Sonntag, 19. März 2006

Madama Butterfly

Wir sahen die zweite Vorstellung dieser Neuinszenierung, die mir sehr gelungen scheint. Durchweg positive Pressestimmen findet man auf den Seiten der Staatsoper Stuttgart. Die Geschichte spielt in Japan um 1900, und Puccini scheint sich selbst nicht so sicher gewesen zu sein, ob "es der tragische Zusammenprall zweier sich nicht verstehenden fremden Welten [ist], der zu einer ganz privaten Katastrophe führt? Oder politische Kritik am zeitgenössischen westlichen Kolonialismus? Oder die Geschichte von einer naiven jungen Frau, die nicht begreifen will, dass sie von Männern nur als Sexualobjekt benutzt wird? Oder die Tragödie eines idealen Liebespaars, das an widrigen Bedingungen seiner Umwelt scheitert?", wie das Programmheft meint. Die eigentliche Katastrophe hatte sich schon früher ereignet, als "Butterfly's" Vater auf Geheiß des japanischen Kaisers Selbstmord beging, und sie mit dem Rest der Familie Geld und gesellschaftliche Stellung verlor. Sie gehört zu den Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, und daher zu den ungewöhnlichsten Taten fähig sind. Sie ist die einzige, die an diese Liebe und an deren Bestand glaubt, wohl in der Hoffnung, sich dadurch von ihrer aktuellen schlechten Situation in eine bessere Welt, nach Amerika, absetzen zu können.
Die Stuttgarter Inszenierung hat ein wunderschönes Bühnenbild geschaffen, der Großteil der Bühne ist abgesenkt und nur im Spiegelbild sichtbar. Dies schafft Weite und Distanz, und visualisiert hervorragend die Angabe in der Partitur "ein Haus auf einem Hügel in der Nähe von Nagasaki".

Sonntag, 5. März 2006

Erwärmung?

Meteorologen und Propheten von Katastrophen aller Art reden und schreiben gerne von der globalen Erwärmung, und übersehen dabei, dass das Klima noch nie eine feste Größe gewesen ist. Wir hatten schon wesentlich wärmere Zeiten, ebenso wie auch schon wesentlich kältere. Das Klima wandelt sich ständig, ob mit oder ohne menschliches Zutun. Zum Thema Erwärmung nun ein Beispiel, von einem Ort in Süddeutschland, aufgenommen heute, am 5. März 2006.
Märzschnee
Anmerken möchte ich dazu nur, dass wir auch vor einem Jahr in den ersten Märztagen jeden Tag Neuschnee hatten, und wir liegen nur auf ca. 400m über NN. Mit Erwärmung hat das doch wenig zu tun, oder?

Sonntag, 26. Februar 2006

Mozart meets Jazz

Das war ein ganz interessantes Konzert mit zwei verschiedenen Klaviertrios, die sowohl abwechselnd als auch zusammen spielten. Einmal ein klassisches Klaviertrio, das Antonin-Trio, dann ein Jazztrio, bei dem zwei Musiker von TangoFive mitspielten. Klassischer Mozart im Wechsel mit Jazz über Themen von Mozart. Höhepunkt war das Stück "JazzMoz", bei dem beide Trios zusammen spielten, mit zwei Konzertflügeln(!) auf der Bühne. Dieses Stück wurde noch ganz nett eingerahmt von zwei Mozart-Kompositionen (KV 15a und 15b), die dieser im Alter von 8 Jahren geschrieben hat. Eine prima Idee.

Samstag, 18. Februar 2006

Orpheus in der Unterwelt

Auch am zweiten Tag unseres Würzburg-Wochenendes konnten wir ein sehr unterhaltendens Stück auf der Bühne erleben, Orpheus in der Unterwelt im Stadttheater, das heute Mainfrankentheater heißt. Uraufgeführt 1858 in Paris, parodierte diese Operette von Jacques Offenbach schon vor 150 Jahren die damalige Gesellschaft und deren doppelte Moral. Die Würzburger Inszenierung überträgt Teile davon geschickt in die Gegenwart, so z.B. Orpheus als erfolgssüchtigen Altrocker, immer auf der Suche nach jugendlichen Groupies. Nur der berühmte Cancan wurde damals besser getanzt, aber sonst macht die Aufführung großen Spaß.

Montag, 13. Februar 2006

Würzburg im Winter

Im Sommer ist es viel schöner, wenn alles grün ist und man die milde Luft genießen kann. Aber es gibt halt auch den Winter. Nachfolgend einige Aufnahmen vom Wochenende.

