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Montag, 23. Dezember 2019

Oper. Rigoletto.

Kurz vor den Feiertagen konnten wir eine wunderschöne Aufführung der Oper Rigoletto von Verdi in unserem Provinztheater genießen. Wir sind immer wieder positiv überrascht was für gute Aufführungen dieses Team zu Stande bringt, obwohl die Mittel fehlen. Aber die überwiegend jungen Leute gehen offenbar mit viel Engagement, Können und Enthusiasmus an die Inszenierungen.
Die Geschichte ist sehr tragisch, und der Fluch, der gleich zu Anfang ausgesprochen wird, legt sich bleiern über die ganze Geschichte, von Szene zu Szene schwerer werdend bis zum Ende, bei dem eine Unschuldige sich opfert und der eigentliche Schuft davon kommt.
Die Bühnentechnik wird - wie schon von diesem Theater gewohnt - sparsam aber gekonnt eingesetzt, die Sänger stimmlich sehr gut aufgestellt, ganz besonders Akoho Tsujii, die Gilda verkörpert. Ganz wunderbarer Sopran, sie meistert alle Höhen, egal ob laut oder auch ganz leise, anscheinend ohne Kraftanstrengung, eine wunderschöne Stimme.
Eine Aufführung, an die man sich noch lange mit Freude erinnern kann.

Sonntag, 6. September 2015

Auswärts. Die Oper in Riga.

Nationaloper
Wir waren auf unserer Reise durch die baltischen Staaten nun im zweiten Land angekommen, von Lettland sahen wir an einem intensiven Tag "nur" die Hauptstadt Riga. Wir begannen recht zeitig am Morgen und konnten die Nationaloper von innen besichtigen und auch die Bühne kurz betreten, bevor die Proben zur abendlichen Aufführung von "La Traviata" begannen.
Die Oper wurde zwischen 1860 und 1863 im neoklassizistischen Stil als Deutsches Theater erbaut. Seit 1919 beherbergt das Gebäude die Lettische Nationaloper. Ränge von der Bühne aus

Von der Präsidentenloge hat man eine Überblick über das Parkett und die Ränge, die Intendantenloge liegt gegenüber.
Oper Ränge und Parkett

Präsident und Intendant können bei der Lage der Logen gut von den Zuschauern gesehen werden, ihr Blick auf die Bühne ist etwas eingeschränkt.
Oper Blick auf die Bühne

Kronleuchter und Kuppel über dem Saal.
Leuchter im großen Saal
Wir konnten dann noch Einblick in die Probenarbeit von Ballett und Oper nehmen und wurden zum Abschluss mit zwei Arien und einem Gläschen Sekt verwöhnt.
Karte:
der dunkelrote Marker in der Mitte zeigt die Position von Riga.
Quelle: wikipedia

Sonntag, 23. Januar 2011

Der Rosenkavalier

Schon lange gab es keinen Eintrag mehr in diesem Blog über eine Opernaufführung, wir haben auch etwas pausiert. Die Aufführung des Rosenkavalier von Richard Strauss stand jedoch schon lange auf meiner musikalischen Wunschliste.
Die Aufführung der Stuttgarter Staatstheater stammt aus dem Jahr 2009, und um gleich positiv anzufangen, das Bühnenbild finde ich gelungen. Keine wilde Ödnis auf der Bühne, garniert mit Rohrleitungen, wie dies noch vor wenigen Jahren Mode war, nein, ein freundlicher Sternenhimmel als Hintergrund. Eine drehbare Scheibe als Zentrum der Bühne, und je nach der in diesem Stück häufig und rasch wechselnden Anforderung werden Möbel auf- und abgeräumt oder umgeben hohe mehrstockige Wagen wie Häuser das Zentrum. Von dort singt dann der Chor, man schaut hinunter oder hinauf, es findet die Erweiterung des Intimen eines fürstlichen Schlafzimmers des 18. Jahrhunderts, in dem die Oper spielt, in die Öffentlichkeit statt.
Auch musikalisch scheint mir die Aufführung gelungen, besonders schöne Stimme von Christiane Iven als Marschallin, aber auch Marina Prudenskaja als Octavian und Michaela Schneider in einer Nebenrolle hörten sich sehr gut an.
Die 1911 uraufgeführte Oper zitiert häufig, schon durch Anlage der Handlung im 18. Jahrhundert. Wir kennen die Verehrung eines jungen Mannes für eine verheiratete Frau auch in Figaros Hochzeit in der Figur des Cherubino, aus dem Figaro kennen wir auch die unseligen Machenschaften eines (Ehe)-Vertrags zu Lasten eines oder einer Dritten, der/die erst Mal gar nicht gefragt wird. Im Rosenkavalier hat die betroffene Sophie gleich den Mut, nein zu sagen. Auch den alternden Mann (Baron Ochs), der durch Heirat oder sonstige Liebeleien seine Männlichkeit nochmals unterstreichen will, kennen wir aus vielfältigen Vorlagen, Barbier von Sevilla, Der Geizige, um nur zwei zu nennen. Intrigen spinnende Frauen mit großem Einfluss (die Marschallin) beschreibt auch Pierre-Ambroise-Francois Choderlos de Laclos in Gefährliche Liebschaften, erschienen 1782, also etwas nach der Zeit, in der Der Rosenkavalier spielt. Auch die Verwechslungsspiele durch Verkleidung (hier wird Octavian zur Zofe Mariandl) werden sowohl in den bereits erwähnten Werken als auch anderweitig gerne eingesetzt. Da Octavian als Hosenrolle angelegt ist, ist diese Verkleidung unproblematisch und weniger Klamauk als sonst.
Nun zum Negativen. Der Regisseur erfindet eine Figur, die das Stück die ganze Zeit begleitet und mit Pantomimen und Fratzen kommentiert. Sie nimmt Gestalt in einem zotteligen Teufel mit umgehängtem vergrößerten männlichen Geschlechtsteil. Einfach nur zotig. Dass in diesem Stück mancher vom Teufel geritten wird, erschließt sich auch so, und dass die Luft knistert durch die sexuellen Wünsche, aber auch Enttäuschungen der Protagonisten, dazu braucht es diese Figur nicht. Sie erinnert mich fatal an das grüne Männchen in Carmen, das mir damals auch nicht gefallen hat. Vermutlich ist auch das eine Modeerscheinung, die es ähnlich wie die mit Rohrleitungen ausgestatteten oben erwähnten Anti-Bühnenbilder irgendwann (hoffentlich bald!) nicht mehr geben wird.

Sonntag, 6. Dezember 2009

Der Barbier von Sevilla

Wir sahen diese Inszenierung bereits zum zweiten Mal. Schon 2005, bei der 70. Vorstellung dieser Inszenierung, waren wir dabei, und jetzt, genau zur 100. Vorstellung wieder. Und wieder gab es diese Besonderheit, dass eine Rolle doppelt besetzt war und "von der Seite gesungen" wurde. Die Sängerin der Rosina war stimmlich indisponiert, konnte aber spielen. Und es war gelungen, eine junge Sängerin zu verpflichten, die die Rolle konnte, nur in der Inszenierung auf die Schnelle nicht zu agieren wusste. Und sie sang hervorragend, hatte selbst Spaß, und der Freude, die sie ausstrahlte, entnehme ich, dass sie mir ihrer Leistung und der Gelegenheit, die sie damit beim Schopf gepackt hatte, sehr zufrieden war. Vielleicht sehen wir sie ja bald einmal als reguläre Besetzung.
Der Barbier von Sevilla ist von Rossini mit sehr schönen Rollen für die Sänger ausgestattet. Jeder hat seine ausführliche Auftrittsarie und kann gleich zeigen, was Mann und Frau so drauf hat. Denn einfach sind die Partien nicht. Diese Besetzung kam damit jedoch gut zurecht.
Die Geschichte ist einfach und wie oft bei Opern eigentlich kaum wert, erzählt zu werden. Ein alternder Mann, Doktor Bartolo (Renato Girolami), hält sein Mündel Rosina (Yuko Kakuta) im Haus wie eine Gefangene. Am liebsten würde er sie selbst heiraten, um an ihr Vermögen zu kommen. Graf Almaviva (Bogdan Milai), jung, reich und "von Stande", hat Rosina ein Mal gesehen, sich verliebt und möchte sie heiraten. Doch er kommt nicht an sie ran. Zuerst vermag er ihr Interesse durch häufige und selbst gesungene Ständchen zu wecken. Und dann kommt Figaro (Adam Kim) ins Spiel. Als Barbier hat er Zugang zu allen Häusern der Stadt, er kann ein Briefchen oder eine Nachricht überbringen, und er wird hier sehr aktiv. Es beginnt eine Reihe von Versuchen von Seiten Almaviva, Kontakt mit Rosina aufzunehmen, ihre Liebe zu gewinnen und sie schließlich aus der Gewalt des Vormunds zu befreien oder zu entführen. Diese Versuche werden gekontert durch die Gegenseite. Bartolo erhöht den Druck auf Rosina, er will sie zwingen, ihn selbst zu heiraten, er lässt unwahre Gerüchte über den Grafen verbreiten, so dass Rosina sich zeitweise getäuscht sieht und abwehrend reagiert. Jedoch kommt das gute Ende, das junge, schöne, reiche Paar "kriegt sich", und der Rest der Beteiligten ist's zufrieden. Figaro ist jedoch eigentlich gar nicht beteiligt. Er agiert in seiner Rolle, verdient sich seinen Lohn, er persönlich ist in dieser Oper jedoch unbeteiligt.
Es ist eine witzige Inszenierung, und die Sänger bringen ihre jeweilige Rolle sehr gut rüber, speziell auch Adam Kim als listiger und komödiantischer Figaro.

