Montag, 21. Januar 2013

Mythos Atelier

Mythos Atelier ist der Titel einer Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart. Von Spitzweg bis Picasso, von Giacometti bis Naumann, so der Untertitel.
Mit einer Auswahl von fast 200 Werken setzt sich die Große Landesausstellung mit dem Mythos des Künstlerateliers auseinander und spannt dabei den Bogen von Atelierdarstellungen der Romantik bis zur Gegenwart, mit Schwerpunkt auf Werken der Klassischen Moderne. Dabei ist die Ausstellung durch die Einbeziehung von Skulptur, Installation, Fotografie und Videokunst gattungsübergreifend angelegt. Neben der Untersuchung der unterschiedlichen Funktionen des Atelierbildes über zwei Jahrhunderte wird auch der Frage nach der seit jeher vom Künstleratelier ausgehenden Faszination nachgegangen. (Aus der Einleitung des Begleithefts)

Mönchsklause, Salon, Himmelszelt - Das Atelier des 19. Jahrhunderts, so war der erste Raum betitelt. Dort hing auch das Spitzwegbild "Der arme Poet".
(Bild aus Wikipedia)
Wie oft hat man schon eine Abbildung dieses Bilds gesehen. Ich war sehr erstaunt, wie sehr mich das Original in Bann gezogen hat, wie unterschiedlich es doch ist, das Bild vor sich zu haben und alle Feinheiten der Ölfarbe erkennen zu können .

Die Impressionisten entdeckten, schätzten und praktizierten die Malerei im Freien. Edouard Manet bildete seinen Freund Claude Monet in seinem Atelierboot ab, mit dem er auf Motivsuche die Seine befuhr. Das Bild ist nicht fertig ausgemalt, Monet kann man eigentlich gar nicht erkennen, dafür aber seine Frau Camille.
Link zum Bild "Der Maler Monet in seinem Atelier"

Ein bürgerlicher Salon zeigt sich uns bei Max Liebermanns Atelier am Brandenburger Tor, 1902. Bilder, Farben, Staffeleien und vor allem das große Oberlicht weisen auf die Nutzung des Raums als Atelier hin. Zwei Frauen haben es sich auf dem Sofa bequem gemacht, auf einem Stuhl schläft ein Hund. Großbürgerlich.
(Bild: Link auf die Ausstellungsseite)

Der nächste Raum zeigt Ateliers der Künstlergemeinschaften "Brücke" (aus Dresden) und "Blauer Reiter" (aus München). "Antibürgerliches Bekenntnis" titelt die Ausstellung.
"Programmatisch umgesetzt wurden die Ziele der Künstler vor allem in ihren Ateliers, in denen sie ihre non-konformistischen Gegenwelten im Sinne eines gattungsübergreifend angelegten Gesamtkunstwerks inszenierten und vorlebten." (aus dem Begleitheft)
Die Ateliers von Picasso, Matisse und Braque werden laut Ausstellung
"zum hermetischen, nur für wenige zugänglichen Raum - [...] Dabei geht es nicht um die objektive Bestandsaufnahme ihres Arbeitsumfeldes, sondern auch um eine Erklärung ihrer Kunstauffassung." (aus dem Begleitheft) 
Einen ganzen Raum nehmen Ansichten aus dem Atelier von Alberto Giacometti ein. Er arbeitete über vierzig Jahre in diesem Atelier, und es war ein einziges graues Chaos, das schon die zeitgenössischen Fotografen faszinierte. Im Ausstellungsraum werden Fotos des Schweizer Fotografen Ernst Scheidegger Lithografien mit Atelieransichten gegenübergestellt, die 1951-1954 entstanden. Schon faszinierend.

Auch dreidimensional kann man Ateliers erleben. So wurde das sogenannte "Zelt" aus Ernst Ludwig Kirchners Atelier in Berlin-Steglitz in einer Dachgaube nachgebildet,
"ein dreidimensionales Raumensemble bestehend aus verschiedenen Stoffen und kunsthandwerklichen Gegenständen," (aus dem Begleitheft)
Das Atelier von Piet Mondrian in der Rue du Départ 26 in Paris (Montparnasse) wurde naturgetreu nachgebildet, man kann es sogar betreten.

Um nicht einen elendiglich langen Post zu erstellen, enden meine Beschreibungen hier, es gibt in der Ausstellung jedoch noch viel mehr zu entdecken. Wie ich eben auf der Website der Ausstellung sehen konnte, wurde sie bis 3. März 2013 verlängert. Es ist also noch Zeit hinzugehen.
Auf der Eingangsseite der Ausstellung sind Links zu weiteren Bildern und Erklärungen hinter einzelnen Symbolen verborgen, es lohnt sich also, mit der Maus auf Entdeckungsreise zu gehen. Auch gibt es Filme zur Ausstellung. Zusätzlich bietet ein Link unter "Rundgang" eine Auswahl von Bildern.

Keine Kommentare: