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Freitag, 29. März 2019

Ganz nah. Kriegerdenkmal Mainbernheim.

Wir wurden in einer Vorlesung über die Geschichte des Ersten Weltkriegs auf dieses Denkmal in Mainbernheim aufmerksam gemacht, da es nicht nur wie viele andere Kriegerdenkmale an die Gefallenen erinnert, sondern weil es die Dolchstoßlegende darstellt, eine Geschichtslüge, die von antidemokratischen und antisemitischen Kreisen nach Ende des Ersten Weltkriegs verbreitet wurde. Wir hatten uns gewundert, dass dieses Denkmal noch steht bzw. 1982 wieder aufgestellt wurde. Dabei ist die Tafel an der Seite wichtig, die Geschichte und Bedeutung erklärt. Ein Abbild der Tafel findet sich am Ende dieses Beitrags, zur besseren Lesbarkeit hier der Text.
Dieses Kriegerdenkmal wurde 1927 von der Stadt Mainbernheim als Erinnerung an die im Ersten Weltkrieg (1914-1918) aus ihrer Mitte Gefallenen in Auftrag gegeben. Den Entwurf dazu lieferte der bekannte fränkische Künstler Richard Rother, die Ausführung übernahm Hans Precht. Das Denkmal zeigt einen deutschen Soldaten, der gerade eine Handgranate werden will. Über seine Schultern breitet sich eine Fahne, die das damals gültige bayerische Wappen trägt. Hinter dem Soldaten kauert ein Knochengerippe, das darauf lauert, ihm den Dolch in den Rücken zu stoßen.

Der Künstler setzte in diesem Denkmal die kursierende "Dolchstoßlegende" in ein Monument der bildenden Kunst um. Militärische und nationalistische Kreise verbreiteten nach dem Ersten Weltkrieg diese Geschichtslüge. Sie besagt, dass die demokratischen Kräfte in Deutschland dem im Feld angeblich unbesiegten Heer den Dolch heimtückisch in den Rücken gestoßen hätten, denn erst die im November 1918 im Deutschen Reich ausbrechende Revolution habe die Niederlage herbeigeführt. In Wahrheit war das deutsche Heer militärisch aber längst besiegt. Der deutsche Generalstab hatte nämlich bereits Waffenstillstandsverhandlungen gefordert. Die Verfechter der Dolchstoßlegende machten jedoch die demokratischen Kräfte der Weimarer Republik, die Ultralinke und insbesondere die Juden für die Niederlage verantwortlich. damit wollten sie von eigenem Versagen ablenken. Dem Aufstieg der Nationalsozialisten wurde durch diese Geschichtslüge der Weg bereitet.

Bei genauer Betrachtung tritt die judenfeindliche Tendenz des Denkmals unmittelbar hervor. So stellt das Gesäß des Knochenmannes eine Fratze dar, die an die antisemitischen Karikaturen in Julius Streichers Hetzblatt "Der Stürmer" erinnert. Die Ablehnung der Demokratie verbindet sich hier mit dem Hass gegen Juden. Das ursprünliche Anliegen der Bevölkerung, ihrer Gefallenen zu gedenken, wurde auf diese Weise missbraucht.

Die Stadt Mainbernheim ist sich dieser aus dem Zeitgeist geboreren Geschichtslüge bewusst. Dennoch soll das Denkmal als Mahnung erhalten bleiben. Es soll fortan verstanden werden als Erinnerung an alle Menschen, die durch Kriege, Rassenhass und Verfolgung Leid erfahren haben.

Stadt Mainbernheim
Im Kasten unten auf der Tafel folgen die Daten:
  • 1927 - Einweihung des Kriegerdenkmals auf dem Rathausplatz
  • 1945 - Abbau des Denkmals durch die amerikanischen Besatzungstruppen
  • 1982 - Wiederaufstellung des Denkmals auf dem Rathausplatz
  • 1997 - Versetzung des Denkmals an den heutigen Standort
  • 2010 - Anbringung einer neuen Tafel und Umwidmung
 Der Standort hinter dem Kirchplatz.
Denkmal Dolchstoßlegende
Denkmal Dolchstoßlegende
Denkmal Dolchstoßlegende
Die erklärende Tafel, der Inhalt ist oben zu lesen.
Denkmal Dolchstoßlegende

Dienstag, 20. Februar 2018

Uni. So war mein Wintersemester 2017/18.

Das Semester war gut ausgefüllt, nur wenige Vorlesungen sind ausgefallen. In zeitlicher Fortsetzung der Vorlesung vom Sommersemester hörten wir nun über Das Heilige Römische Reich im Zeitalter der Konfessionalisierung 1555-1648. Es begann mit dem Augsburger Religionsfrieden, seinen Regelungen, aber auch den Defiziten, die schließlich in den Dreißigjährigen Krieg führten. Wir hörten über die Kaiser der Zeit, allesamt aus dem Haus Habsburg, und ihre Konflikte untereinander. Wir hörten über die Konflikte unter den Konfessionen in den 1580-er Jahren, die zu einem ständig zunehmenden Gegensatz zwischen Protestanten und Katholiken führten, zu immer größerer Gewaltbereitschaft auf beiden Seiten, und zehn Jahre vor Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs zu zwei Militärbündnissen, der Protestantischen Union und der Katholischen Liga. Die Organe des Reichs wie der Reichstag waren nicht mehr in der Lage, die Konflikte zu regeln, die Fürsten wurden sich nicht mehr einig. Schließlich der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648. Zuerst gab es große Erfolge der katholischen Seite, aber es gelang nicht, den Krieg zu beenden, da der Konflikt auch internationale Dimensionen hatte wie der Konflikt Frankreich - Habsburg (Spanien), der Unabhängigkeitskampf der Niederländer gegen Spanien, das Eingreifen Dänemarks, später dann Schwedens. Der Westfälische Friede 1648, ausgehandelt in langen Kongressen in Münster und Osnabrück, markierte das Ende und setzte mit einem neu festgesetzten Verhältnis von Reichsständen und Kaiser den verfassungsrechtlichen Maßstab bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs 1806. Der lange Krieg, die großen Bevölkerungsverluste hatten die Bevölkerung über Generationen traumatisiert, die Leute wollten nun endlich Frieden und Sicherheit.
Zurück ins Mittelalter führte die Vorlesung Franken im 12./ 13. Jahrhundert, sie begann mit einem Rundgang durch das Würzburg des 12. Jahrhunderts mit seinem Dom (viertgrößte romanische Kirche in Deutschland), dem Markt auf den Domstufen, dessen "Standgebühren" die Kerzen im Dom finanzierten, der Alten Mainbrücke aus Stein, dem Bezirk mit den Domherrenhöfen, dem Schottenkloster und der Deutschordenskommende auf der anderen Mainseite. Und der Festung Marienberg, von der man heute nicht weiß, wie sie im 12. Jahrhundert ausgesehen hat. Wir hörten über die Güldene Freiheit, eine von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) ausgestellte Urkunde mit einem goldenen Siegel, die den Würzburger Bischöfen die Gerichtsbarkeit in ihrem Gebiet (Hochstift Würzburg) zugestand. Würzburger Bischöfe späterer Jahrhunderte haben die Urkunde (fälschlicherweise) gerne als Bestätigung einer Herzogswürde für Franken interpretiert. Neben den Würzburger Fürstbischöfen gab es in Franken zur Stauferzeit auch noch die Bistümer Bamberg und Eichstätt, beide mit erheblichem weltlichem Besitz (Hochstift). Aber nicht nur Fürstbischöfe bestimmten die Herrschaft in Franken im Hochmittelalter, auch Adelsfamilien spielten eine wichtige Rolle. Wir hörten mit vielen Beispielen über den Aufstieg adliger Familien in Königsnähe. Dabei wurden wir auf die Gemeinsamkeiten "Burg - Stadt - Kloster - Fluss" hingewiesen, d.h. die Adelsfamilie stellte ihre Dienste dem König oder einem Fürstbischof zur Verfügung, bekam Vogteirechte bzw. hielt eine Burg. Meist folgten eine Stadt- und eine Klostergründung, die Klöster dienten dann meist als Grablege für die Familie. Und die Familien versuchten, Herrschaftsgebiet in der Nähe eines Flusses zu halten, das waren DIE Verkehrswege des Mittelalters. Allen gemeinsam ist auch, dass sie nach (höchstens) rund 300 Jahren in männlicher Linie ausstarben und andere an ihre Stelle traten. Nach den Adelsfamilien betrachteten wir noch die Städte, im mittelalterlichen Franken gab es nur sechs Freie Reichsstätte, sie hatten fast alle weniger als zweitausend Einwohner, die Mehrzahl der Städte in Franken war unter geistlicher Herrschaft. Auch die Klöster waren Thema der Vorlesung, speziell die Zisterzienser und Prämonstratenser, und wir bekamen den Unterschied zwischen Stift und Kloster aufgezeigt.
In der neuesten Geschichte setzten wir die Betrachtung des Kaiserreichs von 1890 bis 1914 fort, mit den Kapiteln 1. Epochenwandel um 1890, 2. Strukturen und Kräfte im wilhelminischen Kaiserreich, 3. Innenpolitik, 4. Aussenpolitik. Hierbei erhielten wir auch Einblicke in neueste Forschungsergebnisse, speziell zum Verhältnis Großbritannien <-> Deutsches Reich vor 1914. Die Vorlesung wird im Sommersemester fortgesetzt.
Zum guten Schluss besuchte ich noch eine Vorlesung über den Maler Rembrandt (1606-1669), bei der wegen Krankheit des Professors allerdings ein Drittel der angesetzten Termine ausfielen. So konnte er sich Zeit lassen, denn er wird im nächsten Wintersemester eine Fortsetzung "Rembrandt 2.0" anbieten. Das ist immer nett, Bilder kucken und erklärt bekommen, vergleichen mit den Bildern anderer Maler, die das gleiche Thema umgesetzt haben. Und nette Filmchen findet der Herr Professor auch immer in den Weiten des Internets.
Vorträge bzw. Ringvorlesungen haben wir auch noch gehört. Das altertumswissenschaftlichen Zentrum behandelte Sklaverei in Gesellschaften des Altertums, und wir hörten über Babylonien, über öffentliche Sklaven in Städten des römischen Reiches, über Sklaverei in Nepal und über Sklaverei in vorgeschichtlicher Zeit, d.h. hier sind mehr die Archäologen gefragt, weil es keine schriftliche Quellen gibt. Von Physik am Samstag haben wir zwei Termine besucht, einmal Quantum Life - von der unbelebten zur belebten Materie, ein noch sehr neues Forschungsgebiet hin zur Biophysik, und zum zweiten Spins in Motion, die physikalischen Grundlagen von MRT (Magnetresonanztomographie).