Die Feste Marienberg und der Main
Feste

Die Marienkapelle am Marktplatz
Marienkapelle

Das Rathaus (Grafeneckhard)
Grafeneckhard

Dom und Domstraße
Dom

Theater am Neunerplatz

Es war ein Wochenende mit viel Nostalgie. Wir verbrachten es mal wieder in Würzburg, und wir hatten diesmal auch ein wenig mehr Zeit mitgebracht als üblich. Bei der Vorbereitung des Besuchs, als ich nach Veranstaltungen für Samstag Abend suchte, fiel mir der Name "Claire Waldoff" ins Auge. Das war doch die (längst verstorbene) Coupletsängerin der Zwanziger Jahre (des letzten Jahrhunderts, versteht sich). Das Theater kannte ich noch nicht, aber der Besuch hat sich gelohnt. Heike Mix spielt und singt Erinnerungen und Lieder von Claire Waldoff, gekonnt begleitet von einem Klavierspieler, der gut in die Handlung eingebunden wird. Es war eine Rückblende in die Zeit unserer Eltern und Großeltern, in das Berlin, in dem so viel gefeiert wurde, weil man es sonst vor lauter Elend nicht ausgehalten hätte, und es nun auch nicht mehr drauf ankam, man war eh pleite.
Das ganze wurde dargeboten in einem kleinen Theater mit 98 Plätzen, in dem die Verantwortlichen alles selbst machen, das Büro, die Beleuchtung, die Musik, die Bewirtung, usw.
Gehen Sie doch auch mal wieder in so ein kleines Theater. Es lohnt sich, auch wenn nicht immer alles so perfekt ist, wie es im Fernsehen aussieht.

Sonntag, 22. Januar 2006

TangoFive

Ein Kollegin, Mitglied im Zonta-Club Stuttgart, hat uns für diese Matinee geworben. Es war unsere erste Begegnung mit einem Zonta-Club, einer weltweiten Vereinigung berufstätiger Frauen, wohl ähnlich den bekannteren Rotary- oder Lions-Clubs. Es war schon die dritte Matinee, die der Zonta-Club Stuttgart zur Finanzierung von Projekten veranstaltet hat. Schon der Veranstaltungsort, der Weisse Saal im Neuen Schloss in Stuttgart ist sehenswert und einfach schön.Und der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Sehens- und vor allem hörenswert war auch die Gruppe "Tango Five".
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Besonders bestechend ist die Vielseitigkeit der Musiker. Jeder von ihnen beherrscht mindestens zwei Instrumente, und so wird munter getauscht und kombiniert.
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Zum ersten Mal habe ich "Kontrabass vierhändig" gesehen, also zwei Leute, die ein- und denselben Kontrabass spielen. Aber nicht so, dass einer greift, und der andere streicht, nein, hier griffen beide, und beide strichen auch mit dem Bogen.
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Auch ganz ohne Instrumente, a capella, sind sie fit. So zeigte die erste Programmhälfte vor allem diese Vielseitigkeit, kombiniert mit Witz und Situationskomik und schnellen Szenen- und Kostümwechseln.
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In der Pause gab es Sekt und Häppchen, selbst gemacht von den Damen des Zonta-Clubs Stuttgart.
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Im zweiten Programmteil ging es ein wenig ernster zu. Diese Musiker lassen sich auf keine Richtung festlegen, in keine Schublade packen. In der Matinee ließen sie uns Stücke in Richtung Jazz und auch Tango hören, ihrem Namen gemäß. Bei Tango Five darf man sich auf musikalische Überraschungen gefasst machen.
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Montag, 16. Januar 2006

Idomeneo

In dieser kalten Jahreszeit reisen wir nur selten, dafür gibt es mehr Veranstaltungen drinnen. Von einer sehr schönen Opernaufführung will ich heute berichten, wie die Überschrift schon zeigt, handelt es sich um Mozarts "Idomeneo". 2006 ist ja ein Mozartjahr, und die Staatsoper Stuttgart spielt fünf große Opern-Inszenierungen. Neben "Idomeneo" sind in Stuttgart "Don Giovanni", "Le Nozze di Figaro" und "Cosi fan tutte" zu sehen. Außerdem im Programm ist die "Zauberflöte", mit der die Staatsoper am 15., 17., 18. Februar auch in Tokio gastieren wird.

Idomeneo wurde im Januar 1781 in München uraufgeführt, Mozart war zwei Tage vor der Premiere 25 Jahre alt geworden. Die Geschichte, die dem Libretto zu Grunde liegt, basiert auf einer griechischen Sage nach der Zerstörung Troias. Sie wurde bereits 1712 vom Franzosen Antoine Danchet zu einem Libretto verarbeitet, das dann von André Campra vertont wurde. Eine weitere Bearbeitung machte dann Giambattista Varesco, Hofkaplan am Hof des Erzbischofs von Salzburg, bei dem Vater und Sohn Mozart zu dieser Zeit angestellt waren. Die Oper ist stilistisch zwischen der italienischen Opera Seria und der von Mozart mitbegründeten deutschen Oper angesiedelt. Musikalisch ist sie schon "ganz Mozart", und da Mozart über gute Sängerinnen und das damals beste Orchester der Welt (aus Mannheim) verfügen konnte, konnte er zeigen, was er konnte.

Auch das Bühnenbild in der Stuttgarter Aufführung ist ganz erträglich, gar nicht gegenständlich, es besteht aus mehreren blauen Wänden, die parallel und vertikal zum Bühnenrand beweglich sind, und so den Raum eng oder weit machen.

Pressestimmen zur Stuttgarter Aufführung

Samstag, 7. Januar 2006

Weltweihnachtscircus

Seit vielen Jahren findet in Stuttgart von Mitte Dezember bis zum Wochenende des 6. Januar Circus statt. Es gastiert kein festes Ensemble, sondern das Programm wird in jedem Jahr nur für diese Veranstaltung zusammengestellt. Sehr viele Artisten reisen anschließend zum Circusfestival von Monte-Carlo, und viele haben dort für ihr schon in Stuttgart gezeigtes Programm einen Preis gewonnen. Auch in diesem Jahr war das gezeigte Programm äußerst sehenswert.

Meine Favoriten waren
die Akrobatik am Seidenband

drei südamerikanische Jungs auf den Hochseil (ohne Bild)

die chinesischen Radkünstlerinnen

und als absoluter Liebling die Pferdenummer

bei der als Höhepunkt 24 Pferde verschiedener Rassen in 3 Kreisen gegenläufig durch die Manege galoppieren, nur leichter Galopp, versteht sich.

Mal wieder im Programm war auch der Clown Fumagalli
und "Bienchen, Bienchen" durfte dann auch nicht fehlen.

Freitag, 6. Januar 2006

Imperium Romanum

Gleich im neuen Jahr, an den ersten ruhigen Tagen, schaute ich mir kurz vor Toresschluss die Ausstellung "Imperium Romanum" im Stuttgarter Kunstgebäude an.

Besonders faszinierend finde ich immer wieder, sich ins Gedächtnis zurückzurufen, auf welch hohem technischen und organisatorischen Niveau die Römer bereits vor etwa 2000 Jahren waren. Hier im Grenzgebiet war der Unterschied besonders krass sichtbar, mit den Römern kamen die Straßen, die Steinhäuser, die Bäder, und die Waren aus dem gesamten Reich wie z.B. Wein und Öl aus Andalusien. Als die Römer wieder vertrieben wurden, verschwand dieses alles nach und nach, die Häuser wurden noch bewohnt, bis sie einfielen, zur Instandhaltung waren die nachrückenden germanischen Stämme, in Baden-Württemberg speziell die Alamannen, nicht fähig.

Die Ausstellung mischt Fundstücke, Erläuterungen und Modelle recht geschickt, wie das heutzutage in professionell gemachten Ausstellungen so üblich ist. Mindestens so viel Information bietet ein Besuch in der Villa Rustica in Hechingen-Stein, wo ein Nachbau eines Hauses und die freigelegten Ruinen einen sehr beeindruckenden Eindruck über das Leben der Römer in Süddeutschland liefern. Diese Ausgrabung scheint beim Landesmuseum nicht beliebt zu sein, da sie privat und gegen den Willen der Behörden erfolgte, sie wird in den Erläuterungstafeln von "Imperium Romanum" nicht erwähnt. Lediglich zwei Mühlsteine aus Hechingen-Stein finden sich unter den Ausstellungsstücken.

Eine zweite Ausstellung mit demselben Titel über die Spätantike am Oberrhein im 3. und 4. Jahrhundert läuft schon in Karlsruhe und geht noch bis Ende Februar 2006.