Dienstag, 5. November 2013

Kriege in der frühen Neuzeit.

"Der Krieg ist der Vater aller Dinge. Die Rolle der Gewalt bei der Entstehung der frühen Neuzeit". Im Rahmen einer Antrittsvorlesung, in einem relativ kurzen Zeitrahmen von 45 Minuten, wurde uns ein Überblick gegeben. Er begann mit der Frage, ob die frühe Neuzeit uns nur so kriegerisch erscheint, weil die Geschichtswissenschaft vorwiegend über kriegerische Auseinandersetzungen schreibt, oder ob sie tatsächlich eine so gewaltreiche Epoche war. Sie war es wirklich, wie in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt wurde. Eine Zahl ist: 60% der Zeit im 14. bis 16. Jahrhundert herrschte Krieg. Da passt Ludwig XIV., französischer "Sonnenkönig", wunderbar dazu, der 54 (!) Jahre regierte (1661-1715). Von diesen 54 Jahren war Frankreich 35 Jahre im Krieg, das sind 65% seiner Regierungszeit, und alle diese Kriege hatte Ludwig XIV. selbst angezettelt. Es ist wohl gar nicht so einfach, die Anzahl an kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa zahlenmäßig zu erfassen, einfach weil es so viele, oft auch nur Tage dauernde Auseinandersetzungen gab, und wieder die Frage auftaucht, wann es eigentlich tatsächlich "Krieg" war. Nun, auch hierzu gibt es schlaue Untersuchungen, die besagen, dass es etwa 300 Kriege in Europa vom 16. bis zum 18 Jahrhundert gab. Die frühe Neuzeit war also eine Epoche der Gewalt.
Die vielen Kriege mussten ja auch wieder beendet werden. Die dazu notwendigen Verhandlungen führten zur Ausbildung der modernen Diplomatie.
Der Zusammenbruch alter Ordnungen erzeugte Angst, diese ein Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit. Es bildete sich aber auch die Monopolisierung der Gewalt heraus, eines der Kennzeichen eines modernen Staates. Das Gewaltmonopol lag aber eben nicht sofort beim Staat. Die Hexenverfolgungen sind ein (schlimmes) Beispiel für Gewalt innerhalb der Gesellschaft.
Aufgrund der vielen Kriege in der frühen Neuzeit bildete sich der Wunsch nach Frieden in der Bevölkerung heraus. Das Ideal der neuen Ordnung war Sicherheit und Frieden.
Eine weitere Folge der Kriege, die zum Zeichen eines modernen Staates wurde, ist die Erhebung von Steuern. Kriege waren teuer und zogen hohe Staatsausgaben nach sich. Um das Geld zu beschaffen, wurden Steuern erhoben. Und Steuern gehören zu einem modernen Staat.
"Steuern sind i.d.R. die Haupteinnahmequelle eines modernen Staates und das wichtigste Instrument zur Finanzierung seines territorial abgegrenztenStaatswesens und anderer (supranationaler) Aufgaben."  (Aus Wikipedia/Steuer)
 Der Krieg war in der frühen Neuzeit ein Mittel der Rechtsfindung zwischen Staaten. Es gab kein über den Staaten stehendes (Schieds-)Gericht. Leider können wir das heute immer noch beobachten, und da wo die höhere Instanz fehlt, werden Probleme auch heute noch mit kriegerischen Mitteln geklärt.
Die Geschichtswissenschaft allerdings hat ihren Standpunkt in den letzen Jahrzehnten stark verändert, sie berichtet nicht mehr von eine Abfolge von Kriegen sondern von den Folgen von Kriegen.

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