Donnerstag, 20. März 2014

Ausstellung: Wilhelm Leibl und sein Kreis.


Diese lang laufenden Ausstellungen sind für mich immer problematisch. Obwohl ich inzwischen weiß, dass man am besten ganz am Anfang geht, weil es da erfahrungsgemäß am wenigsten voll ist, schaffe ich es oft nicht. Wie so viele denke ich dann da ist ja noch so viel Zeit oder jetzt vor und gleich nach Weihnachten ist es bestimmt sehr voll, und dann ist der Besuch wieder verschoben und schließlich rückt der Endtermin näher und näher. Dann nützt es auch wenig, wenn die Ausstellung absolut empfehlenswert ist, denn wer dies jetzt bei mir liest, hat kaum noch Gelegenheit, selbst die Ausstellung anzusehen.
Rein malerisch ist die Ausstellung betitelt, und sie stellt einen Maler und seine Freunde vor, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in München und Oberbayern malten. Wilhelm Leibl selbst (*1844) hatte familiäre Beziehungen nach Würzburg, er ist 1900 hier gestorben und auf dem Hauptfriedhof begraben. Das Museum im Kulturspeicher in Würzburg beschreibt die Intention der Ausstellung wie folgt:
"Der junge Maler brach mit den akademischen Normen seiner Zeit und erteilte der pathetischen Historienmalerei und den sentimentalen Genredarstellungen seiner Zeitgenossen eine Absage: Nicht das "Was" des Bildes zählte für ihn, sondern das "Wie", nicht eine gemalte Geschichte, sondern Farbe, Form und malerische Umsetzung des Gesehenen. Obwohl Leibl dem Gegenstand verpflichtet blieb, trat damit erstmals in der deutschen Kunstgeschichte die Malerei selbst in den Vordergrund.
Leibl verfocht seinen Standpunkt nicht allein: Der charismatische, durch seine "kolossale Intensität" auffallende junge Mann sammelte schon zu Akademiezeiten eine Gruppe Gleichgesinnter um sich, die man später zum "Leibl-Kreis" zählte. Dabei handelte es sich nicht um eine "Schule", sondern um den lockeren Zusammenschluss fortschrittlich eingestellter Maler, die sich austauschten und voneinander lernten. ...
Nach nur wenigen Jahren des intensiven Austausches gingen alle diese Künstler ihre eigenen Wege, jeder entwickelte seinen individuellen Stil. Gemeinsam blieb ihnen allen aber die Idee des "Reinmalerischen": Verzicht aufs Geschichtenerzählen hieß das und die Wahl möglichst einfacher Gegenstände: Porträt, Stillleben und Landschaft. Angeregt von der Kunst der Alten Meister, vor allem aber von einem intensiven Naturstudium und geleitet von einem unsentimentalen, offenen Blick entwickelten sie jeder für sich eine hohe Malkultur, die in den späten Stillleben Carl Schuchs und im meisterhaften, atmosphärischen Spätwerk Leibls gipfelte."
So weit also das Museum. Ich selbst liebe nun mal die Impressionisten über alles, und es ist einerseits merkwürdig, andererseits anrührend, Bilder von Malern aus der gleichen Zeit zu sehen, die so ganz anders aussehen als die der Impressionisten, und die vielleicht sogar gleiche oder ähnliche Intentionen hatten: Farbe, Form und malerische Umsetzung des Gesehenen, intensives Naturstudium, Malerei im Freien. Doch die Umsetzung war eine ganz andere. Sprühen die Bilder der Impressionisten vor Licht und Luft, orientierte sich Wilhelm Leibs an Altmeistern wie Rembrandt oder Holbein. Und im Vergleich sehen die Bilder irgendwie "deutsch" aus, warum kann ich nicht genau bestimmen.
Eine Gemeinsamkeit mit den Impressionisten gibt es aber doch: Genauso wie die Bilder der Impressionisten zu dieser Zeit kamen auch die Bilder Leibls und seiner Freunde beim damaligen Publikum nicht an, so dass mancher von ihnen sich aus finanziellen Gründen wieder der in Deutschland gewünschten Historienmalerei zuwandte.
Was bringt nun diese Ausstellung? Von Leibl selbst haben mich die gezeigten Portraits besonders beeindruckt, und das schönste (so finde ich zumindest) ziert auch das Plakat. Von den anderen Bildern gefiel mir ein impressionistisch angehauchtes am Besten: Der chinesische Turm in München (1873) von Fritz Schider.
Links zu Wikipedia:
Wilhelm Leibl
Leibl-Kreis
Fritz Schider (mit dem Bild vom chinesischen Turm)

Keine Kommentare: