Dienstag, 24. Mai 2016

Auswärts. Teppichzyklus Apokalypse in Angers.

Nachdem uns am Vortag der Dauerregen die Besichtigungen von Amboise und Chenonceau vergällt hatte, war für diesen Tag von verschiedenen Wetterdiensten Sonne vorausgesagt, zwischen 11 und 13 Stunden sollten es sein. Umso größer war die Enttäuschung, dass wir einen grauen Tag mit Hochnebel erleben mussten. So gibt es von Schloss Angers auch nur diese eine Aufnahme, die zeigt, dass Schloss Angers eine Festung mit deutlich militärischem Charakter war und kein Lustschloss.
Schloss Wehrtürme
Im Innern wird in einem speziell dafür errichteten Gebäude ein einzigartiger Zyklus der Apokalypse des Johannes auf Teppichen (Tapisserien) aus dem 14. Jahrhundert gezeigt. Der Reiseführer (s.u., S. 244-245) schreibt hierzu:
Von allen Wandteppichen, die in Frankreich gewebt wurden, ist die 'Apokalypse' von Angers der älteste erhaltene Zyklus von Teppichen. Möglicherweise ist er der größte, der überhaupt jemals auf einem Webstuhl entstand. [...]
Ursprünglich setzte sich die 'Apokalypse' aus 98 Szenen zusammen, verteilt auf sieben einzelne Teppiche; nach dem Evangelisten Johannes, dem Verfasser der 'Apokalypse', entspricht die Zahl sieben der Vollkommenheit. Jeder Teppich war etwa sechs Meter hoch und 24 Meter lang. Wir wissen nicht, in welchen Räumlichkeiten des Schlosses der Herzog die Stücke anbringen ließ. Vielleicht wurden sie auch nur bei großen Gelegenheiten draußen innerhalb des Schlossbezirks unter freiem Himmel aufgehängt. [...]
Die 'Apokalypse' (Offenbarung) des Johannes gehört zu den gewaltigsten, bildreichsten Texten der Heiligen Schrift; er ist zugleich aber auch ihr dunkelster und geheimnisvollster. Johannes schildert die Visionen, die er als Verbannter auf der Insel Patmos schauen durfte. Es sind Bilder der kommenden Schreckenszeit, der Herrschaft des Antichristen und seiner Helfershelfer. Am Ende aller Leiden und Peinigungen aber steht die Herrlichkeit der Herrschaft Gottes. Kein Buch hat die Menschen des Mittelalters so erschüttert, so in Ängste versetzt, zugleich aber auch so mit Hoffnung erfüllt, wie die 'Apokalypse'.
Der erste Teppich des Zyklus ist vollständig erhalten. Der Hintergrund der Einzelszenen wechselt immer von rot zu blau.
Teppiche Offenbarung des Johannes
Es regnet Feuer vom Himmel, die Erde brennt, Menschen ertrinken.
Teppiche Offenbarung des Johannes
Merkwürdige Wesen, ein siebenköpfiger Drache und ein siebenköpfiger Löwe.
Teppiche Offenbarung des Johannes
Am Ende wird alles gut, es entsteht das himmlische Jerusalem.
Teppiche Offenbarung des Johannes

Kunstgeschichtliche Angaben entnommen aus Wilfried Hansmann. Das Tal der Loire. 4. Aufl. Köln 1979.

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