Donnerstag, 15. Januar 2009

Konzerthusten

Winterzeit ist Kulturzeit, jetzt finden die Veranstaltungen in geschlossenen Räumen statt, und niemand will sich stattdessen im Freien aufhalten. Und im Winter blüht er, der spezielle Konzerthusten. Nie gehört? Bestimmt doch! So bezeichne ich die leisen Räusperer bis kräftigen Beller, die da kurz vor Beginn der Musik, in den kleinen Pausen zwischen zwei Sätzen, mehr oder weniger verschämt losgelassen werden. Keine noch so kleine Musikpause ohne Konzerthusten.
Ich gehöre zu den Leuten, die im Konzert husten, und mir graut davor. Bei mir blüht der Husten nicht nur zur Winter-Erkältungszeit, sondern auch im Sommer, wenn ich außerhalb von Konzertsälen gar keinen Husten habe. Psychisch halt, gestört. Nur ist er im Sommer nicht so schlimm. Da ich schon ahne, was kommen wird, präpariere ich vor jedem Konzertbesuch meine Handtasche, die bestimmten Bonbons müssen griffbereit liegen. Und in ausreichender Anzahl. Zu wenige könnten den ersten Anfall von Konzerthusten bereits viel zu früh auslösen, schon im 1. Satz, und wie soll ich dann mit zu wenig Bonbons den Rest des Konzerts überstehen? Nun besteht die Kunst darin, die Bonbons richtig zu dosieren, nicht zu früh, aber bevor der kleine Reiz im Hals sich schon zum Reizhusten gesteigert hat. Ich huste nie in den kleinen Musikpausen. Ich huste sowieso nie, ES hustet, meist völlig unkontrollierbar. Außer durch Bonbons. Und tiefes Durchatmen.
Schlimm sind die zweiten Sätze, die Adagios und Andantes, ruhiges, schönes Musizieren, die Instrumente singen. Jeden noch so kleinen Räusperer hört man da. Mal eben kurz husten? Völlig unmöglich! Ruhig atmen, aufs Atmen konzentrieren, nicht an den Husten denken.
Da lobe ich mir die großen Orchesterwerke, Mahler zum Beispiel. In so einer Sinfonie wie der zweiten, mit etwa 90 Minuten Aufführungsdauer, sind viele Passagen, in denen Orchester einschließlich Schlagwerk einen solchen Höllenlärm veranstaltet, dass die Gewerbeaufsicht einschreiten würde, wenn es sich nicht um Kunst handeln würde. In diesen Passagen kann man ungeniert husten, wenn es jemand merkt, dann höchstens der unmittelbare Nachbar.
Doch zurück zur Kammermusik. Dritte Sätze sind meist fesch und fegen vorbei, keinen Anlass zum Husten finden! Dann Satz Nr. 4, meist schnell, damit die Musiker ihr Können zeigen können, viel Bewegung, gute Lautstärke. Also, nochmal atmen, nicht husten, und geschafft. Pause.

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