Sonntag, 22. April 2007

Zarzuela, eine spanische Operette


Nur wenige Tage nach Otello galt es einen weiteren musikalischen Termin wahrzunehmen. Im Kammertheater der Staatstheater gab es an vier Tagen eine mit Zarzuela betitelte Mischung aus bekannten Liedern dieser Gattung, die oft als spanische Operette bezeichnet wird. Man musste sich also beeilen, um eine der Vorstellungen sehen zu können. Der Regisseur Calixto Bieito setzte den Schwerpunkt mehr beim Klamauk, eine richtige Handlung war nicht zu erkennen, doch gesungen wurde schön. Einige Mitglieder des Staatsorchesters, zwei Violinen, eine Viola, ein Cello, ein Kontrabass, dazu Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Schlagzeug, saßen brav zwei und zwei aufgereiht am Rande der Bühne, vor den Musikern stand noch ein Flügel, den der Dirigent spielte, sofern er nicht dirigierte. Gesungen haben Leandra Overmann, die als Putzfrau erst mal die Bühne sauber machte, bevor das Stück begann, Matias Tosi als Barbarillo, und fein herausgeputzt Anna Escala und Raoul Hernández. Ein musikalischer Spaß von einer knappen Stunde Dauer, ein wenig sehr auf der Folkloreseite angesiedelt, auch durch die etwas bemühte Einbeziehung der Zuschauer.

Sonntag, 15. April 2007

Otello (eine Oper von Verdi)

Es gibt kaum etwas Schöneres, als an einem lauen Sommerabend eine Opernvorstellung in Stuttgart zu besuchen. Man schlendert durch den Oberen Schlossgarten, in Richtung Opernhaus wird die Kleidung der Passanten etwas festlicher als üblich, zu Füßen der Schillerstatue bietet ein Stand im Freien kühle Getränke. Auch einen Stock höher, auf einer Terrasse, stehen Besucher in der lauen Abendluft. Eine Steigerung dieses Wohlgefühls empfindet man nun, im April, weil man mit so einem schönen, lauen Abend gar nicht rechnen konnte.
Gegeben wurde Otello von Verdi. Wie einem Aufsatz im Programmheft von Klaus Zehelein, dem ehemaligen Intendanten, und Oliver Müller zu entnehmen ist, haben Guiseppe Verdi und sein Librettist Arrigo Boito zwar den Stoff und die Personen aus dem Drama Shakespeares übernommen, das Drama jedoch völlig neu bearbeitet und ganz andere Schwerpunkte gesetzt.
Die Oper beginnt ohne Ouvertüre mit einem Sturm, dessen Verlauf uns vom Chor geschildert wird, und dessen Heftigkeit durch die Musik imposant unterstrichen wird. Die Bühne ist, wie so oft bei Stuttgarter Inszenierungen, ein leerer Raum, begrenzt von einem mit halbdurchsichtiger Plastikfolie bespannten Lattengerüst, jedes Element etwa so groß wie eine Tür, und manches Element wird auch als solche genutzt. Die Kostüme Alltagskleidung, meist Jeans und T-Shirts. Für mich erzeugt diese Art der Inszenierung Sterilität, hebt das Stück heraus aus seinem historischen Kontext (16. Jahrhundert, Renaissance, Venedig als christliche Macht im östlichen Mittelmeer, Kampf gegen die Türken), aber auch aus dem seiner Entstehung (Ende 19. Jahrhundert). Übrig bleiben Musik mit Text, die nun heute ihren Platz finden sollen bzw. müssen. Ob das die Intention dieser Inszenierung ist?
Gut gefallen hat mir im 2. Akt das Spiel mit der Spiegelwand, das den Auftritt Jagos mit seinem satanischen Credo szenisch umrahmt. Der Bühnenraum wird durch eine Wand in der Tiefe halbiert. Diese Wand sieht zuerst aus wie die anderen, Elemente aus Holzlatten, mit halbdurchsichtiger Plastikfolie bespannt. Je nach Beleuchtung ist diese Wand jedoch aus Glas und durchsichtig oder sie wirkt als Spiegel. So sieht man einerseits Aktion im Hintergrund, in deren Rahmen Jago handelt und intrigiert, oder das Publikum sieht sich selbst und wird damit Teil der Szene. Ob es will oder nicht. Gut gefallen haben mir auch die Sänger, die Musik gesamt.
Nach Ende der Aufführung verlässt man das Opernhaus, draußen ist es mild, man kann ohne Jacke gehen. Ein wunderschöner lauer Sommerabend im April.

Sonntag, 8. April 2007

Anziehungspunkt Dinkelsbühl

Noch eine ehemalige freie Reichsstadt mit bestens erhaltener historischer Altstadt, und heute noch vollständig von der Stadtmauer umgeben.

Dinkelsbühl_4

Dinkelsbühl lag an der Kreuzung zweier wichtiger mittelalterlicher Handelsstraßen und an der Furt über den Fluss Wörnitz. Diese Lage sicherte Zölle und ermöglichte eigenen Handel.

Karl_V

Die mittelalterliche Stellung der Stadt wird dadurch unterstrichen, dass Kaiser Karl V., in dessen Reich die Sonne nicht unterging, hier nächtigte, auch war die Stadt während des 30-jährigen Krieges sehr umkämpft, ab 1632 war sie schwedisch und so vor weiteren Plünderungen geschützt. Die beiden großen Kriege des 20. Jahrhunderts ließen Dinkelsbühl unbeschädigt, so dass wir heute noch die schönen Ansichten genießen können.