Dienstag, 15. August 2017

Uni. So war mein Sommersemester 2017.

Es war ein recht lückenhaftes Semester, bedingt durch die Donnerstags-Feiertage und unsere Reisen. Die so sehr geschätzte Reihe Physik am Samstag konnte ich gar nicht besuchen, an allen drei Terminen waren wir unterwegs, schade drum.
Immerhin drei (von fünf) Vorträgen hörten wir aus der Ringvorlesung Anatolien zwischen Ost und West, eine Veranstaltung des Alterswissenschaftlichen Zentrums unserer Universität. Wir hörten über die frühe Besiedlung Anatoliens, die unterschiedlichen Landschaften und dass bereits ab ~9.500 v. Chr. Getreide angebaut wurde, ab ~5.000 v. Chr. Früchte. Viehzucht mit Schafen/Ziegen und Rindern kamen hinzu, und ein Handelssystem mit Kupfer und evtl. Salz ab dem dritten Jahrtausend v. Chr. Alles sehr früh, und auf diesem Stand blieb Anatolien dann mehr oder weniger bis in die Neuzeit. In einem weiteren Vortrag hörten wir über frühe christliche Gemeinden in Kleinasien an Hand von Inschriften, meist auf Grabsteinen, wobei es oft nicht einfach ist, eine Inschrift als tatsächlich christlich zu erkennen. Im letzten Vortrag, den wir hörten, ging es um die Ausbreitung der neolithischen Lebensweise in Anatolien, wobei diese durch Sesshaftigkeit, Tier- und Pflanzenzucht gekennzeichnet ist. Dies erfolgte von Ost- nach Westanatolien im Zeitraum von ca. 7.000 v. Chr. bis 5.500 v. Chr.
Die Mittelaltervorlesung behandelte diesmal Die frühen Karolinger, beginnend bei den Franken im römischen Reich, von deren Königen Childerich, verstorben im Jahr 482 n. Chr. als erster fassbar ist. Mit ihm begann der Aufstieg der Merowinger, der langhaarigen Könige, die ihre Macht im 8. Jahrhundert jedoch nach und nach an ihre Hausmeier verloren, die man später Karolinger nannte. Wir hörten aber nicht nur über die Dynastien und ihre Machtkämpfe im Frankenreich, sondern auch über die Verhältnisse in Byzanz im 7. und 8. Jahrhundert, über die irische und angelsächsische christliche Mission auf dem europäischen Festland und über das Papsttum in dieser Zeit. Die Päpste waren es schließlich auch, die Pippin, dem Vater Karls d. Großen im Jahr 751 die bis dahin merowingische Königswürde zugestanden. Und dann waren wir beim berühmtesten der Karolinger angelangt.
Im Jahr der 500. Wiederkehr der Reformation war sie natürlich auch Thema in der Uni. Das Heilige Römische Reich im Zeitalter von Reichsreform und Reformation war der Titel der Geschichtsvorlesung, und wir hatten Gelegenheit, den Wandel zur Neuzeit in Herrschaft und Gesellschaft nachzuvollziehen. Wir lernten, wie ein Reichstag um das Jahr 1500 strukturiert war und wie er ablief. Auch die Reformen waren umfangreich, es begann mit dem Ewigen Landfrieden (Fehdeverbot) 1495, es wurde eine oberste Gerichtsbarkeit geschaffen, eine Reichskreisordnung, und Polizei, Strafen und Münzen wurden vereinheitlicht. All dies zog sich über Jahrzehnte hin, und es gab auch Reformen, die scheiterten. Die Reformation war hingegen nicht aufzuhalten, dabei half der Buchdruck, mit dem Flugblätter mit Ideen Luthers verbreitet wurden. 1530 wurde auf dem Reichstag in Augsburg das Augsburger Bekenntnis von sieben Reichsfürsten und zwei Reichsstädten veröffentlicht, das bis heute eine Grundlage der evangelischen Kirche bildet. Zur Zeit des Augsburger Religionsfriedens 1555 waren bereits drei Kurfürsten evangelisch: Sachsen, Pfalz und Brandenburg. Ab da bestimmte die Konfession des Reichsfürsten die Konfession der Untertanen. Der Bauernkrieg wurde ebenfalls besprochen, aber den hatten wir ja bereits 2013/14 ausführlich kennengelernt.
Eine schöne Ergänzung war die Ausstellung Ritter, Bauern, Lutheraner, die ebenfalls das Thema Reformation und das gesellschaftliche Umfeld behandelt, die wir uns inzwischen angesehen haben.

Dienstag, 7. Februar 2017

Uni. So war mein Wintersemester 2016/2017, Vorträge und Ringvorlesungen.

Die Vorträge starteten bereits Ende September, also noch in der vorlesungsfreien Zeit, mit einem Symposium im Deutschordensschloss in Bad Mergentheim über Der Deutsche Orden in Franken. Wir hörten drei Vorträge über die Entstehung des Deutschen Ordens zur Zeit der Kreuzzüge in Akkon (Palästina) mit einem Hospiz für kranke Ritter, die Ausdehnung bis nach Deutschland speziell mit den Niederlassungen in Mergentheim und Würzburg, über die Beziehungen der Deutschmeister (der "Chefs" der Niederlassungen in Deutschland) zum fränkischen Adel, und schließlich über die Ereignisse vor Auflösung des Deutschen Ordens durch Napoleon I. und den Neubeginn. Zum Bezug Deutscher Orden und Universität Würzburg möchte ich noch auf die Forschungsstelle Deutscher Orden im Lehrstuhl für Fränkische Landesgeschichte hinweisen, hier findet man immer wieder Hinweise auf Vorträge oder Veröffentlichungen.
Einen ganzen Tag mit sieben (!) Vorträgen hörten wir über den Würzburger Fürstbischof Julius Echter (1545-1617). Wir erfuhren über sein Verhältnis zur Stadt und ihrem Rat, über die allmähliche Vertreibung von Protestanten aus Würzburg, über seine durchaus modern anmutenden Vorstellungen von Armenfürsorge, über das städtische Frömmigkeitsleben zu seiner Zeit ("Maria allerorten"), über die beiden Grabmäler im Dom, für Echters Bruder Sebastian 1577/78 und für den Bischof 1617/18, über die Festung Marienberg als Herrschaftszentrum und anschließend aus archtekturhistorischer Perspektive.
In der Reihe Physik am Samstag hörten wir zuerst einen Vortrag über Perowskit-Solarzellen. Perowskit ist ein Mineral, das 1839 von Gustav Rose entdeckt wurde und dessen verschiedene Varianten sehr vielversprechende Eigenschaften, z.B. photovoltaische haben. Solarzellen mit Perowskiten haben bereits einen sehr guten Wirkungsgrad und sind ein vielversprechendes Material für die Weiterentwicklung von Solarzellen.
Der zweite Vortrag aus der Physik handelte von Schwarzen Löchern einmal anders. Nach einer Einführung (was sind Schwarze Löcher?) wurde uns vorgestellt, dass man durch Nutzung einer Dualität zwischen Stark gekoppelter Quantentheorie und der Gravitationstheorie einen neuen Ansatz gefunden hat, der inzwischen in zwei unterschiedlichen Versuchen experimentell bestätigt wurde. Da stimmt dann die Physik, wenn Versuch und Theorie das gleiche Ergebnis bringen.
Die Ringvorlesung der Altertumswissenschaftler befasste sich mit Herrschergestalten. Wir hörten über Caesar (100 v. Chr. - 44 v. Chr.)  und wie sein Bild in der Nachwelt durch ein Epos über den Bürgerkrieg vom Dichter Marcus Annaeus Lucanus (39 n. Chr. - 65 n. Chr.) geprägt wurde, der KEIN Zeitgenosse Caesars war, sondern am Kaiserhof Neros lebte.
Vortrag zwei befasste sich mit Perikles (~490 v. Chr. - 429 v. Chr.), der über 20 Jahre entscheidenden Einfluss auf die Politik in Athen ausübte und Athen in den Peloponnesischen Krieg drängte, der mit einer Niederlage Athens endete, was Perikles die Machtstellung kostete. Er starb kurz darauf an einer Epidemie. Die Beurteilung von Person und Wirken des Perikles wird von Wissenschaftlern durchaus unterschiedlich gesehen.
Vortrag drei zeigte Fürstliche Bestattungen von Frauen bei den Kelten in einem Zeitraum von etwas 150 Jahren, etwa 500 v. Chr. Außer dem Fürstinnengrab von Vix hat man nördlich der Alpen weitere fünf ähnliche Frauengräber gefunden, die alle Schmuck, Metallgeschirr, Opferschalen, aus Griechenland oder von den Etruskern importierte Waren enthielten. Teilweise fand man auch Wagen und Zaumzeug, aber keine Waffen. Außerhalb dieser Zeitspanne sind die Grabbeigaben nicht so prächtig. Auch erfuhren wir, dass Frauen bei den Kelten durchaus Führungspositionen einnehmen konnten, auch militärische.

Montag, 6. Februar 2017

Uni. So war mein Wintersemester 2016/2017. Vorlesungen.

