Sonntag, 15. April 2007

Otello (eine Oper von Verdi)

Es gibt kaum etwas Schöneres, als an einem lauen Sommerabend eine Opernvorstellung in Stuttgart zu besuchen. Man schlendert durch den Oberen Schlossgarten, in Richtung Opernhaus wird die Kleidung der Passanten etwas festlicher als üblich, zu Füßen der Schillerstatue bietet ein Stand im Freien kühle Getränke. Auch einen Stock höher, auf einer Terrasse, stehen Besucher in der lauen Abendluft. Eine Steigerung dieses Wohlgefühls empfindet man nun, im April, weil man mit so einem schönen, lauen Abend gar nicht rechnen konnte.
Gegeben wurde Otello von Verdi. Wie einem Aufsatz im Programmheft von Klaus Zehelein, dem ehemaligen Intendanten, und Oliver Müller zu entnehmen ist, haben Guiseppe Verdi und sein Librettist Arrigo Boito zwar den Stoff und die Personen aus dem Drama Shakespeares übernommen, das Drama jedoch völlig neu bearbeitet und ganz andere Schwerpunkte gesetzt.
Die Oper beginnt ohne Ouvertüre mit einem Sturm, dessen Verlauf uns vom Chor geschildert wird, und dessen Heftigkeit durch die Musik imposant unterstrichen wird. Die Bühne ist, wie so oft bei Stuttgarter Inszenierungen, ein leerer Raum, begrenzt von einem mit halbdurchsichtiger Plastikfolie bespannten Lattengerüst, jedes Element etwa so groß wie eine Tür, und manches Element wird auch als solche genutzt. Die Kostüme Alltagskleidung, meist Jeans und T-Shirts. Für mich erzeugt diese Art der Inszenierung Sterilität, hebt das Stück heraus aus seinem historischen Kontext (16. Jahrhundert, Renaissance, Venedig als christliche Macht im östlichen Mittelmeer, Kampf gegen die Türken), aber auch aus dem seiner Entstehung (Ende 19. Jahrhundert). Übrig bleiben Musik mit Text, die nun heute ihren Platz finden sollen bzw. müssen. Ob das die Intention dieser Inszenierung ist?
Gut gefallen hat mir im 2. Akt das Spiel mit der Spiegelwand, das den Auftritt Jagos mit seinem satanischen Credo szenisch umrahmt. Der Bühnenraum wird durch eine Wand in der Tiefe halbiert. Diese Wand sieht zuerst aus wie die anderen, Elemente aus Holzlatten, mit halbdurchsichtiger Plastikfolie bespannt. Je nach Beleuchtung ist diese Wand jedoch aus Glas und durchsichtig oder sie wirkt als Spiegel. So sieht man einerseits Aktion im Hintergrund, in deren Rahmen Jago handelt und intrigiert, oder das Publikum sieht sich selbst und wird damit Teil der Szene. Ob es will oder nicht. Gut gefallen haben mir auch die Sänger, die Musik gesamt.
Nach Ende der Aufführung verlässt man das Opernhaus, draußen ist es mild, man kann ohne Jacke gehen. Ein wunderschöner lauer Sommerabend im April.

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