Sonntag, 23. November 2008

Der Graf Ory

Le Comte Ory heißt die vorletzte Oper, die Gioachino Rossini schrieb und die 1828 in Paris uraufgeführt wurde. Sie gehört nicht zu den oft gespielten Welterfolgen, wie der Barbier von Sevilla, aber sie ist durchaus sehens- und hörenswert. Hier wurde sie in der vergangenen Spielzeit modern und stimmig inszeniert.
Der Graf Ory ist ein Jüngling auf der Suche nach amourösen Abenteuern, von zu Hause ausgerissen, verfolgt von seinem Erzieher und seinem Pagen Isolier. Im ersten Akt gibt er sich als Eremit aus, die jungen Frauen des Dorfes bringen Geschenke und suchen seinen Rat. Auch die Gräfin vom nahegelegenen Schloss, die an einer Depression leidet, sucht in Begleitung mit Erfolg den Rat des Eremiten. Doch nun wird die wahre Identität Orys aufgedeckt, alle sind empört ob so viel Dreistigkeit, die Gräfin zieht sich mit ihrem Gefolge wieder auf die Burg zurück.
Dort spielt der zweite Akt. Die Gräfin hat sich mit ihren Begleiterinnen auf der Burg eine Wellness-Oase eingerichtet, der Orchestergraben dient (optisch) als Schwimmbad. Die Damen lassen es sich gut gehen und pflegen sich. Nach einem heftigen Gewitter bittet eine Gruppe Pilgerinnen um Zuflucht. Es sind Ory und seine Leute, der Erzieher mit dabei und im moralischen Zwiespalt, den "Zögling" beschützen zu müssen, damit jedoch auch Unsinn und Betrug mitzumachen. Ory versucht sich der Gräfin zu nähern unter dem Vorwand, sich für die Aufnahme zu bedanken, es kommt in der Dunkelheit (wir Zuschauer sehen natürlich, was vorgeht) zu einem komischen Verwechselspiel zwischen der vermeintlichen Nonne Ory, der Gesellschafterin der Gräfin, dem Pagen Isolier und der Gräfin selbst. Ory und seine Leute, die sich am Weinkeller gütlich getan haben und entsprechend fertig sind, werden enttarnt und durch einen Seiteneingang von der Burg gewiesen. Die Ritter, angeführt vom Bruder der Gräfin und vom Ehemann der Gesellschafterin, kehren vom Kreuzzug zurück. Eitel Freude.
Man liest häufig, im Graf Ory seien zwei Figuren von Mozart wiederaufgenommen, einmal Ory selbst als Don Giovanni, zum zweiten der Page Isolier als Page Cherubino. Bei den beiden letzteren gibt allein schon die Rolle Page zu Page, junger Mann in schwärmerischer Verehrung der Frauen, die Ähnlichkeit vor. Ory und Don Giovanni sind sich jedoch so ähnlich wie ein pubertierender Jüngling zu einem erwachsenen Mann, Don Giovanni hat vor nichts und niemand Angst, nicht einmal vor der Statue des Komtur, Ory hingegen erschrickt heftig schon bei Nennung des Namens seines Vaters. Und er besitzt auch nicht diese schrecklicher Unerbittlichkeit, mit der Don Giovanni seine Opfer ins Unglück und sich selbst schließlich ins Verderben treibt. Das schreckliche Ende bleibt Ory so erspart, er versucht's halt mal, und meist klappt's ja nicht.
Die Bühne ist ganz modern-aktuell gestaltet, alltägliche Kleidung ist angesagt. Als Klause des Eremiten hat man ein rundes Spiegelkabinett auf die Bühne gestellt, drehbar, alle Spiegeltüren können geöffnet werden. Da kann man gut verschwinden und plötzlich wieder auftauchen. Und der Wellness-Tempel im Schloß mit dem leuchtenden Schwimmbad vorne ist vom Feinsten ausgestattet. Die Damen kämpfen mit einer Fernbedienung, die alles steuert, Tische hereinfahren und wieder verschwinden lässt, die Außentüren öffnet, was man sich an modernem Schnickschnack der Haustechnik nur vorstellen kann. Und die vom Kreuzug zurückkommenden Ritter kündigen ihre Ankunft per SMS an, genauso nutzt die weibliche Dorfbevölkerung ihre Handys, um in ihrer Begeisterung ein Bild vom Eremiten festzuhalten.
In dieser Aufführung kam es nun schon zum zweiten Mal vor, dass eine Rolle wegen Krankheit "von der Seite" gesungen wurde. Die Sängerin des Isolier konnte nicht auftreten, ein stimmlicher Ersatz wurde in Victoria Simmonds gefunden. Sie hatte die Rolle in London gesungen, konnte sich jedoch nicht so schnell in die Inszenierung einarbeiten, die Rolle ist nicht so ganz einfach. So sprang ein junger Regieassistent ein, spielte auf der Bühne, und die Stimme kam von der Seite. Die beiden haben das gut gemacht, und das gilt auch für die gesamte Aufführung.