Wie schon im vorletzten Semester würde ich im direkten Rückblick das Semester als sehr durchschnittlich, eher langweilig werten, aber ein Blick in meine Notizbücher belehrte mich, dass wir gerade in der Anfangsphase interessante Vorträge und Symposien besucht hatten, die doch sehr interessant waren. Zuerst jedoch ein Überblick über die Vorlesungen, und damit die Beiträge im Blog nicht zu lang werden, wieder in einem separaten Post.
Die Mittelaltervorlesung Europa im 13. Jahrhundert behandelte wie immer bei diesem Professor nicht nur die politischen, sondern auch die religiösen, sozialen und kulturellen Entwicklungen. Politisch ging es über den Thronstreit Welfen gegen Staufer über die lange und glanzvolle Herrschaft von Friedrich II. zum Untergang der Staufer bis zum Interregnum, aus dem dann mit Rudolf von Habsburg der erste Habsburger auf dem deutschen Königsthron auftauchte. Religiös wurde das 13. Jahrhundert vom Kampf der Päpste gegen den Kaiser bestimmt, es gab viele, meist für die Christen erfolglose Kreuzzüge, die Bettelorden kamen auf, es gab viele Ketzerbewegungen, die gnadenlos verfolgt wurden. Kulturell erlebte Europa mit der Hochscholastik eine Rezeption alter griechischer Schriften (z.B. Aristoteles), die aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt wurden. Der Osten Europas wurde weiter kolonisiert (Deutscher Orden, Gründung der Stadt Königsberg 1254/55 durch den böhmischen König Otakar II. ), die Mongolen stießen 1241 bis ins heutige Ungarn bzw. Polen vor und verschwanden dann wieder, es gab erste Expeditionen nach Asien (Marco Polo) und eine Niederlassung der Franziskaner in China. Und die mechanische Uhr wurde im 13. Jahrhundert erfunden.
Die Vorlesung Das Bismarckreich (1871-1890) behandelte zu Anfang die Situation des Deutschen Reichs nach 1871 und die Belastungsfaktoren, die daraus speziell für die internationalen Beziehungen entstanden waren. Ganz grundlegend wurden die Strukturen des Kaiserreichs behandelt, Verfassung und Organe, Parteien, Wirtschaft und Finanzen, soziale Strukturen, Interessenverbände und Gewerkschaften. Es folgte ein großes Kapitel, das sich mit Außenpolitik befasste, Stichworte Balkan- und andere Krisen, viele internationale Abkommen immer in dem Bestreben, eine Zweifrontensituation eingeklammert zwischen Frankreich und Russland zu vermeiden. Ein weiteres umfangreiches Kapitel über Innenpolitik, Stichworte Kulturkampf, Sozialistengesetz, Sozialversicherung, Schutzzölle. Den Schluss bildete das Ende der Ära Bismarck mit der Entlassung 1890 und seine Beurteilung aus heutiger historischer Sicht.
In Kunstgeschichte konnte ich die Epochenvorlesung Renaissance und Barock besuchen, die ausnahmsweise zu einer vernünftigen Tageszeit stattfand. Wir sahen und hörten über die ersten Gebäude in diesem Stil in Florenz und Rom, wechselten dann auf die Nordseite der Alpen, um konfessionelle Baukunst um 1500 an Beispielen in Prag, Sachsen, Augsburg, Erfurt und schlussendlich in Würzburg erklärt zu bekommen. Barock kam dabei fast gar nicht vor, nur in einem kurzen Exkurs in Dresden (Hofkirche).


Samstag, 16. Juli 2016

Uni. So war mein Sommersemester 2016. Vorlesungen.

Nach dem ersten Teil mit Ringvorlesungen und Einzelvorträgen, bei denen immer unterschiedliche Personen vortragen, schreibe ich nun über die Vorlesungen, bei denen eine Person über das Semester hinweg ein Thema umfassend behandelt. Die hier gewählte Reihenfolge geht zeitlich nach der behandelten Epoche von alt nach neu.
Die Vorlesung Methodische Grundlagen der Frühen Neuzeit behandelte einmal nicht Herrscher oder Politik, sondern kümmerte sich um die Inhalte und Methoden, mit denen sich die Geschichtswissenschaft beschäftigt, hier eingegrenzt auf die Frühe Neuzeit. Nach einer Einführung über den Begriff Frühe Neuzeit, ihre Räume und Epochen, ging es an die Teilbereiche Quellenkunde (was ist eine Quelle, welche Quellen kennt die Frühe Neuzeit, welche Hintergründe können abgeleitet werden), Paläographie & Typographie (die Lehre von den Schriften, welche gab es in der Frühen Neuzeit, und vom Drucken), Chronologie (Kalenderrechnung), Genealogie (Ahnenforschung). Die historischen Forschungsmethoden und ihre Entwicklung über die Zeit, die Wechselwirkung Quelle - Wissen bzw. Quelle - Fragestellung und die Forschungskontroversen schlossen diese interessante Vorlesung über die Grundlagen der Geschichtswissenschaften ab.
Ein ganzes Themenfeuerwerk wurde in der Vorlesung Vom Wiener Kongress bis zur Reichsgründung 1815-1871 abgebrannt. Von den Strukturen des Alten Reichs über die Modernisierungen in der Napoleonischen Ära, dem Dualismus Österreich - Preußen, der Modernisierung von Wirtschaft und Gesellschaft ab 1803, dem Wiener Kongress, dem Mächtesystem der Pentarchie bis zu den Revolutionen 1848/49 eilten wir im Sauseschritt. Der Krimkrieg und seine Folgen für das Mächtesystem, die Industrialisierung und der Liberalismus folgten. Damit waren die Vorarbeiten zum Verständnis der politischen Situation in Preußen ab 1860 und dem Eintritt Bismarcks in die preußische Politik 1862 gegeben. Im Detail hörten wir über Bismarcks Realpolitik und außenpolitische Erfolge zur Lösung innenpolitischer Blockaden, um dann mit dem preußisch-österreichischen Krieg und der Schlacht bei Königgrätz die Entscheidung für die kleindeutsche Lösung und damit die Voraussetzung für die Reichsgründung erreicht zu haben.
In diesem Semester konnte ich endlich mal eine Vorlesung über Kunstgeschichte finden, die nicht morgens um 8 Uhr stattfand, für mich ein absolutes Ausschlusskriterium. Sie handelte vom Bauhaus, der Kunst-, Handwerks- und Designschule, die 1919 in Weimar gegründet wurde, 1925 nach Dessau umzog, dort am 30.09.1932 geschlossen wurde und in viel kleinerer Form in Berlin noch bis zum April 1933 bestand. In dieser Vorlesung wurden die Künstler und ihre Werke vorgestellt, man sah Fotos von Häusern, von Stühlen (sehr viele Stühle!), von Bildern, Designobjekten, Skizzen usw. Der  Professor machte auch einen Abstecher in das Projekt Neues Frankfurt von Ernst May, in dem der Urtyp der modernen Einbauküche, die Frankfurter Küche, entwickelt wurde. Dazu zeigte er uns einen Werbefilm, schwarz-weiß, ohne Ton, aus der Zeit. Dabei war ihm wichtig, mehrfach zu betonen, dass die neue Küche auch eine neue Frau bedeutet, kein Hausmütterchen mit Schürze, sondern eine elegante Frau mit Kurzhaarschnitt und natürlich ohne Schürze. Zu sehen ab ca. 3:05, Dauer insgesamt 7:35. Viel Spaß!

Freitag, 15. Juli 2016

Uni. So war mein Sommersemester 2016. Vorträge und Ringvorlesungen.

Es war spannender und unterhaltsamer, als ich noch im letzten Semester befürchtet hatte, auch musste ich nichts wegen Wiederholung streichen. Dazu kam eine Reihe von interessanten Vorträgen.
Weil dieser Beitrag schon viel länger ist, als alles, was ich sonst so zu schreiben pflege, teile ich ihn in zwei Teile. Der erste Teil behandelt die Ringvorlesungen und Vorträge, Teil zwei dann die Vorlesungen.
Die erste Vortragsreihe, Physik am Samstag, startete bereits im März und bestand aus drei Vorträgen. Die in dieser Reihe Vortragenden beherrschen die Kunst, informativ über ihr Fachgebiet zu Laien zu sprechen, so dass Laien es sowohl verstehen als auch fachlich etwas mitnehmen können. Wir hörten über die Rolle der Wahrscheinlichkeit in der Physik, die spielt in der klassischen Physik eine Rolle bei Gasen. Gase bestehen aus einer sehr großen Anzahl an Teilchen, die sich bewegen, und für die die klassischen Gesetze Newtons gelten, aber man kann sie in der Praxis nicht anwenden, weil die Anzahl der Teilchen viel zu groß ist, es wären viel zu viele Gleichungen zu lösen. Man hat es aber verstanden, die Eigenschaften von Gasen in Abhängigkeit von Mittelwerten zu erklären. Zum guten Schluss erfuhren wir über die Quantenphysik und die Doppelspaltexperimente mit Teilchen, bei denen für ein Teilchen immer nur angegeben werden kann, mit welcher Wahrscheinlichkeit es an einem bestimmten Ort anzutreffen ist, nicht jedoch, wo es sich wirklich befindet. Das klingt für Laien immer ein wenig schräg.
Der zweite Vortrag in der Reihe war mit Reise zurück zum Urknall recht reißerisch betitelt, inhaltlich wurde uns im Wesentlichen das heute gültige Standardmodell für die Teilchen, aus denen Materie besteht, nahe gebracht. Dabei bekamen wir auch Einblick in den Teilchenbeschleuniger am CERN in Genf, mit dessen Hilfe die Existenz bestimmter Teilchen im Experiment nachgewiesen wird. Interessant fand ich noch die abschließende Aussage, dass wir nur 5% des Universums kennen, aber wissen, dass der Rest zu 25% aus dunkler Materie und zu 70% aus dunkler Energie besteht. Was immer das ist, wir warten auf die Vorträge der nächsten Semester.
Der dritte Physikvortrag behandelte blaues Licht, genauer, blaue Leuchtdioden (LEDs), die die Basis für weiße LEDs sind. Die Grundlagenentwicklung für blaue LEDs ist 2014 mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet worden, und es gibt in diesem Forschungsgebiet eine Vielzahl von aktuellen Herausforderungen und Weiterentwicklungen.
Sehr sympathisch ist  bei der Reihe Physik am Samstag das junge Publikum, Acht- bis zehnjährige Jungs (leider, wirklich leider, haben wir keine Mädchen in dem Alter gesichtet), die angespannt-fasziniert den Vorträgen folgen.
In der Ringvorlesung des Würzburger Alterumswissenschaftlichen Zentrums hörten wir über Exil. Flucht, Vertreibung, Deportation im Altertum. Es begann mit Judäer im babylonischen Exil nach neuen keilschriftlichen Quellen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Interessant fand ich, dass nach Auswertung der Keilschriften die Judäer im babylonischen Reich zwar als ethnisch geschlossene Gruppe in Königsland angesiedelt wurden, dass sie jedoch keine Sklaven waren, sondern die gleichen Rechte und Pflichten hatten, dass sie unternehmerisch tätig waren, dass ihr Wohlstand wuchs, und dass sie die babylonischen Rechtsinstrumente aktiv nutzen, mit Personen außerhalb und innerhalb ihrer ethnischen Gruppe.
Der zweite Vortrag, den wir hörten, hieß: Antike Schicksale zwischen Völkerwanderung und individuellem Exil und brachte vier Beispiele. Es begann mit Troja und was der Untergang einer Stadt in der Antike für ihre Einwohner bedeutete. Das zweite Beispiel berichtete von den Helvetiern, die 61 v. Chr. freiwillig ihre Heimat verließen und sich weiter im Westen neu ansiedeln wollte. Caesar verhinderte dies, und die Helvetier mussten wieder zurückkehren. Das dritte Beispiel behandelte die gotische Völkerwanderung um 350-380 n. Chr. Die Goten baten die Römer auf der Flucht vor den Hunnen um Aufnahme in das römische Reich, was ihnen unter Auflagen gestattet wurde. Die Goten hielten sich aber nicht an die Auflagen, es kamen viel mehr Goten ins römische Reich, sie waren bewaffnet und sie blieben zusammen. Als die Römer gegen sie militärisch vorgingen, unterlagen sie. Das letzte Beispiel behandelte einen römischen Senator, der ins Exil nach Smirna geschickt wurde. Er nahm dort das Bürgerrecht an und blieb in Smirna, auch als seine Vertreibung aufgehoben worden war.
Die letzte Ringvorlesung, die wir hörten behandelte die Seevölker im östlichen Mittelmeer, die sowohl im alten Testament als auch in ägyptischen Tempeln erwähnt bzw. abgebildet wurden. Nach vielen Theorien über Ursprung und Verbreitung der Seevölker in vergangener Zeit erforscht man heutzutage die Herkunft der für die Seevölker typischen Waffen, genauer, wo das Kupfer herkam, und man wurde in der Region Trient fündig.
Ein echtes Highlight war der Vortrag über Chruschtschow und die Entstalinisierung der Sowjetunion. Nach Stalins Tod 1953 wurde die Sowjetunion durch ein Kollektiv geführt. Chruschtschow wurde Führer der Kommunistischen Partei KPdSU, die unter Stalin komplett entmachtet worden war und konnte sie wieder beleben. Der Terror wurde eingestellt, die Folter verboten, die Macht der Sicherheitsorgane beschränkt. Ab dann war wieder Kritik möglich, ohne dass man das Leben riskierte. Nach einer Rede auf dem 20. Parteitag der KPdSU 1956, in der Chruschtschow mit Stalins Personenkult abrechnete, wurde eine grundlegende Wende in der Sowjetunion eingeleitet. Etwa zwei Millionen Menschen wurden aus den Lagern entlassen und rehabilitiert. Die Integration dieser zwei Millionen machte in Bezug auf Arbeitsplätze und Wohnraum große Schwierigkeiten, worauf ein gigantisches Wohnungsbauprogramm gestartet wurde. Die Sowjetunion öffnete sich, es gab wieder Ausländer in Moskau, sowjetische Künstler konnten im Ausland gastieren. Es gab Vorbehalte gegen Chruschtschow und die neue Führung in der Bevölkerung, weil sie auch an den Verbrechen Stalins beteiligt gewesen waren, aber das war ein Problem des ganzen Landes, irgendwie waren während des stalinistischen Terrors alle sowohl Täter als auch Opfer, und in Stalins engsten Kreis kam niemand, der nicht vorher entsprechende Untaten verübt oder befohlen hatte, schon damit Stalin ein Druckmittel hatte, sollte einer aufmucken wollen. Die Partei löste diesen Widerstand, indem sie alle, auch die Opfer, zu Siegern im großen vaterländischen Krieg (der zweite Weltkrieg gegen die Deutschen) erklärte.
Chruschtschow wurde im Oktober 1964 abgesetzt, Leonid Breschnew war sein Nachfolger.
Heute ist Chruschtschow eine Unperson in Russland, Stalin ist sehr populär, jedoch weiß keiner, was er gemacht hat, er wird verehrt als der Sieger des vaterländischen Krieges. Im Schulunterricht werden beide nicht erwähnt.
Bei der anschließenden Diskussion stachen die Parallelen und Unterschiede, die von einem Althistoriker mit den römischen Kaisern des 1. und 2. Jahrhunderts n. Chr. aufgezeigt werden konnten, besonders hervor, auch wurde über die verschiedenen Phasen der Aufarbeitung kollektiver Verbrechen diskutiert, auch hier gibt es viele Ähnlichkeiten.

