Samstag, 16. Februar 2008

Bürokratiemonster Correos


Die spanische Post heißt Correos. Die Postämter sind nur sehr verstreut aufzufinden, nach meinem Eindruck gibt es davon noch weniger als in Deutschland. Geöffnet haben sie meist nur am Vormittag.

Wir brauchten nur ein paar Briefmarken. Im Postamt stand vor zwei geöffneten Schaltern eine Schlange von etwa acht Leuten. Weitere Angestellte hinter den Schaltern kümmerten sich nicht um die Wartenden. Kein Automat für Briefmarken. Also hieß es Schlange stehen. Es ging nicht voran. Am linken Schalter eine Frau, offensichtlich mit Antragsformularen, Ausweis. Diskussion mit der Angestellten. Pause, Rückfragen. Fünf bis zehn Minuten vergingen, bis dieser Vorgang abgearbeitet war. Am rechten Schalter standen immer noch dieselben beiden Frauen. Offensichtlich gaben sie ein Paket auf. Es stand auf der Waage. Ein größerer Zettel wurde aufgeklebt. Weitere abgestempelt. Dann das Paket weggetragen, auf einen Tisch gestellt. Nach kurzer Diskussion wurde das Paket wieder geholt, auf die Waage gestellt, noch mehrfach abgestempelt. Das war aber noch nicht alles. Ein weiteres Paket wurde vom Tisch auf die Waage geholt, viele Stempel mussten angebracht werden. Unterbrochen wurden diese Vorgänge von intensiven Recherchen im Computersystem, lange wurde in den Bildschirm geschaut, geblättert und gesucht. Nach über fünfzehn Minuten waren auch diese beiden Frauen mit den Paketen und sonstigen Erledigungen auf der Post fertig.

Mit den weiteren Leuten vor uns ging es auch nur langsam voran. Fast alle mussten irgendwelche Formulare ausfüllen und durften sich dann wieder vorne einreihen. Ich hatte in den ersten Minuten einen der Angestellten hinter einem anderen Schalter gefragt, ob ich nicht Briefmarken auch bei ihm kaufen könne. Es war ihm nicht möglich, ich musste zurück in die Schlange. Ein alter Mann traf auf mehr Verständnis, er rief laut in den Schalterraum, dass er nur einen Brief aufgeben wolle und sich deshalb nicht in diese Schlange einreihen werde. Kurze Zeit danach war er seinen Brief los und verließ die Post wieder. Die Schlange hinter uns wurde länger und länger.

Wir kamen irgendwann auch an die Reihe. Die passenden Briefmarken zu 60 Cent waren wohl nicht vorrätig, er erklärte mir freundlich auf Englisch, dass ich immer zwei von denen zu 30 Cent auf einen Brief kleben müsse. Danke! Das Abzählen der doppelten Anzahl als der von mir bestellten auf dem Bogen war schon wieder schwieriger und dauerte deshalb etwas länger. Als noch umständlicher erwies sich die Rechnungstellung über das PC-Programm. Der fragliche Artikel (mit Lagerbestand!) musste umständlich gesucht werden. Aber schließlich war es soweit. Ich hatte die Briefmarken, das Geld bezahlt, Rückgeld bekommen und eine Quittung. Und vierzig Minuten unserer Lebenszeit waren auch vergangen. Beinahe wie im Flug. Als wir erschöpft und erleichtert die Post verließen, ging die Schlange bis zur Tür.

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