Samstag, 18. Oktober 2008

Don Giovanni

Diese Oper von 1787 basiert auf einem zur Entstehungszeit sehr populären Thema, es ist jedoch das Verdienst von Lorenzo da Ponte, dem Librettisten, das Thema erweitert und damit eine Perspektive auf das Thema gelegt zu haben, die bis heute die herrschende ist. Mozarts Musik ist daran natürlich auch beteiligt, keine Frage. Es handelt von sich Unbekannten, die nur zusammenfinden, weil sie von Don Giovanni geschädigt wurden, und die versuchen, ihn zu stoppen (und zu liquidieren). Dies übernimmt letztendlich die Statue des Komturs, der steinerne Gast. Und als Don Giovanni in der Hölle verschwunden ist, trennen sich die anderen wieder, jeder geht seiner Wege.
Die Stuttgarter Inszenierung von Hans Neuenfels aus dem Jahr 2002 hat ihre witzigen Momente und durchaus gute Ideen, wie z.B. die drehbare Stierkampfarena, die viele Verwandlungen ermöglicht. Manches ist auch übertrieben bis geschmacklos, wie die weißen Kuheuter aus Stoff, die den Sängerinnnen des Chors umgehängt wurden. Auch das Dämonische, das in der Musik des Finales liegt, wurde nicht herausgearbeitet, schade.
Gesungen wurde auch, leider muss man sagen, die stimmlichen Leistungen sind verbesserungsfähig.

