Samstag, 24. November 2007

Buch. Aus großer Zeit


Ein Nachtrag aus dem Urlaub. Wir haben "Aus großer Zeit" von Walter Kempowski gelesen, ein Teil seiner Familienchronik, vom Zeitablauf der erste Teil, in dem er die Jugend seines Vaters beschreibt, wie die großbürgerliche und gutsituierte Familie des Großvaters in Rostock lebte und wirkte. Kempowski hält viel Distanz zu seinen Figuren, seine Sprache ist nüchtern und sachlich. Doch der immer wieder durchschimmernde feine Humor macht seine Prosa sehr lesenswert. Abwechselnd, Kapitel für Kapitel, erzählt er als neutraler Berichterstatter von den Taten und Begebenheiten des jungen Karl Kempowski, von der Kinder- und Schulzeit, Erlebnissen mit Freunden, erster Liebe, bis zum Eintritt des Ersten Weltkriegs. In den anderen Kapiteln kommen andere Personen zu Wort, die aus dem Blickwinkel von etwa 60 Jahren später ihre Erinnerungen an die Familie Kempowski in Rostock schildern. Ein Hausmädchen, die Hauswirtschafterin, die Schneiderin, die Nachbarin und Tierarztwitwe, ein Schauspieler vom Stadttheater, ein Schulkamerad, und so weiter. Jeder aus einem anderen Blickwinkel, und immer wieder im Wechsel mit dem Erzähler. Das ist gut gemacht. Irgendwann wird dann auf die gleiche Art die Familie der Mutter aus Hamburg verewigt.
Auch die genau wie der Rest des Buches sehr nüchterne Schilderung der Schrecken des Krieges wird gerade durch die zurückhaltende Schilderung sehr eindrucksvoll. Der junge Karl Kempowski kommt unverwundet wieder zurück, wird nur 1918 leicht verletzt durch Gas, was sich in länger andauernden Hautreaktionen zeigt. Seine Mutter, die als meist sehr oberflächliche Person erscheint, hatte seine Anzüge nur wenige Wochen nach seiner Abreise an die Front weggegeben. "Der fällt ja doch", sagte sie im Buch.
Da fällt einem nichts mehr ein.

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