Montag, 1. Februar 2016

Uni. So war mein Wintersemester 2015/2016.

Kurz gesagt, durchschnittlich, manchmal fast langweilig. Ich fürchte, ich bin nun schon so lange im Fach Geschichte dabei, dass sich so langsam die Wiederholungen einstellen.
Es begann im Oktober ganz vielversprechend mit einem Zusatzvortrag zur Ringvorlesung des Alterswissenschaftlichen Zentrums zum Thema Palmyra - Weltkulturerbe in der Oase. Vorgestellt wurde Palmyra in der Syrienkrise seit 2011, und beispielhaft vier Gebäude, die seit Mai 2015 von der Terrororganisation IS zerstört wurden, der Tempel des Baal-Shamin, Türme und Grabbauten aus dem Tal der Gräber, der Tempel des Bel und Triumphbogen nebst Kolonadenstraße. Alle diese Bauten wurden zwischen dem ersten und dritten Jahrhundert n. Chr. erbaut. Es sei tröstlich für die Wissenschaft, dass alle diese Gebäude wissenschaftlich dokumentiert und erfasst sind, also vermessen, fotografiert, gezeichnet und katalogisiert, meinte der Vortragende Michael Sommer von der Uni Oldenburg. Was mir bis dahin unbekannt war, die Terrororganisation IS finanziert sich in erheblichem Umfang durch Verkauf von Kunstschätzen, indem entweder wild gegraben wird, oder einfach die Bruchstücke von zerstörten Kunstgegenständen in den Kunsthandel gebracht werden. Und die Gegenstände werden offenbar gut bezahlt und auch gekauft. Wir hörten dann noch, wie Palmyra im 3. Jahrhundert n. Chr. reich und bedeutend wurde, so dass man sich die Prachtbauten leisten konnte. Den Anschlussvortrag im Januar über das heutige Palmyra und die politische Situation konnten wir krankheitsbedingt nicht hören.
Zur Epoche Mittelalter wurde über Europa im 11. Jahrhundert berichtet. Die Reihe der römisch-deutschen Kaiser begann mit Heinrich II. (973/978-1024), dem Gründer des Bistums Bamberg und endete mit Heinrich IV. (1050-1106), den man meist mit dem Bußgang nach Canossa in Verbindung bringt. Wir hörten jedoch auch ausführlich über die katholische Kirche und ihre Päpste, besprachen ausführlich die Reformbewegung in der Kirche, die zu einem neuen Selbstverständnis der Geistlichen und schlussendlich zu den wiederkehrenden Konflikten mit den römisch-deutschen Kaisern führte. Denn Canossa war nur der Anfang und der Konflikt anschließend nicht abgeschlossen.
Das lange 19. Jahrhundert bot den Hintergrund für die Vorlesung Politische Ideengeschichte, die den Zeitraum von der amerikanischen über die französische Revolution bis zur bolschewistischen Revolution umspannte. Sozialismus, Idealismus, Liberalismus, Konservatismus, Nationalismus, Nietzscheanismus, Anarchismus, Sozialdarwinismus, Rassismus, Neuidealismus und Universalismus sind die Schlagworte, und ich möchte hier nicht tiefer darauf eingehen. Es war harter Stoff, und ich war zum ersten Mal recht froh, das nur zu hören und eben KEINE Prüfung darüber schreiben zu müssen.
Im Fach Landesgeschichte hörten wir über Bayern 1918-1945. So war zumindest der offizielle Titel, denn der Dozent begann nicht nur mit einem Rückblick zu den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen in Bayern Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, was ich voll in Ordnung gefunden hätte, nein, er behandelte die Zeit ab 1912 ausführlichst, ebenso den Ersten Weltkrieg. Wir endeten dann schließlich irgendwo in den 1920-er Jahren, wobei die Ereignisse bis 1922 noch sehr ausführlich dargestellt wurden, dann ging es etwas flotter und oberflächlicher. Ich weiß nicht, warum der Titel so zu den behandelten Themen gewählt wurde, auf jeden Fall passte er nicht richtig.
In meinen Aufzeichnungen finde ich noch zwei Vorträge, zuerst Menschenmaterial. Die Behandlung der Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg durch das Deutsche Reich und die Sowjetunion von Klaus Jochen Arnold von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Ein sehr bedrückender Vortrag mit dem Fazit, dass in beiden Regimen nicht nach den bestehenden Regeln des Völkerrechts gehandelt wurde und die Forscher sich über Anzahl der Gefangenen und der Toten speziell in der UdSSR wie auch in der Frage, ob es eine ideologisch begründete Vernichtungsabsicht gab, nicht einig sind.
Im zweiten bemerkenswerten Vortrag behandelte Walter Ziegler Kardinal Faulhabers Haltung gegenüber Marxismus und Nationalsozialismus 1918-1939. Der Kardinal (1869-1952), nach dem in Würzburg ein Platz benannt ist, stammte aus einem unterfränkischen Dorf, ging in Würzburg zur Schule und wurde dort zum Priester ausgebildet. Er war Bischof in Speyer ab 1911 (wir erinnern uns, die Pfalz gehörte bis 1945 zu Bayern), ab 1917 Erzbischof von München und Freising, ab 1921 war er Kardinal. Mit Marxisten und Sozialisten hatte Faulhaber in München ab Ende 1918 bis 1924 zu tun, zuerst die Räterepublik, dann eine Reihe von bayerischen Staatsregierungen mit Beteiligung unterschiedlicher sozialdemokratischer Parteien. Das Verhältnis der katholischen Kirche zu diesen Regierungen war schlecht, die Kirche lehnte sie ab, es gab jedoch keine Umsturzversuche bzw. deren Förderung von Seiten der Kirche. Die Ablehnung des Nationalsozialismus war zumindest zu Beginn des Regimes 1933 nicht so eindeutig. In dem Jahr hatte Faulhaber Hitlers Reden analysiert und fand in einer zusammenfassenden Übersicht drei positive zu acht negativen Punkten. Bis 1935 begünstigte Hitler die Kirche, förderte die konfessionellen Schulen, was von der Kirche ab Ende 1918 heftig gefordert wurde. Als ab 1935 christliche Vereine behindert, gleichgeschaltet oder aufgelöst wurden, wurde die Haltung Faulhabers zunehmend kritischer bis hin zu Organisation kirchlichen Widerstands. Persönlich war er von der Person Adolf Hitler zumindest beeindruckt. Im Vortrag wurde auch auf die erst kürzlich erschienen Tagebüchers von Kardinal Faulhaber verwiesen, die in einer beeindruckenden Ausgabe nach und nach im Internet veröffentlicht werden. Das Projekt an sich ist schon spannend, es lohnt sich darüber zu lesen. Faulhaber schrieb über alle Begegnungen mit anderen Personen und was sie besprochen hatten, er benutzte eine heute nicht mehr gebräuchliche Kurzschrift, die die Projektmitarbeiter erst lernen mussten, um die Texte entziffern zu können. Die Texte sieht man in drei Versionen, dem Digitalisat (Foto der Seite), der Transkription (wörtliche Übertragung des Texts, einschließlich Korrekturen und Abkürzungen) und der Leseversion, in der die Abkürzungen aufgelöst sind. Zudem gibt es Kommentare und Kurzbiografien der erwähnten Personen. Spannend.
Wie ich nun rückblickend sehe, ist doch noch einiges Interessante und Erwähnenswerte zusammen gekommen, zumindest bis Anfang Dezember, so dass der eher langweilige Teil zum Schluss stattfand.
Auch die Planung für das nächste Semester läuft bereits, es könnte sein, es kommt ein neues Gesicht und damit neue Themen, zumindest liest jemand Vorlesung, der in den letzten Semestern damit pausiert hatte. Ich bin schon erwartungsfroh.