Dinkelsbühl_2

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Beherrschendes Gebäude im Stadtinnern ist das Münster St. Georg.

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Die spätgotische Hallenkirche wurde 1448 bis 1499 erbaut.

St.Georg

Samstag, 7. April 2007

Anziehungspunkt Ellwangen

Ellwangen ist eine kleine, etwas verschlafen wirkende Stadt im Osten von Baden-Württemberg.

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Bis 1802 unter kirchlicher Herrschaft, sind besonders kirchliche Bauten erhalten, in der Stadt die Kirche St. Veit, innen barockisiert, außen sieht man den romanischen Ursprung, außerhalb der Stadt die barocke Wallfahrtskirche Schönenberg. Das heutige Landgericht ist ein weltliches Gebäude, an dessen Entstehung ein berühmter Architekt des 18. Jahrhunderts mitgewirkt hat, Balthasar Neumann, besonders bekannt durch die Residenz in Würzburg.

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In der Stadt läßt es sich schön flanieren, Ellwangen hat die Muffigkeit abgelegt, die es vor 40 Jahren noch ausgestrahlt hat.

Freitag, 6. April 2007

Anziehungspunkt Brombachsee

Der Brombachsee ist Teil des fränkischen Seenlandes, südlich von Ansbach-Nürnberg gelegen, zwischen Altmühl und Main-Donau-Kanal. Die Seen wurden in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geschaffen und dienen zum Wasserausgleich zwischen dem wasserreichen Donaugebiet, zu dem auch die Altmühl zählt, und dem Regnitz-Maingebiet, das traditionell Wassermangel hat. Der Brombachsee ist der größte dieser Seen und ein Freizeitparadies.

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Schwimmen, surfen, segeln in und auf dem Wasser, wandern oder Radfahren am Ufer. Dies alles umgeben von fränkischen Dörfern mit traditionellen Gasthöfen, in denen man hervorragend essen und trinken kann. Echte Anziehungspunkte eben.

Mittwoch, 4. April 2007

Anziehungspunkt Römische Thermen Weißenburg

Ein weiterer Anziehungspunkt sind die römischen Thermen in Weißenburg. Das römische Kastell Biriciana und die Thermen liegen westlich der mittelalterlichen Altstadt, das Kastell wurde ab 1889 ausgegraben, die Thermen beim Aushub für Reihenhäuser vor 30 Jahren zufällig entdeckt.

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Das Gebäude, das zum Schutz der Ausgrabungen errichtet wurde, ist wirklich sehenswert. Wie ein großes Zeltdach spannt es sich, Glasziegel lassen das Tageslicht herein. Auf einem Steg spaziert der Besucher über die Ausgrabungen hinweg, kann von oben alles bestens einsehen.

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Alle Räume des recht großen Bads wurden durch Fußbodenheizung von unten beheizt. Der Fachbegriff lautet Hypokaustum und ist wie nicht anders zu erwarten in Wikipedia nachzulesen. Der Fußboden der Baderäume wurde erhöht, stand über einem Hohlraum, durch Pfeiler aus Ziegeln gehalten, wie man im folgenden Bild gut sieht.

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In den Hohlraum strömte heiße Luft und erwärmte Fußboden und Wände. Es konnten Raumtemperaturen von über 50°C erreicht werden. Die Feuerstellen sind an den Außenseiten des Gebäudes, für jeden zu heizenden Raum eine Feuerstelle. Die Öffnung zu Feuerstelle hin ist an der rückwärtigen Wand zu sehen.
Interessante Details sind unter den Links im Text oben nachzulesen.

Dienstag, 3. April 2007

Anziehungspunkt Weißenburg

Weißenburg i. Bay. ist die offizielle Bezeichnung dieser Stadt, die zwar noch fränkisch ist, geographisch jedoch etwa in der Mitte des Bundeslandes Bayern liegt. (Ja ich weiß, die Bayern nennen sich Freistaat.) Schon die Römer hatten hier ein Kastell, Biriciana, eine Befestigung unweit des obergermanischen rätischen Limes. Später war Weißenburg freie Reichsstadt, am Kreuzungspunkt von Handelsstraßen gelegen, deren Zölle eine Grundlage mittelalterlichen Wohlstands bildeten.

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Aus dieser Zeit stammt auch das Gotische Rathaus.

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Hier von der Südseite zu sehen, mit dem Schweppermannsbrunnen.

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Die alte Lateinschule als Beispiel für das Stadtbild, geprägt von Fachwerkhäusern und einer gut erhaltenen Stadtmauer.
Das moderne Weißenburg ist eine Kreisstadt im Regierungsbezirk Mittelfranken mit Kreiskrankenhaus und Landgericht.

Montag, 2. April 2007

Anziehungspunkte

Ist man mal auf Tagesausflügen oder Wochenendtouren im näheren Umkreis unterwegs, stellt man immer wieder fest, dass Deutschland sehr schöne Landschaften und Städte besitzt, viele mit äußerst interessantem geschichtlichen Hintergrund, den die meisten wieder vergessen haben, so sie ihn je gewußt haben. Und meist wird dann gemeinsam festgestellt, dass man ja weit gereist ist, sich in allen möglichen fernen Ländern bestens auskennt, aber diese "Hingucker" im eigenen Land zumindest bisher links liegengelassen hat.
Auf solche Orte möchte ich im Rahmen dieses Blogs in einer unregelmäßigen Reihe hinweisen. Der vielleicht nur vorläufige Titel dieser Reihe soll "Anziehungspunkte" heißen. In den nächsten Tagen wird hier über erste Anziehungspunkte zu lesen sein.