Apfelessig, 1 Tl Apfeldicksaft, 2 El Apfelsaft, 1 Tl Meerrettich, aus dem Glas oder frisch gerieben, einige Umdrehungen Kümmel aus der Gewürzmühle, alternativ 2-4 Kümmelsamen gemörsertSalz und schwarzer Pfeffer und mische dies alles in einer Schüssel. Dann rühre ich etwa 2 El Öl nach Wahl unter und mische die Rote Bete Scheiben mit der Vinaigrette. Unbedingt mindestens eine Stunde durchziehen lassen, dabei die Scheiben mehrfach in der Vinaigrette wenden.

Dienstag, 1. März 2016

Essen. Rückblick Februar.

Unser kulinarischer Februar begann erst mal mit backen, schwäbischer Hefezopf sollte es sein, diesmal das doppelte Rezept für zwei Zöpfe. Leider musste ich erleben, dass meine über 20 Jahre alte Kenwood bei dieser Teigmenge (ca. 1,8 kg) bei höherer Geschwindigkeit doch mit erheblicher Unwucht zu kämpfen hat und man sie kaum festhalten kann. So praktisch das ja ist, gleich zwei Zöpfe zu backen, weil der Aufwand fast der gleiche ist, so lange diese Maschine noch weiter gute Dienste tut werde ich vermutlich künftig wieder nur einen Zopf backen.

Mehrere Male haben wir den köstlichen Pilav mit Karotten gemacht, ich brauchte mehrere Anläufe, bis die Kruste so war, wie wir uns das vorgestellt hatten. Wir aßen den Pilav meist solo, als vegetarisches Gericht, einmal war er Beilage zu geschnetzelter Hühnerbrust mit Pilzen.

Dann machten wir Flammkuchen mit frischem Lachs und Lauch, ein leicht gewürzter Sauerrahm bildete die Unterlage. Der Lachs kommt hier mit in den Ofen und gart in der Zeit durch.

Es folgten zwei Rezepte mit Radicchio, einmal auf Risotto, einmal gegrillt und mit Käse überbacken.


Ganz köstlich war und ganz absichtlich nicht fotografiert wurde der Vacherin Mont d'Or, den wir im Ofen in dieser Spanschachtel erhitzten bis er flüssig war, dazu Pellkartoffeln. Schmeckt köstlich und muss ein Mal im Winter sein, mindestens.

Am Ende des Monats folgte noch ein viel geliebtes Hausmacher-Gericht, Fleischküchle (Frikadellen, Fleischpflanzerl, Buletten, ... wie man die Dinger auch immer nennen mag) mit Bratkartoffeln.
In den nächsten Tagen geht es hier weiter mit kleinen, einfachen Rezepten.

Montag, 29. Februar 2016

Rezept. Karottenpilav.


Dieses Rezept habe ich eins zu eins vom Blog Küchentanz übernommen, es ist die beste Reiszubereitung, die ich bis heute kenne. Wir haben es inzwischen drei Mal zubereitet, die beiden ersten Male hatte ich etwas zu viel Hitze gegeben, um die Kruste am Topfboden zu erzeugen, sie war aber zu dunkel, doch beim dritten Mal hat es geklappt und ich habe gelernt, dass ich auf die Rezeptangabe mittlere Hitze durchaus vertrauen kann. Hier das Rezept laut Küchentanz, Mengen sind leicht abgeändert.
Zutaten:  (2 Portionen)

120 g Basmati
2 EL Ghee (oder Butterschmalz)
300 g Karotten, geschält
2 cm Ingwer, fein gehackt
2 EL Mandelstifte
2 EL Berberitzen (oder Korinthen)
1 Zwiebel
2 EL Petersilie, gehackt
4 Kardamomkapseln
geriebene Orangenschale, ich hatte etwa von einer halben Orange
1 Messerspitze Safran
etwas Salz
3 EL Wasser, heiß
etwas Cayennepfeffer