Freitag, 7. März 2014

Karl der Große - KarlsBilder.

Im Rahmen eines zweitägigen Kolloquiums hörten wir vier Vorträge über Karl den Großen bzw. wie sich seine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit über die Jahrhunderte veränderte.Es begann gleich mit dem Festvortrag durch Johannes Fried, emeritiert von der Universität Frankfurt/M, der im Herbst 2013 eine große Monographie über Karl den Großen vorgelegt hat. Der Experte schlechthin momentan. Schon bevor sein Vortrag über Die Aktualität Karls des Großen - vom Verlangen nach Kunst bis zu Heavy Metal begann, konnte man sehen, dass Karl der Große "zieht", er zieht die Leute an. Das Audimax der Universität war übervoll, und auch nach Öffnung der Empore mit weiteren 40 Plätzen mussten immer noch einige spät Gekommene stehen. Johannes Fried spannte einen weiten Bilderbogen, von Produkten, die den Namen Karl der Große oder Charlemagne tragen, wie z.B. Schokolade aus Belgien, Tee aus Ingelheim oder Wein aus Burgund, über einen Ort Charlemagne in Kanada, der aus einem Sägewerk hervorgegangen ist, bis zu einer Heavy Metal Gruppe, die mehrere Alben mit Charlemagne betitelt. Im von der Deutschen Wehrmacht besetzten Paris erschien 1943 ein Heft, eine Art Comic Charlemagne - empereur d'occident, das Karl den Großen, natürlich in Frankreich beheimatet, der sein Reich nach Deutschland und Italien ausgedehnt hat, als Heroen des Durchhaltens und als Sieger darstellt. Fried charakterisiert Karl aber auch selbst kurz und knapp, als Herrscher mit rationalen Ordnungsmustern, mit einem abstrahierenden, kategorialem Denkstil, mit Fragen, Wissen-wollen und Neugier. Karl holte viele Gelehrte an seinen Hof, was eine Erneuerung im Westen Europas nach sich zog. Er schuf die karolingische Minuskel, eine Schrift, die sich durch klare Buchstaben und eine deutliche Worttrennung auszeichnete und den karolingischen Reichskalender, der bis ins 12. Jahrhundert gebräuchlich war. 
Das zweite Karls-Bild wurde uns von Knut Görich aus der Zeit Friedrich Barbarossas vorgestellt. Es ging um die Heiligsprechung Karls des Großen, die am 8.11.1166 mit Urkunden für Aachen, einschließlich der Bestätigung der Aachener Privilegien, ausgefertigt wurde. Diese Heiligsprechung wurde lange Zeit nur im Kontext der Reichspolitik gesehen, als Stärkung der Position Friedrichs in der Auseinandersetzung mit Papst Alexander III und als Widerspruch zur Berufung des französischen Königs Ludwig VIII auf Karl den Großen.
Görich sieht jedoch ein anderes Motiv für Friedrich Barbarossa, nämlich die Stärkung der Stellung Aachens durch ihn, den Kaiser, als christlichen Herrscher und Bewahrer des Glaubens. Damit wurde ein neuer Kult in Aachen begründet, mit Konsequenzen für Stadt und Stift. Aachen war ab diesem Zeitpunkt nicht nur die Stadt der ersten Krönung der deutschen Könige, sondern auch Wallfahrtsort, und das war im Mittelalter auch aus wirtschaftlichen Gründen enorm wichtig.
Der Beitrag Der Kaiser Karl des Pfaffen Konrad befasste sich mit einer deutschen Übertragung des Rolandslieds (zwischen 1075 und 1110), die durch Konrad den Pfaffen etwa um 1170 entstand, und der Darstellung Karls des Großen im Epos und im Vergleich dazu der Rolands. Für mich interessant war, wie an die Bewertung herangegangen wurde, nämlich erst einmal rein mengenmäßig. Und da taucht Karl lange nicht so häufig auf wie Roland. Auch ist seine Darstellung als Kämpfer eher unbedeutend, umsomehr werden ihm christliche, religiös motivierte Attribute zugesprochen.
Der letzte Vortrag, den wir hören konnten, machte zeitlich einen großen Sprung in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Franz Fuchs sprach über die Verwissenschaftlichung des Karlsbilds von Leibniz und Eckhart. Nach kurzer Zeit fiel mir auf, dass ich über diesen Johann Georg Eckhart schon gehört hatte, als Bibliothekar und Geschichtsschreiber unter dem Fürstbischof Christoph Franz von Hutten (Fürstbischof 1724-1729). Eckhart bekam den Auftrag, die Geschichte des Hochstifts Würzburg zu schreiben. Eckhart legte diesen Auftrag genauso weit aus wie sein Lehrmeister Gottfried Wilhelm Leibniz in Hannover. Dieser hatte den Auftrag erhalten, eine Geschichte der Welfen (des Herrscherhauses in Hannover) zu schreiben, und schrieb eine Geschichte des (Heiligen Römischen) Reiches mit einer ausführlichen Würdigung Karls des Großen. Eckhart erstellte eine Gesamtgeschichte der Merowinger und Karolinger, in der dann auch das Hochstift Würzburg vorkam. Eckhart gab Karl dem Großen viel Raum, nahm alte Texte als Faksimile mit in das Werk auf, brachte ausführliche Zitate zum Tod Karls, sein Testament, eine Schilderung der Öffnung des Grabs von Karl unter Otto III zu Pfingsten im Jahr 1000, zeigte Fundorte und Ansichten von Münzen aus der Zeit Karls. Eckharts zweibändiges Werk wurde 1731, nach seinem Tod, und nach vielen Problemen mit dem Domkapitel schließlich auf Anordnung des neuen Bischofs doch noch veröffentlicht.

Das Tagungsprogramm: http://www.mfn.uni-wuerzburg.de/fileadmin/EXT00280/Bilder/Tagungsprogramm_Karlsbilder.pdf 

Mittwoch, 5. März 2014

So war das Wintersemester 2013/14 - jede Menge Frühe Neuzeit.

Die Idee zu dieser Zusammenfassung war ja schon lange da, aber eine massive Schreib-Unlust hatte mich nach Ende der Vorlesungen gepackt. Schreibblockade hört man schon mal öfter, aber das ist mir zu sehr Psycho-Ecke. Ich sehe mich nicht auf der Couch. Nun, schreiben macht nun wieder Spaß, und somit folgt jetzt die Zusammenfassung meiner Uni-Aktivitäten im Winter.
Es war mein bisher eifrigstes Semester. Allein fünf Vorlesungen habe ich besucht, dazu kamen Ringvorlesungen aus der Antike und der Literatur.
Der Ausflug in die Physik hat sich als enttäuschend herausgestellt, je länger, desto mehr. In den ersten Terminen war es noch interessant, ich habe ja auch versucht, darüber zu schreiben, aber dann setzte sich beim Vortragenden ein Stil durch, der nicht nur mir immer mehr missfiel. Man steht, gerade als erfahrener Vortragender, nicht mit dem Rücken zum Publikum, und im Zusammenhang mit Nuscheln nervt es ganz gewaltig. Abgehakt.
Die Geschichte der Habsburger Dynastie in der frühen Neuzeit behandelte Vorlesung Nummer zwei. Von den Anfängen im Mittelalter über die größte (theoretische) Machtfülle im 16. Jahrhundert, als im Habsburger Reich sprichwörtlich die Sonne nicht unterging. Und wir endeten tatsächlich nach Abhandeln der diversen Linien, vielen Kaisern und fast unzähligen Hochzeiten unter Verwandten mit dem letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation im Jahr 1806, dem Habsburger Franz II. Hier wird es im Sommersemester weitergehen mit den Grundzügen der Geschichte der Habsburger Monarchie 1792 bis 1918, ein wenig Überlappung eingeschlossen.
Ausreißer im zeitlichen Kontext war die Mediengeschichte der Moderne, von der Fotografie bis zum Internetzeitalter. Klar, man kennt vieles, jeder hat schon mal ein Plakat gesehen. Aber die doch unterschiedliche Verwendung im Zeitenlauf fand ich sehr interessant. Zumal die Medien meist nicht völlig verschwinden, sondern nebeneinander existieren. Die "Neuen" nehmen den "Alten" zwar einige Nutzer weg, aber sie bringen sie nicht völlig zum Verschwinden. Die Vorlesung war exzellent vorbereitet, die Unterlagen enthielten jede Menge Links zu Archiven für alles mögliche (Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, Wochenschauen, ...), was immer noch mal nützlich sein kann.
Wieder voll im Zeitrahmen der frühen Neuzeit war Handelsexpansion, Agrarreformen, Industrielle Revolution und ökonomische Theorien. Zur Geschichte der Globalisierung in der Frühen Neuzeit. Das war mein Liebling im Semester. Besonders gefallen hat mir der Ausflug in die Wirtschaftsgeschichte und das Aufzeigen der Gründe, warum z.B. Antwerpen im 16. Jahrhundert eine wahre Blütezeit erlebte, diesen Status aber nur einhundert Jahre später an Amsterdam abgeben musste. Auch glaubte ich schon vor Hören dieser Vorlesung, dass wirtschaftliches Handeln den Lauf der Geschichte mindestens genau so bestimmt wie ein Herrscher X oder ein Krieg Y, und dieser Glauben hat sich nicht geändert. Ich kenne jetzt nur ein paar Tatsachen mehr als vor einigen Monaten. Über diese Vorlesung und das Sub-Thema Kolonialisierung habe ich hier im Blog drei Beiträge geschrieben, was auch meine Begeisterung für diese Vorlesung belegt.
Der Abschluss der Woche kam aus der fränkischen Landesgeschichte. Die Bauern und 'ihr' Krieg? Ursachen, Verlauf und Folgen der Ereignisse von 1525 in Franken. Die Betrachtung von Ereignissen, die 1525 nur wenige Monate gedauert hatten, war wirklich gründlich. Vorgeschichte und Umfeld, tiefe Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Leute damals, die Anforderungen, die an sie von Kirche und Herrschaft gestellt wurden, auch und gerade in so einem Fleckenteppich von Herrschaft wie im damaligen Franken. Auch die schrecklichen Folgen der Ereignisse wurden nicht ausgespart. Ein detaillierter Einblick in frühere Zeiten, gerade wenn man in Würzburg und Umgebung zu Hause ist.
Die erste Ringvorlesung befasste sich mit Astrologie und Astronomie in der Antike. Auch hier hatte ich über einzelne Themen bereits berichtet. Eine Gemeinsamkeit haben die Forscher der Antike: sie haben meist zu wenig Material, und oft können sie keine wissenschaftlich fundierte Aussage machen, wie oder wofür das Material verwendet wurde. Als Beispiel die Himmelsscheibe von Nebra. Man sieht Sonne, Mond und Sterne, es könnte das Sternbild der Plejaden sein. Es gibt anscheinend jede Menge Theorien, wie diese Scheibe verwendet wurde, viele davon sind noch nicht mal in sich schlüssig, und alle zusammen sind nur Spekulationen. Man weiß nur, dass die Scheibe etwa 1600 v.Chr. zusammen mit Schwertern in Erde vergraben wurde. In diesem Rahmen durfte ich auch lernen, dass die vorgeschichtlichen Kalender keineswegs unseren heutigen Vorstellungen von Daten auf den Tag genau entsprachen. "Vermutlich" ist ein häufiges und passendes Wort in der Vorgeschichte.
Die zweite Ringvorlesung über WahnSinn in Literatur und Künsten besuchte ich nur für die Beiträge über Don Quijote und Madame Bovary. Interessant für einen Abend, aber mir wurde dadurch bewusst, dass mich inzwischen die Geschichtswissenschaften weitaus mehr interessieren als die Philologie. Irgendwann mal war das noch anders.
Wie geht es nun weiter? Das Vorlesungsverzeichnis ist veröffentlicht, ich glaube meine Wahl getroffen zu haben. Im Sommersemester erwarten mich sehr viel 19. Jahrhundert und der Erste Weltkrieg.

