Dienstag, 15. August 2017

Uni. So war mein Sommersemester 2017.

Es war ein recht lückenhaftes Semester, bedingt durch die Donnerstags-Feiertage und unsere Reisen. Die so sehr geschätzte Reihe Physik am Samstag konnte ich gar nicht besuchen, an allen drei Terminen waren wir unterwegs, schade drum.
Immerhin drei (von fünf) Vorträgen hörten wir aus der Ringvorlesung Anatolien zwischen Ost und West, eine Veranstaltung des Alterswissenschaftlichen Zentrums unserer Universität. Wir hörten über die frühe Besiedlung Anatoliens, die unterschiedlichen Landschaften und dass bereits ab ~9.500 v. Chr. Getreide angebaut wurde, ab ~5.000 v. Chr. Früchte. Viehzucht mit Schafen/Ziegen und Rindern kamen hinzu, und ein Handelssystem mit Kupfer und evtl. Salz ab dem dritten Jahrtausend v. Chr. Alles sehr früh, und auf diesem Stand blieb Anatolien dann mehr oder weniger bis in die Neuzeit. In einem weiteren Vortrag hörten wir über frühe christliche Gemeinden in Kleinasien an Hand von Inschriften, meist auf Grabsteinen, wobei es oft nicht einfach ist, eine Inschrift als tatsächlich christlich zu erkennen. Im letzten Vortrag, den wir hörten, ging es um die Ausbreitung der neolithischen Lebensweise in Anatolien, wobei diese durch Sesshaftigkeit, Tier- und Pflanzenzucht gekennzeichnet ist. Dies erfolgte von Ost- nach Westanatolien im Zeitraum von ca. 7.000 v. Chr. bis 5.500 v. Chr.
Die Mittelaltervorlesung behandelte diesmal Die frühen Karolinger, beginnend bei den Franken im römischen Reich, von deren Königen Childerich, verstorben im Jahr 482 n. Chr. als erster fassbar ist. Mit ihm begann der Aufstieg der Merowinger, der langhaarigen Könige, die ihre Macht im 8. Jahrhundert jedoch nach und nach an ihre Hausmeier verloren, die man später Karolinger nannte. Wir hörten aber nicht nur über die Dynastien und ihre Machtkämpfe im Frankenreich, sondern auch über die Verhältnisse in Byzanz im 7. und 8. Jahrhundert, über die irische und angelsächsische christliche Mission auf dem europäischen Festland und über das Papsttum in dieser Zeit. Die Päpste waren es schließlich auch, die Pippin, dem Vater Karls d. Großen im Jahr 751 die bis dahin merowingische Königswürde zugestanden. Und dann waren wir beim berühmtesten der Karolinger angelangt.
Im Jahr der 500. Wiederkehr der Reformation war sie natürlich auch Thema in der Uni. Das Heilige Römische Reich im Zeitalter von Reichsreform und Reformation war der Titel der Geschichtsvorlesung, und wir hatten Gelegenheit, den Wandel zur Neuzeit in Herrschaft und Gesellschaft nachzuvollziehen. Wir lernten, wie ein Reichstag um das Jahr 1500 strukturiert war und wie er ablief. Auch die Reformen waren umfangreich, es begann mit dem Ewigen Landfrieden (Fehdeverbot) 1495, es wurde eine oberste Gerichtsbarkeit geschaffen, eine Reichskreisordnung, und Polizei, Strafen und Münzen wurden vereinheitlicht. All dies zog sich über Jahrzehnte hin, und es gab auch Reformen, die scheiterten. Die Reformation war hingegen nicht aufzuhalten, dabei half der Buchdruck, mit dem Flugblätter mit Ideen Luthers verbreitet wurden. 1530 wurde auf dem Reichstag in Augsburg das Augsburger Bekenntnis von sieben Reichsfürsten und zwei Reichsstädten veröffentlicht, das bis heute eine Grundlage der evangelischen Kirche bildet. Zur Zeit des Augsburger Religionsfriedens 1555 waren bereits drei Kurfürsten evangelisch: Sachsen, Pfalz und Brandenburg. Ab da bestimmte die Konfession des Reichsfürsten die Konfession der Untertanen. Der Bauernkrieg wurde ebenfalls besprochen, aber den hatten wir ja bereits 2013/14 ausführlich kennengelernt.
Eine schöne Ergänzung war die Ausstellung Ritter, Bauern, Lutheraner, die ebenfalls das Thema Reformation und das gesellschaftliche Umfeld behandelt, die wir uns inzwischen angesehen haben.