Mittwoch, 27. November 2013

Der Aufstand des Armen Konrad und der Tübinger Vertrag.

Wir hören in diesem Semester über den Bauernkrieg 1525. Sehr detailliert wird auf die lokalen Umstände in Süddeutschland im frühen 16. Jahrhundert eingegangen. Zu detailliert für einen kurzen Blogbeitrag. Dieser Ausflug ins Württemberg von 1514 ist jedoch eine abgeschlossene Geschichte über einen Vorläufer des Bauernkriegs und der Bezug zu unserer früheren Heimat Württemberg passt mir prima ins Konzept.
Armer Konrad war der Schimpfname des Adels für bäuerliche und städtische Unterschichten. Die Ursachen des Aufstands waren wirtschaftlicher Natur. Zwischen 1508 und 1513 hatte es häufig Missernten gegeben, die die Bevölkerung an den Rand des Existenzminimums brachten. In dieser schon misslichen Lage führte der Herzog Ulrich von Württemberg eine neue Steuer ein. Er brauchte neben seiner äußerst luxuriösen Lebensführung zusätzliches Geld für einen geplanten Feldzug, und seine Untertanen sollten liefern. Die neue Steuer lag in ihrer Höhe und Begründung allein im herzoglichen Ermessen. Auch wurden Maße und Gewichte auf ca. 70% reduziert, die Preise blieben gleich. Dies konnten und wollten die Untertanen nicht hinnehmen. Öffentlichkeitswirksam wurde in Großheppach im Remstal ein "Gottesurteil" inszeniert. Peter Gaiß aus Beutelsbach führte es aus: wenn die neuen Gewichte in der Rems schwimmen würden, seien sie von Gott gewollt, und die Leute würden sie anerkennen. Sollten sie im Wasser versinken, sei dies das Zeichen, dass die Bauern recht hätten. Der Ausgang war wie erwartet, weitere Unruhen in Schorndorf und anderswo im Land folgten. Dann kehrte wieder Ruhe ein, bis sich kurze Zeit später der Stadtpfarrer von Markgröningen den bäuerlichen Forderungen anschloss. Die bäuerlichen Haufen konnten jedoch auf längere Sicht den Rittern im herzoglichen Heer nicht standhalten. Es fehlte schlicht die kriegerische Ausbildung. Auch mangelnde Koordination von Aktionen ließ sie verpuffen. Die herzogliche Rache war fürchterlich, allein im Remstal wurden 1700 Bauern gefoltert und hingerichtet.
Der Herzog berief jedoch nach Niederschlagung des Aufstands einen Landtag nach Tübingen ein, in dem die "Landstände", die gehobene Bürgerschicht, ihre Interessen vertreten konnten. Die ungeliebte Steuer wurde abgeschafft, und es wurde ein Vertrag geschlossen, der den Landständen bis dahin nicht gekannte Mitspracherechte sicherte. Steuern, Kriege, Verpfändung oder Veräußerung von Landesteilen durfte der Herzog nicht ohne Zustimmung der Landstände beschließen. Freies Wohn- und Aufenthaltsrecht für den gemeinen Mann war neu, bis dahin musste bei Wegzug eine Steuer bezahlt werden. Auch wurden faire Gerichtsverfahren für jedermann, unabhängig vom Stand, zugesichert.
Der Tübinger Vertrag galt bis 1805, bis zum Ende des Herzogtums Württemberg, und war für die damalige Zeit vorbildlich.
Im Gegenzug übernahmen die Landstände die herzoglichen Schulden für 40 Jahre.