Sonntag, 13. Juli 2008

Der Freischütz

Als letzte Aufführung der diesjährigen Opernmiete sahen und hörten wir den Freischütz. Die Inszenierung stammt aus 1980 und erfreut den Zuschauer mit schönen Bühnenbildern. Die Handlung erzählt der Komponist Carl Maria von Weber in einem Brief an seine Braut vom 3. März 1817 folgendermaßen:
Ein alter fürstl. Förster will seinem braven Jägerburschen Max, seine Tochter und Dienst geben, und der Fürst ist es zufrieden, nur besteht ein altes Gesetz, daß jeder einen schweren Probeschuß ausführen muß. Ein anderer boshafter liederlicher Jägerbursche Kaspar hat auch ein Auge auf das Mädel, ist aber dem Teufel halb und halb ergeben. Max sonst ein trefflicher Schütze, fehlt in der letzten Zeit vor dem Probeschuß alles, ist in Verzweiflung darüber und wird endlich dadurch von Kaspar dahin verführt, sgenannte Freykugeln zu gießen, wovon 6 unfehlbar treffen, dafür aber die 7. dem Teufel gehört. Diese soll das arme Mädchen treffen, dadurch Max zur Verzweiflung und Selbstmord geleitet werden u. Der Himmel beschließt es aber anders. Beim Probeschuß fällt zwar Agathe, aber auch Kaspar, und zwar letzterer wirklich als Opfer des Satans, erstere nur aus Schrecken, warum u. ist im Stück entwickelt. Das Ganze schließt freudig.

Die Kulissen erinnern ein wenig an Volks- und Bauerntheater, ebenso die Kostüme, und verhindern dadurch, dass die Geschichte zu sehr ins Süße, Romantische der Entstehungszeit abgleitet. Besonders in der Wolfschluchtszene ist "action", die Wände wackeln, alle möglichen Ungeheuer kommen bedrohlich von oben eingeschwebt oder entschwinden wieder. Die Obermaschinerie der Staatsoper, jahrelang ob ihrer Renovierungsbedürftigkeit in der Presse, musste ganze Arbeit leisten.
Die Stuttgarter Zeitung resümiert "Alles in allem [...] ein Abend, der für das Repertoire der Staatsoper ein Gewinn ist."

Sonntag, 18. Mai 2008

Faust (die Oper)

Im Landestheater in Coburg spielen sie zur Zeit die Oper Faust von Charles Gounod. Wie meist sind meine Eindrücke von Musik und Inszenierung durchaus unterschiedlich. Die Oper erzählt die Gretchen-Geschichte aus Faust I, also Kennenlernen und Verführung von Marguerite durch Faust, der sich an den Teufel verkauft hat. Marguerite wird von Faust verlassen, bekommt ein Kind, das sie umbringt. Sie wird verurteilt und bei Goethe hingerichtet, bei Gounod wegen Ihres Glaubens gerettet.
Das Umfeld dieser Tragödie wird durch den Chor symbolisiert. Eine strenge Gesellschaft, alle Frauen gekleidet mit hochgeschlossenen weißen Spitzenblusen, alle Männer mit dunkler Hose, weißem Hemd und dunkler Krawatte. Diese sehr geschlossene Gesellschaft trifft zusammen in der Kirche, feiert auch mal zusammen, aber sie schottet sich ab gegenüber Außenseitern. Die Außenseiter erleiden ihre Geschichte, Faust, Marguerite, auch ihr Bruder Valentin und ihr Verehrer Siebel. Sie alle gehören nicht zu dieser Gesellschaft. Von Gounod wurde diese Oper sehr viel christlicher angelegt als Goethe das in seinem Stück gemacht hat. Gerade die Errettung Marguerites am Ende folgt diesem Ansatz. In der Inszenierung ziehen große Kreuze aus vielen kleinen Birnchen die Blicke auf sich und überstrahlen die Szene. Besonders befremdlich fand ich den Auftritt des gekreuzigten Jesus in den letzten Minuten, bleich, mit Wundmalen und Dornenkrone, der persönlich Marguerite dem Teufel entreißt. Gut getroffen und gespielt ist Mephistopheles. Kein finsterer Teufel, sondern ein charmant auftretender junger Mann. Der Teufel kann eben hinter jeder Maske stehen, auch wenn sie noch so harmlos aussieht. Alban Lenzen singt diese Partie hervorragend, ebenso wie Jennifer Bird als Marguerite. Diese beiden sind mir musikalisch besonders positiv aufgefallen. Es mag auch daran liegen, dass zwei Sänger als indisponiert angekündigt wurden. Aber der Besucher, der ein Stück nur ein Mal sieht und hört, hat ja keinerlei Vergleichsmöglichkeit.