Zubereitung:
  1. Karotten der Länge nach halbieren und in feine, schräge Scheiben schneiden. 
  2. Kardamomkapseln zerdrücken, schälen und die schwarzen Samen fein zerreiben. 
  3. Safran in 3 El heißem Wasser auflösen.
  4. Die Berberitzen mit kochendem Wasser übergießen, 5 Minuten ziehen lassen, in einem Sieb abtropfen.
  5. Mandelstifte und gehackte Zwiebel in 1 El Ghee langsam braun rösten. 
  6. Karotten mit geriebenem Kardamom, Ingwer, Orangenschale und 1 El Ghee im eigenen Saft, zugedeckt, ca. 6 min weich dünsten. 
  7. Reis mit kaltem Wasser waschen, bis das Wasser klar ist. Reis mit 1,2 l Wasser in einen Topf geben und ca. 15 min bei mittlerer Hitze kochen, in Sieb abgießen und abtropfen lassen. 
  8. Die Mischung aus Butterschmalz, Mandeln und Zwiebeln in einem hohen Topf verteilen. Reis darüber schichten. Mit einem Kochlöffelstiel in den Reis einige Löcher bohren, darüber das Safranwasser verteilen. Den Topf mit einem Deckel gut verschließen. Den Herd auf mittlere Hitze stellen, nach 5 min auf geringste Stufe reduzieren und den Pilav ca. 20 min ziehen lassen.
  9. Wenn man alles richtig macht, hat sich am Topfboden eine goldene Mandel-Zwiebel-Reis-Kruste gebildet. 
  10. Karotten, Rosinen/Berberitzen, Cayennepfeffer und Petersilie unterheben, ohne die Kruste unten zu zerstören. Bei Bedarf noch etwas salzen. 
Wie man auch den Kommentaren zum Post in Küchentanz entnehmen kann, ist ein Topf mit dickem Boden, der gut Hitze speichern kann, am besten geeignet, auch sollte der Deckel gut schließen. Man kann auch einige Küchentücher zwischen Topf und Deckel zum abdichten klemmen.
Wir hatten den Pilav auch mal als Beilage zu geschnetzelter Hühnerbrust mit Pilzen.

Samstag, 27. Februar 2016

Rezept. Überbackener Radicchio auf Brot.

Meine neue Liebe in der Pfanne ist Radicchio, nicht als Salat, da mag ich ihn nicht so sehr, sondern warm. Seit vorigem Jahr liebe ich in der Pfanne leicht gebratene Radicchiostreifen mit etwas Speck auf meinem Risotto. So hatte auch die Seite im Guardian vom 23. Januar d.J. mit Rezepten für Bittergemüse von Yotam Ottolenghi gleich meine volle Aufmerksamkeit, dort wird als drittes Rezept Radicchio bruschetta with taleggio and truffle honey vorgestellt. Ich habe das Rezept etwas abgewandelt, bei mir gibt es nach schlechten Erfahrungen kein Trüffelöl in der Küche. Auch ohne Trüffelöl schmeckt der überbackene Radicchio super, wir haben je zwei Scheiben als Abendessen genossen.

Es war noch ein guter halber Radicchiokopf vom letzten Risotto übrig, den haben wir in vier Teile geschnitten, den Strunk entfernt und mit Küchengarn zusammen gebunden. In einem breiten Topf Salzwasser zum Kochen bringen und die Radicchiostücke im kochenden Wasser für 30 Sekunden blanchieren. Wasser abgießen, Stücke mit kaltem Wasser abspülen, abtropfen und mit einem Tuch trocknen. Das Küchengarn entfernen.
Ein Backblech mit Backpapier auslegen, den Ofengrill auf höchste Stufe schalten. 4 Scheiben Bauernbrot (Graubrot, Mischbrot, ...) abschneiden und auf das Blech legen. Die Radicchiostücke ebenfalls auf das Blech legen, mit etwas Olivenöl beträufeln, salzen und pfeffern. Blech in den Ofen schieben und etwa zwei Minuten übergrillen bis Brot und Radicchio goldbraun sind. In der Zwischenzeit etwa 100 Gramm Taleggio (oder Brie) in 1 cm Stücke schneiden, 40 Gramm Parmesan reiben. Wir hatten nach Rücksprache mit dem Käsehändler des Vertrauens Reblochon anstatt Taleggio, weil eben auch ein Rotschmierkäse. Das Blech aus dem Ofen nehmen, die Brotscheiben umdrehen, etwa ein Drittel vom Käse und je einen halben Teelöffel gehackte Thymianblättchen (die auf dem Balkon haben den Winter überlebt) auf den Brotscheiben verteilen. Je ein Radicchiostück auf eine Brotscheiben legen und den restlichen Käse auf den Brotscheiben und den Radicchiostücken verteilen. Je einen knappen Teelöffel Apfeldicksaft (oder Agavendicksaft oder Honig) tropfenweise auf den Radicchiostücken verteilen und nochmals drei Minuten überbacken bis der Käse geschmolzen ist und Farbe angenommen hat.