Montag, 3. März 2014

Kolonialisierung in der Frühen Neuzeit #3.

Anmerkung: Diesen Beitrag habe ich bereits gestern Abend veröffentlicht. In Kleinschrift, ein Versuch der letzten Wochen. Kleinschrift hatte mir bisher gut gefallen. Ich fand jedoch den Beitrag (viel mehr Text) heute völlig unleserlich und habe den Text nun in normale Groß- und Kleinschreibung abgeändert, der Inhalt ist der Gleiche. 

Bereits mit zwei Artikeln hatte ich über den beginn der Kolonialisierung erzählt, im ersten Teil über die Portugiesen mit ihren Stützpunkten in Afrika und Asien, und Spanier mit Landbesitznahme in mittel- und Südamerika. Im zweiten Teil kam dann die Herrschaft in Asien durch die ostindischen Kompanien hinzu, das waren Handelsgesellschaften, am bedeutendsten die der Briten und Niederländer. Sie unterhielten Stützpunkte mit Häfen, von denen aus sie den Handel Europa - Asien abwickelten. In den Stützpunkten übten sie staatliche Funktionen wie z.b. die Gerichtsbarkeit aus, das gehörte zu ihren Privilegien.
Im dritten Teil nun geht es um den Übergang zur nächsten Stufe der Kolonialisierung, die wieder vor allem von den Briten, aber auch von Franzosen und Niederländern bestimmt wurde. Gehen wir nochmal zurück. In Asien (und Afrika) gab es keine Herrschaft der Kolonisten in der Fläche, dort wurde mit den bestehenden Reichen und Herrschern zusammen gearbeitet. In Amerika war es anders. Die Spanier lebten mit den Einheimischen zusammen und unterdrückten sie. Die Franzosen teilten den Lebensraum mit den Einheimischen, so lange die Gebiete dünn besiedelt waren. Die Franzosen waren in Nordamerika nur bis 1763, siehe weiter unten. Niederländer und Briten unterdrückten und verdrängten die einheimische Bevölkerung ab Ende des 18. Jahrhunderts. Das Land wurde europäisiert und damit radikal verändert. Pflanzen und Tiere wurden eingeführt, Städte gegründet und ausgebaut. Kultur, Literatur, Kleidung, Sitten und Gebräuche waren europäisch, die Kolonien waren ein erweiterter Markt für das Mutterland. Von den Kolonien bezog man Rohstoffe, in die Kolonien lieferte man alles, was die ausgewanderte Bevölkerung benötigte. Diese wuchs zudem stark an. Hungersnöte und Überbevölkerung führten zur Massenauswanderung, aber auch so mancher Glücksritter suchte neue Chancen in Amerika, ebenso wie so mancher, der sich besser vor dem Zugriff seines Landesherrn nach Übersee in Sicherheit brachte.
Mit dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 verloren die Franzosen die Kolonien in Nordamerika, Menorca, Senegal, Sambia und alle französischen Niederlassungen in Indien wurden britisch. Sie behielten in Amerika nur einige Karibikinseln.
Die Briten verloren zwar 1776 einen Großteil ihrer Kolonien in Nordamerika durch die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten (USA), die beiden Länder blieben einander jedoch verbunden. Die Briten sicherten sich die Kontrolle über das Kap der Guten Hoffnung, Ceylon, Seychellen, Mauritius usw. zur Sicherung des Seewegs nach Indien. In Indien zerfiel das herrschende Mogulreich im 18. Jahrhundert, die East India Company (EIC) drang zunehmend in die Fläche, indem sie das entstandene Machtvakuum nutzte bzw. ihr wohlgesonnene Konkurrenten unterstützte und im eigenen Sinne zu steuern versuchte. Damit war die EIC jedoch auf Dauer überfordert und rief den Staat zu Hilfe. Großbritannien übernahm die Hilfe für die EIC und reduzierte gleichzeitig deren Privilegien. Damit beherrschte der britische Staat die Kolonien und dehnte sie im 19. Jahrhundert immer weiter aus.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Kolonialisierung in der frühen Neuzeit #2.

Im ersten Teil habe ich die Entdeckungen und die Kolonialisierung durch Portugiesen und Spanier von Ende des 15. bis ins 16. Jahrhundert  beschrieben, nun will ich auf die Ausdehnung der Handelsbeziehungen durch Niederländer und Engländer eingehen.
Die Niederländer hatten die Nase vorn. Während die Spanier ihren Handel mit der neuen Welt in eigener Regie abwickelten (alle Schiffe mussten nach Sevilla fahren und wurden dort entladen), brachten die Portugiesen ihre kostbare Fracht wie z.B. Gewürze, ab etwa 1540 direkt zu den Abnehmern nach Antwerpen. Die Einschränkungen des Handels durch die Spanier, zu deren Reich die Niederlande damals gehörten, und der Wunsch der Bevölkerung, dem Calvinistischen Glauben anzugehören, führte zum Freiheitskampf der Niederlande ab 1568, der 1581 zur Spaltung des Landes führte. Der nördliche Teil war protestantisch, eine Republik, und im Krieg mit Spanien, der südliche katholisch und weiterhin unter spanischer Besatzung, die den militärischen Druck ständig erhöhte. Antwerpen war als Handelort durch spanische Besetzung blockiert, in der Folge wurde Amsterdam der Mittelpunkt des weltweiten Handels bis ins 18. Jahrhundert. Protestanten aus den südlichen niederländischen Provinzen zogen nach Norden, in die freie Republik, und entzogen dem Süden damit Know-How und Kapital. Diese Kaufleute erkannten, dass mit dem Fernhandel gute Geschäfte zu machen waren, Kapital hatten sie, also gründeten sie 1602 die Vereinigte Ostindische Kompanie (VOC), die erste Aktiengesellschaft der Welt. Diese übernahm den Gewürzhandel mit Asien und drängte die Portugiesen im asiatischen Raum zurück.
In England wurde die East India Company (EIC) bereits am 31.12.1600 gegründet, ebenfalls von Kaufleuten, zu Erhöhung von Ruhm und Wohlstand der Nation England. Die EIC durfte in Afrika und Asien frei handeln, hatte eine eigene Gerichtsbarkeit (sofern sie nicht englischen Gesetzen widersprachen) und durfte außerhalb Englands Rechtsakte ausüben. Ihre Niederlassungen waren so eine Art englischer Vorposten in Afrika, vor allem jedoch in Asien. Ähnliche Rechte hatte die VOC von den Niederlanden zugestanden bekommen. Diese Rechte wurden immer wieder erneuert, wofür dann Gebühren fällig wurden.
Beide Gesellschaften sind Ausdruck des Strebens um Vorherrschaft der jeweiligen Länder und damit Ausdruck des merkantilistischen Systems, das durch staatliche Regulierungen die jeweils eigene Wirtschaft stärken wollte. Die beiden Gesellschaften, VOC und EIC waren nun Konkurrenten in Afrika und Asien, doch das Gebiet war so groß, dass sie ohne große Probleme einen modus vivendi fanden. Die EIC hatte ihren Schwerpunkt in Indien, die VOC in Indonesien. So kam man sich kaum in die Quere, zum Nutzen aller.
In die Gründungszeit der beiden Kompanien fällt auch die Idee des freien Handels auf den Meeren. Der Niederländer Hans Grotius formulierte sie 1609 (de mare liberum), die Engländer wollten zwar auch selbst auf den Meeren freie Bahn haben, England sollte jedoch ihnen selbst vorbehalten bleiben, und John Selden setzte 1635 die Idee von Hoheitsgewässern (mare clausum) gegen die Idee der Freiheit des Handels überall. Noch eins draufgesetzt wurde 1651 durch den Navigation Act, der England abschottete, indem er die Einfuhr von Gütern nach England (und seine weiteren Besitzungen) nur durch englische Schiffe erlaubte.

Mittwoch, 27. November 2013

Der Aufstand des Armen Konrad und der Tübinger Vertrag.