Sonntag, 30. März 2008

La clemenza di Tito

Es war ein Auftragswerk der böhmischen Stände zur Krönung Leopolds II zum König von Böhmen und ist Mozarts vorletzte Oper. Der Stoff war dem damaligen Publikum wohlbekannt, war vor Mozart schon mehrere Male vertont worden. Wir sahen gestern die 46. Vorstellung der Staatsoper Stuttgart, eine Wiederaufnahme, Premiere war am 16. April 1994. Nähere Hinweise zur Oper gibt es hier, zur Handlung hier. Um es kurz zusammenzufassen, es war eine sehr schöne Aufführung. Das begann schon mit einem schönen Bühnenbild. Die Handlung spielt im 1. Jahrhundert n.Chr. in Rom, die Kostüme waren im Stil des ausgehenden 18. Jahrhunderts, der Zeit der Entstehung der Oper, bis auf den modernen Anzug, den Tito im 2. Akt trägt und auf die zweckmäßige heutige Kleidung der Näherinnen des Hochzeitskleids.
Endlich mal wieder hörte man auch schöne Stimmen. Besonders zu erwähnen sind die beiden "Hosenrollen", Tina Hörhold als Sesto und mit einer besonders schönen Stimme Ezgi Kutlu als Annio. Auch die anderen Sänger waren gut und sollen erwähnt werden, Michaela Schneider als Vitellia, Marita Solberg als Servilia, Jeffrey Francis als Tito und Mark Munkittrick als Publio. Das Orchester war manchmal etwas zu laut, aber insgesamt kann ich die Aufführung nur loben. Sie war besser als manche, die wir vorher gesehen hatten.

Sonntag, 25. November 2007

Cosi fan tutte

So machen's alle oder die Schule der Liebenden heißt die Mozartoper, deren 76. Vorstellung wir gesehen haben. Die Premiere dieser Inszenierung aus den ersten Jahren von Klaus Zehelein war bereits am 22. Dezember 1991. Schon die Umstände der 76. Vorstellung waren außergewöhnlich. Es begann damit, dass eine ganz in Schwarz gekleidete Dame mit Mikrofon die Bühne betrat, was nie Gutes verheißt. Abgesehen davon, dass die Sopranistin Michaela Schneider erkältet war, aber trotzdem gesungen hat, musste sie uns mitteilen, dass Karl-Friedrich Dürr die Rolle des Don Alfonso wegen ärztlichen Singverbots nicht singen durfte, jedoch auf der Bühne agieren werde. Von der Seite singen werde Tobias Schabel. Man durfte gespannt sein, wie das klappen würde. Gut, muss man im Nachhinein sagen. Herr Schabel trat mal von links, mal von rechts ans Pult und sang, wurde von Herrn Dürr ein Mal mit auf die Bühne genommen, als sie zu dritt im Innern eines an einer Seite offenen Kubus singen sollten. Es hätte wohl nicht gut geklungen, zwei Stimmen mit Widerhall der Wände und eine außerhalb. Sie haben es gemeinsam zu einem guten Ende geführt, und beide Sänger, der verhinderte und der Nothelfer, bekamen viel Beifall, den sie gemeinsam in Empfang nahmen.
Nun zur Oper selbst, eine Opera Buffa, nur wenig Handlung, ein Verwechslungsspiel zweier Liebespaare, bei dem die Männer die Treue ihrer Verlobten nach einer Wette auf die Probe stellen. Ende des 18. Jahrhunderts kein Aufreger, man denke nur an "Gefährliche Liebschaften", den Briefroman des ausgehenden 18. Jahrhunderts von Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos. Das 19. Jahrhundert konnte mit diesem "unmoralischen" Sujet gar nichts anfangen, so dass die Oper kaum oder nur bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet aufgeführt wurde. Die Besetzung ist klein, drei Frauen, drei Männer und ein kleiner Chor, die Stimmen zwei Soprane, ein Mezzosopran, ein Tenor, ein Bariton, ein Bass. Und viele schöne Melodien.