Montag, 1. Februar 2016

Uni. So war mein Wintersemester 2015/2016.

Kurz gesagt, durchschnittlich, manchmal fast langweilig. Ich fürchte, ich bin nun schon so lange im Fach Geschichte dabei, dass sich so langsam die Wiederholungen einstellen.
Es begann im Oktober ganz vielversprechend mit einem Zusatzvortrag zur Ringvorlesung des Alterswissenschaftlichen Zentrums zum Thema Palmyra - Weltkulturerbe in der Oase. Vorgestellt wurde Palmyra in der Syrienkrise seit 2011, und beispielhaft vier Gebäude, die seit Mai 2015 von der Terrororganisation IS zerstört wurden, der Tempel des Baal-Shamin, Türme und Grabbauten aus dem Tal der Gräber, der Tempel des Bel und Triumphbogen nebst Kolonadenstraße. Alle diese Bauten wurden zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert n. Chr. erbaut. Es sei tröstlich für die Wissenschaft, dass alle diese Gebäude wissenschaftlich dokumentiert und erfasst sind, also vermessen, fotografiert, gezeichnet und katalogisiert, meinte der Vortragende Michael Sommer von der Uni Oldenburg. Was mir bis dahin unbekannt war, die Terrororganisation IS finanziert sich in erheblichem Umfang durch Verkauf von Kunstschätzen, indem entweder wild gegraben wird, oder einfach die Bruchstücke von zerstörten Kunstgegenständen in den Kunsthandel gebracht werden. Und die Gegenstände werden offenbar gut bezahlt und auch gekauft. Wir hörten dann noch, wie Palmyra im 3. Jahrhundert n. Chr. reich und bedeutend wurde, so dass man sich die Prachtbauten leisten konnte. Den Anschlussvortrag im Januar über das heutige Palmyra und die politische Situation konnten wir krankheitsbedingt nicht hören.
Zur Epoche Mittelalter wurde über Europa im 11. Jahrhundert berichtet. Die Reihe der römisch-deutschen Kaiser begann mit Heinrich II. (973/978-1024), dem Gründer des Bistums Bamberg und endete mit Heinrich IV. (1050-1106), den man meist mit dem Bußgang nach Canossa in Verbindung bringt. Wir hörten jedoch auch ausführlich über die katholische Kirche und ihre Päpste, besprachen ausführlich die Reformbewegung in der Kirche, die zu einem neuen Selbstverständnis der Geistlichen und schlussendlich zu den wiederkehrenden Konflikten mit den römisch-deutschen Kaisern führte. Denn Canossa war nur der Anfang und der Konflikt anschließend nicht abgeschlossen.
Das lange 19. Jahrhundert bot den Hintergrund für die Vorlesung Politische Ideengeschichte, die den Zeitraum von der amerikanischen über die französische Revolution bis zur bolschewistischen Revolution umspannte. Sozialismus, Idealismus, Liberalismus, Konservatismus, Nationalismus, Nietzscheanismus, Anarchismus, Sozialdarwinismus, Rassismus, Neuidealismus und Universalismus sind die Schlagworte, und ich möchte hier nicht tiefer darauf eingehen. Es war harter Stoff, und ich war zum ersten Mal recht froh, das nur zu hören und eben KEINE Prüfung darüber schreiben zu müssen.
Im Fach Landesgeschichte hörten wir über Bayern 1918-1945. So war zumindest der offizielle Titel, denn der Dozent begann nicht nur mit einem Rückblick zu den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in Bayern Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, was ich voll in Ordnung gefunden hätte, nein, er behandelte die Zeit ab 1912 ausführlichst, ebenso den Ersten Weltkrieg. Wir endeten dann schließlich irgendwo in den 1920-er Jahren, wobei die Ereignisse bis 1922 noch sehr ausführlich dargestellt wurden, dann ging es etwas flotter und oberflächlicher. Ich weiß nicht, warum der Titel so zu den behandelten Themen gewählt wurde, auf jeden Fall passte er nicht richtig.