Wir hören in diesem Semester über den Bauernkrieg 1525. Sehr detailliert wird auf die lokalen Umstände in Süddeutschland im frühen 16. Jahrhundert eingegangen. Zu detailliert für einen kurzen Blogbeitrag. Dieser Ausflug ins Württemberg von 1514 ist jedoch eine abgeschlossene Geschichte über einen Vorläufer des Bauernkriegs und der Bezug zu unserer früheren Heimat Württemberg passt mir prima ins Konzept.
Armer Konrad war der Schimpfname des Adels für bäuerliche und städtische Unterschichten. Die Ursachen des Aufstands waren wirtschaftlicher Natur. Zwischen 1508 und 1513 hatte es häufig Missernten gegeben, die die Bevölkerung an den Rand des Existenzminimums brachten. In dieser schon misslichen Lage führte der Herzog Ulrich von Württemberg eine neue Steuer ein. Er brauchte neben seiner äußerst luxuriösen Lebensführung zusätzliches Geld für einen geplanten Feldzug, und seine Untertanen sollten liefern. Die neue Steuer lag in ihrer Höhe und Begründung allein im herzoglichen Ermessen. Auch wurden Maße und Gewichte auf ca. 70% reduziert, die Preise blieben gleich. Dies konnten und wollten die Untertanen nicht hinnehmen. Öffentlichkeitswirksam wurde in Großheppach im Remstal ein "Gottesurteil" inszeniert. Peter Gaiß aus Beutelsbach führte es aus: wenn die neuen Gewichte in der Rems schwimmen würden, seien sie von Gott gewollt, und die Leute würden sie anerkennen. Sollten sie im Wasser versinken, sei dies das Zeichen, dass die Bauern recht hätten. Der Ausgang war wie erwartet, weitere Unruhen in Schorndorf und anderswo im Land folgten. Dann kehrte wieder Ruhe ein, bis sich kurze Zeit später der Stadtpfarrer von Markgröningen den bäuerlichen Forderungen anschloss. Die bäuerlichen Haufen konnten jedoch auf längere Sicht den Rittern im herzoglichen Heer nicht standhalten. Es fehlte schlicht die kriegerische Ausbildung. Auch mangelnde Koordination von Aktionen ließ sie verpuffen. Die herzogliche Rache war fürchterlich, allein im Remstal wurden 1700 Bauern gefoltert und hingerichtet.
Der Herzog berief jedoch nach Niederschlagung des Aufstands einen Landtag nach Tübingen ein, in dem die "Landstände", die gehobene Bürgerschicht, ihre Interessen vertreten konnten. Die ungeliebte Steuer wurde abgeschafft, und es wurde ein Vertrag geschlossen, der den Landständen bis dahin nicht gekannte Mitspracherechte sicherte. Steuern, Kriege, Verpfändung oder Veräußerung von Landesteilen durfte der Herzog nicht ohne Zustimmung der Landstände beschließen. Freies Wohn- und Aufenthaltsrecht für den gemeinen Mann war neu, bis dahin musste bei Wegzug eine Steuer bezahlt werden. Auch wurden faire Gerichtsverfahren für jedermann, unabhängig vom Stand, zugesichert.
Der Tübinger Vertrag galt bis 1805, bis zum Ende des Herzogtums Württemberg, und war für die damalige Zeit vorbildlich.
Im Gegenzug übernahmen die Landstände die herzoglichen Schulden für 40 Jahre.

Donnerstag, 14. November 2013

Thales von Milet und die Sonnenfinsternis, und warum wir kritisch bleiben sollten.

Im Rahmen einer Ringvorlesung über Astronomie und Astrologie im Altertum hörten wir über das folgende Thema:
"Eine hartnäckige Legende:
Die angebliche Voraussage der Sonnenfinsternis
vom 28. Mai 585 v. Chr. durch Thales von Milet"
gefolgt vom Themenaufriss:
"Antike Nachrichten über Sonnenfinsternisse sind auch für die moderne Astronomie interessant. Dabei werden die antiken Texte aber oft überinterpretiert bzw. nicht auf ihre Zuverlässigkeit überprüft.
Seltsamerweise trifft dies auch auf die antiken Berichte über Thales von Milet zu: obwohl alle, die sich mit der nötigen Sachkenntnis zu diesem Thema geäußert haben, klar sagen, dass zur Zeit des Thales die Voraussetzungen für eine Berechnung einer Sonnenfinsternis noch nicht gegeben waren, werden immer wieder Theorien aufgestellt, nach denen Thales eine Finsternis zwar nicht berechnet, aber dennoch vorhergesagt hat.
Es soll exemplarisch eine der seriösesten dieser neueren Theorien auf ihre Wahrscheinlichkeit geprüft werden; anschließend muss die Frage gestellt werden, warum solche Theorien immer noch und immer wieder entwickelt werden."
Damit ist schon fast alles gesagt, aber es war so amüsant gemacht und so gut vorgetragen, dass ich versuchen werde, ein wenig davon rüberzubringen.
Zuerst einmal einige Daten: Thales von Milet lebte (Nach Wikipedia und Brockhaus (multimedial, 2001)) von etwa 624/625 v. Chr. bis etwa 547 v. Chr. Von ihm sind keine Schriften erhalten. Die früheste erhaltene Überlieferung stammt von Herodot (490/480 v. Chr. bis etwa 424 v. Chr.), also über hundert Jahre später. Herodot ist somit keineswegs ein Zeitzeuge. Und ihm wird zugeschrieben, dass er berichtet habe, Thales habe die Sonnenfinsternis am 28. Mai 585 v. Chr. vorhergesagt. Nun, nach der uns vorgelegten Übersetzung hat er dies keineswegs. Er spricht von einer Schlacht (ohne Datumsangabe), und er spricht von einer Finsternis, nicht von Sonnenfinsternis.
Da haben wir schon einen wesentlichen Fehler, den offensichtlich auch Wissenschaftler gern begehen. Wir lesen etwas und stricken uns daraus unsere eigene Interpretation, die wir dann weitergeben. Stille Post funktioniert genau so.
Wir durften dann noch einen interessanten Ausflug zu Datumsangaben im antiken Griechenland machen und erfuhren, dass (so ungefähr) jedes Dorf seinen eigenen Kalender hatte, und es etwa 120 Monatsnamen gab (für 12 Monate! wir machen uns das mal eben klar), von denen manche auch noch mehrfach, natürlich für unterschiedliche Monate gebraucht wurden. Pures Chaos, aus heutiger Sicht. Also merken wir uns: antike Datumsangaben sind sehr mit Vorsicht zu gebrauchen, wenn man denn wirklich ein Datum hat.
Es folgten dann Analysen weiterer antiker Schriftsteller mit Schriften oder Behauptungen über Thales und die (Sonnen-)Finsternis, die alle erst viele Jahrhunderte nach Thales lebten und somit auch nur auf Hörensagen bauen konnten.
Die Überprüfung einer "der seriösesten neuen Theorien auf ihre Wahrscheinlichkeit" war, wie nach der Überschrift und all den Vorreden schon zu erwarten war, ein Verriss dieser Theorie. Von vielen Seiten beleuchtet konnte jedoch nur festgestellt werden, dass die in dieser Theorie getroffenen Annahmen alle äußerst unwahrscheinlich sind, und eine Kombination mehrerer nicht gerade wahrscheinlicher Aussagen wird (durch Multiplikation der einzelnen Wahrscheinlichkeiten) immer unwahrscheinlicher. Das ist pure Mathematik und lässt sich nicht wegdiskutieren.
Zur Frage warum immer wieder solche Theorien aufgestellt werden, haute uns die Referentin das Wörtchen "bias" mehrfach um die Ohren, in so vielen Kombinationen, dass ich alle gar nicht mitschreiben konnte. Bias bedeutet im hier gebrauchten Sinn Tendenz oder Voreingenommenheit, und hier soll nur die deutsche Erklärung von "publication bias" aus Wikipedia zitiert werden:
"Der Publikationsbias ist die statistisch verzerrte (engl. bias [ˈbaɪəs]) Darstellung der Datenlage in wissenschaftlichen Zeitschriften infolge einer bevorzugten Veröffentlichung von Studien mit „positiven“ bzw. signifikanten Ergebnissen. Positive Befunde sind leichter zu publizieren als solche mit „negativen“, also nicht-signifikanten Ergebnissen und sind zudem häufiger in Fachzeitschriften mit hohem Impact Factor veröffentlicht."
 Auch wenn die Aussage "wir wissen es nicht" als Ergebnis langer Forschungen nicht sehr befriedigend ist, sollten wir doch kritisch und bei den Tatsachen bleiben.

Freitag, 8. November 2013

Entdeckungen und Kolonialisierung in der frühen Neuzeit #1.

Die Portugiesen waren die ersten. Sie fuhren auf die offene See hinaus und entdeckten zahlreiche Inseln wie die Azoren und Madeira. Das war im 15. Jahrhundert, und Heinrich der Seefahrer, ein Sohn des portugiesischen Königs, förderte nach Kräften die Seefahrt, er finanzierte zahlreiche Entdeckungsfahrten. Die Portugiesen entdeckten so nach und nach die Westküste Afrikas, 1487/88 wurde die Südspitze Afrikas, zum ersten Mal umsegelt. 1498 erreichte Vasco da Gama als erster Europäer Indien per Segelschiff. Die Portugiesen unterhielten ein dichtes Netz von Handelsniederlassungen und Stützpunkten an den afrikanischen Küsten und in Indien. Ihr Ziel war Handel, vor allem mit Seide und Gewürzen. Land wollten sie nicht erobern.
Die Spanier haben bekanntlich 1492 Amerika entdeckt, wobei ihr Anführer Christoph Kolumbus Zeit seines Lebens glaubte, irgendwo in Indien gelandet zu sein. Die Spanier nahmen das Land im Sinne des Wortes in Besitz, wenn nötig mit Waffengewalt. Ab 1519 eroberten sie das Reich der Azteken (heute Mexiko), ab 1532 dann das Reich der Inka (heute Peru). Das eroberte Land "gehörte" dem spanischen König, der es den Konquistadoren, den Eroberern als lebenslanges, nicht vererbbares Lehen überließ, so dass diese dann die Kontrolle über ihr Gebiet einschließlich aller Einwohner ausübten. 1535 wurden die mittelamerikanischen spanischen Gebiete einschließlich Teilen Nordamerikas wie Kalifornien, Texas und Florida, zum Vizekönigreich Neu-Spanien, die Gebiete in Südamerika  wurden 1542 zum Vizekönigreich Neu-Kastilien (später Peru).
Nach den spanischen Eroberern kamen die Missionare, um die Eingeborenen zum Christentum zu bekehren und damit deren Seelen zu retten, wie man damals glaubte. Es waren meist Jesuiten oder Benediktiner. Geistliche wie Bartolomé de las Casas vertraten die Rechte der Indios gegen die Eroberer, so wurde z.B. klargestellt, dass die Eingeborenen grundsätzlich frei (keine Sklaven) waren.
Außer den Portugiesen und Spaniern waren im 16. Jahrhundert nur noch die Franzosen ab 1530 auf Entdeckungsfahrt. Die später so mächtigen Engländer hatten noch keinerlei Interesse an der Eroberung von Kolonien. So waren die in Nordamerika entdeckten und durch Europäer besiedelten Gebiete französisch, wie z.B. Neufundland oder das Mündungsgebiet des St. Lorenz-Stroms. Die Engländer beschränkten sich darauf, den spanischen Handel durch Piraterie zu stören.

Dienstag, 5. November 2013

Kriege in der frühen Neuzeit.

"Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Die Rolle der Gewalt bei der Entstehung der frühen Neuzeit". Im Rahmen einer Antrittsvorlesung, in einem relativ kurzen Zeitrahmen von 45 Minuten, wurde uns ein Überblick gegeben. Er begann mit der Frage, ob die frühe Neuzeit uns nur so kriegerisch erscheint, weil die Geschichtswissenschaft vorwiegend über kriegerische Auseinandersetzungen schreibt, oder ob sie tatsächlich eine so gewaltreiche Epoche war. Sie war es wirklich, wie in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt wurde. Eine Zahl ist: 60% der Zeit im 14. bis 16. Jahrhundert herrschte Krieg. Da passt Ludwig XIV., französischer "Sonnenkönig", wunderbar dazu, der 54 (!) Jahre regierte (1661-1715). Von diesen 54 Jahren war Frankreich 35 Jahre im Krieg, das sind 65% seiner Regierungszeit, und alle diese Kriege hatte Ludwig XIV. selbst angezettelt. Es ist wohl gar nicht so einfach, die Anzahl an kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa zahlenmäßig zu erfassen, einfach weil es so viele, oft auch nur Tage dauernde Auseinandersetzungen gab, und wieder die Frage auftaucht, wann es eigentlich tatsächlich "Krieg" war. Nun, auch hierzu gibt es schlaue Untersuchungen, die besagen, dass es etwa 300 Kriege in Europa vom 16. bis zum 18 Jahrhundert gab. Die frühe Neuzeit war also eine Epoche der Gewalt.
Die vielen Kriege mussten ja auch wieder beendet werden. Die dazu notwendigen Verhandlungen führten zur Ausbildung der modernen Diplomatie.
Der Zusammenbruch alter Ordnungen erzeugte Angst, diese ein Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit. Es bildete sich aber auch die Monopolisierung der Gewalt heraus, eines der Kennzeichen eines modernen Staates. Das Gewaltmonopol lag aber eben nicht sofort beim Staat. Die Hexenverfolgungen sind ein (schlimmes) Beispiel für Gewalt innerhalb der Gesellschaft.
Aufgrund der vielen Kriege in der frühen Neuzeit bildete sich der Wunsch nach Frieden in der Bevölkerung heraus. Das Ideal der neuen Ordnung war Sicherheit und Frieden.
Eine weitere Folge der Kriege, die zum Zeichen eines modernen Staates wurde, ist die Erhebung von Steuern. Kriege waren teuer und zogen hohe Staatsausgaben nach sich. Um das Geld zu beschaffen, wurden Steuern erhoben. Und Steuern gehören zu einem modernen Staat.
"Steuern sind i.d.R. die Haupteinnahmequelle eines modernen Staates und das wichtigste Instrument zur Finanzierung seines territorial abgegrenztenStaatswesens und anderer (supranationaler) Aufgaben."  (Aus Wikipedia/Steuer)
 Der Krieg war in der frühen Neuzeit ein Mittel der Rechtsfindung zwischen Staaten. Es gab kein über den Staaten stehendes (Schieds-)Gericht. Leider können wir das heute immer noch beobachten, und da wo die höhere Instanz fehlt, werden Probleme auch heute noch mit kriegerischen Mitteln geklärt.
Die Geschichtswissenschaft allerdings hat ihren Standpunkt in den letzen Jahrzehnten stark verändert, sie berichtet nicht mehr von eine Abfolge von Kriegen sondern von den Folgen von Kriegen.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Was sagt mir "Frühe Neuzeit"?

In meiner kurzen Übersicht über die Themen, mit denen ich mich in diesem Wintersemester in der Uni beschäftigen werde, hatte ich bereits erwähnt, dass der zeitliche Schwerpunkt der Geschichtsvorlesungen in der "Frühen Neuzeit" liegt. In Wikipedia kann man Schlaues dazu nachlesen. Ich habe mich nun selbst gefragt, was ich zum jetzigen Zeitpunkt, also bevor ich den Wikipedia-Eintrag gelesen habe und bevor die Vorlesungen mich so viel schlauer machen, über die Epoche der frühen Neuzeit sagen kann.
Für mich in Deutschland ist das die Zeit von etwa 1500 n.Chr. bis etwa zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648. Es ist eine Zeit des Übergangs, in der mit viel althergebrachtem aufgeräumt wird.
Es beginnt mit der Astronomie und der Vorstellung, die von unserer Welt existierte. Kopernikus beschrieb kurz nach 1500 das heliozentrische Weltbild, d.h. die Erde dreht sich um die Sonne, nicht umgekehrt, eine fundamentale Änderung der Denkweise, ein Gedanke, der schon lange nicht mehr gedacht worden war. Kepler und Newton legten dann im 17. Jahrhundert die theoretischen Grundlagen dazu dar.
Es begann die Entdeckung unserer Erde. Die portugiesischen und spanischen Seefahrer machten immer weitere Reisen. Aber nicht nur Amerika, auch die Küsten Afrikas und der Seeweg nach Indien wurden bekannt. Etwas später begannen auch Niederländer und Engländer erfolgreich zur See zu fahren. Gewürze und Tee konnten nun auf dem Seeweg nach Europa gelangen.
1517 veröffentlichte Luther in Wittenberg seine 95 Thesen und leitete eine Reformation des christlichen Glaubens ein, die schließlich zu einer neuen Religion führte. Er übersetzte die Bibel ins Deutsche, und Bibeln wurden dank des Buchdrucks, den Johannes Gutenberg vor 1500 erfunden hatte, weit verbreitet. Der gemeine Mann konnte nun auf einmal verstehen, was in der Bibel stand. Die Reformation führte zu Auseinandersetzungen, die einerseits einen vorläufigen Abschluss mit dem Augsburger Religionsfrieden fanden (cuius regio, eius religio = die Religion des Landesfürsten bestimmt die Religion seiner Untertanen), andererseits im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 kulminierte.
Bei den Künstlern denke ich an Leonardo da Vinci und in Deutschland an Dürer. Damit wird der Besuch der aktuellen Dürerausstellung in Frankfurt fast schon zum Muss.
Für Spanien begann mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 das goldene Jahrhundert (siglo de oro), mit der machtpolitischen Ausdehnung eines Reiches, in dem die Sonne nie unterging. Aus Amerika wurde nicht nur Gold herbeigeschafft, auch bisher nicht bekannte Pflanzen wie Kartoffel, Mais, Tomate, Schokolade und Tabak. Der spanische König Carlos I. war gleichzeitig als Karl V. auch deutscher Kaiser. So fiel vom spanischen Glanz auch etwas auf das Deutsche Kaiserreich. Am Ende des siglo de oro 1605/1615 steht mit Don Quijote von Cervantes der erste "moderne" Roman.
Nun habe ich doch in Wikipedia gespickt und gesehen, dass wissenschaftlich korrekt die frühe Neuzeit auch die Epochen des Absolutismus und der Aufklärung umfasst, also erst mit der französischen Revolution 1789 endet. Das ist mir irgendwie zu umfangreich. Nun bin ich gespannt auf neue Erkenntnisse, morgen sind die nächsten Vorlesungen.

Samstag, 26. Oktober 2013

Zeitvertreib Uni besuchen.

Die letzten Tage habe ich hin und her überlegt, ob ich das Thema Seniorenstudium auch hier ins Blog aufnehmen soll. Einerseits ist das ein weiterer Themenkreis, den ich bisher ausgespart habe, noch mehr Kraut und Rüben also hier im Blog, dem die einheitliche Linie ja von Anfang an fehlte. Andererseits, so ist es halt, die Dinge, mit denen ich mich beschäftige, sind eben vielfältig, also warum nicht auch im Blog darüber schreiben? Also fang ich einfach mal an und sehe, wie es sich entwickeln wird. Leser-Feedback ist willkommen!
Erst mal jedoch ganz von vorne. Seniorenstudium heißt der Fachbegriff, es ist eine spezielle Form der Gasthörerschaft. Das heißt, man besucht Uni-Veranstaltungen, schreibt aber weder Hausarbeiten noch macht man eine Prüfung. Just for fun. Geld kostet es auch, zwei wöchentliche Vorlesungen zu je zwei Stunden, in Wirklichkeit ja nur neunzig Minuten, kosten einhundert Euro pro Semester. Die Studiengebühren wurden ja inzwischen auch in Bayern abgeschafft, die Gebühren fürs Seniorenstudium sind geblieben.
Am Anfang war es schon recht merkwürdig, ein Gebäude zu betreten, das nur von jungen Leuten bevölkert wird, von wirklich jungen Leuten. Ich als Oma kam mir schon als Fremdkörper vor, so "was will die denn da?". Man gewöhnt sich dran, klar, und man ist nicht allein. Gerade in Geschichte, dem Schwerpunkt meiner Uni-Interessen, gibt es viele Senioren und Seniorinnen, und so fühlte ich mich schon nach kurzer Zeit nicht mehr so als Fremdkörper, wie ich anfänglich dachte.
In dieser Woche fanden nun die ersten Vorlesungen des Wintersemesters statt, und ich konnte in dieser Woche einiges klären. Das Vorlesungsverzeichnis erscheint ja immer schon in den letzten Tagen des vorigen Semesters, und wie immer hatte ich mir gleich alle für mich in Frage kommenden Vorlesungen herausgesucht. Dann hatte ich über drei Monate Zeit, mir zu überlegen, was ich wirklich hören möchte, aber so richtig entscheiden konnte und wollte ich nicht. Der mögliche Stundenplan war viel zu umfangreich, hinzu kam in den letzten Wochen ein neuer Professor mit einem neuen, sehr interessanten Thema, das ich nicht versäumen wollte. Ich habe nun alle Professoren in ihrer ersten Vorlesung gehört, gehört was sie machen wollen, und nun steht auch mein Plan.
Es gibt in diesem Semester in Geschichte eine Schwerpunktepoche, das ist die Frühe Neuzeit. Dazu höre ich zwei Vorlesungen, das gesamte Angebot ist jedoch größer. Ich habe mir "Globalisierung in der frühen Neuzeit" gewählt, ein Thema mit wirtschaftspolitischem Schwerpunkt. Die zweite Vorlesung behandelt den Bauernkrieg 1525. Dieses Thema ist für Würzburg, aber auch für Württemberg wichtig. Hier fand dieser Krieg statt, und wir werden über die Ursachen hören. Das neue, für mich so interessante Thema befasst sich mit Mediengeschichte ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute.
Hinzu kommt ein Ausflug zu einer alten Liebe von mir, der Physik. Hier gibt es alle zwei Wochen was zu hören über Rätsel der Physik, aus Astronomie, Klimaforschung und so weiter.
Das ist noch nicht alles. Es werden sogenannte Ringvorlesungen angeboten, kostenfrei und ohne Anmeldung für jedermann zugänglich, jede Woche spricht jemand anderes, davon werde ich zwei besuchen. Einmal "Astronomie und Astrologie in der Antike", vierzehntägig, und einige ausgesuchte Termine zum Thema "Wahnsinn in Literatur und Künsten". Ich finde, der Stundenplan ist für Rentner immer noch recht ambitioniert, man will schließlich auch noch einiges nacharbeiten und nachlesen.
Über die ersten Inhalte wird hier bald zu lesen sein.