In meinen Aufzeichnungen finde ich noch zwei Vorträge, zuerst Menschenmaterial. Die Behandlung der Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg durch das Deutsche Reich und die Sowjetunion von Klaus Jochen Arnold von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ein sehr bedrückender Vortrag mit dem Fazit, dass in beiden Regimen nicht nach den bestehenden Regeln des Völkerrechts gehandelt wurde und die Forscher sich über Anzahl der Gefangenen und der Toten speziell in der UdSSR wie auch in der Frage, ob es eine ideologisch begründete Vernichtungsabsicht gab, nicht einig sind.
Im zweiten bemerkenswerten Vortrag behandelte Walter Ziegler Kardinal Faulhabers Haltung gegenüber Marxismus und Nationalsozialismus 1918-1939. Der Kardinal (1869-1952), nach dem in Würzburg ein Platz benannt ist, stammte aus einem unterfränkischen Dorf, ging in Würzburg zur Schule und wurde dort zum Priester ausgebildet. Er war Bischof in Speyer ab 1911 (wir erinnern uns, die Pfalz gehörte bis 1945 zu Bayern), ab 1917 Erzbischof von München und Freising, ab 1921 war er Kardinal. Mit Marxisten und Sozialisten hatte Faulhaber in München ab Ende 1918 bis 1924 zu tun, zuerst die Räterepublik, dann eine Reihe von bayerischen Staatsregierungen mit Beteiligung unterschiedlicher sozialdemokratischer Parteien. Das Verhältnis der katholischen Kirche zu diesen Regierungen war schlecht, die Kirche lehnte sie ab, es gab jedoch keine Umsturzversuche bzw. deren Förderung von Seiten der Kirche. Die Ablehnung des Nationalsozialismus war zumindest zu Beginn des Regimes 1933 nicht so eindeutig. In dem Jahr hatte Faulhaber Hitlers Reden analysiert und fand in einer zusammenfassenden Übersicht drei positive zu acht negativen Punkten. Bis 1935 begünstigte Hitler die Kirche, förderte die konfessionellen Schulen, was von der Kirche ab Ende 1918 heftig gefordert wurde. Als ab 1935 christliche Vereine behindert, gleichgeschaltet oder aufgelöst wurden, wurde die Haltung Faulhabers zunehmend kritischer bis hin zu Organisation kirchlichen Widerstands. Persönlich war er von der Person Adolf Hitler zumindest beeindruckt. Im Vortrag wurde auch auf die erst kürzlich erschienen Tagebüchers von Kardinal Faulhaber verwiesen, die in einer beeindruckenden Ausgabe nach und nach im Internet veröffentlicht werden. Das Projekt an sich ist schon spannend, es lohnt sich darüber zu lesen. Faulhaber schrieb über alle Begegnungen mit anderen Personen und was sie besprochen hatten, er benutzte eine heute nicht mehr gebräuchliche Kurzschrift, die die Projektmitarbeiter erst lernen mussten, um die Texte entziffern zu können. Die Texte sieht man in drei Versionen, dem Digitalisat (Foto der Seite), der Transkription (wörtliche Übertragung des Texts, einschließlich Korrekturen und Abkürzungen) und der Leseversion, in der die Abkürzungen aufgelöst sind. Zudem gibt es Kommentare und Kurzbiografien der erwähnten Personen. Spannend.
Wie ich nun rückblickend sehe, ist doch noch einiges Interessante und Erwähnenswerte zusammen gekommen, zumindest bis Anfang Dezember, so dass der eher langweilige Teil zum Schluss stattfand.
Auch die Planung für das nächste Semester läuft bereits, es könnte sein, es kommt ein neues Gesicht und damit neue Themen, zumindest liest jemand Vorlesung, der in den letzten Semestern damit pausiert hatte. Ich bin schon erwartungsfroh.