Montag, 17. Oktober 2005

Die Prozession

"Und das schönste im Jahr ist doch immer unsre Prozession" sangen die BläckFööss, natürlich auf kölsch, schon vor Jahren, und so ist es auch hier. Am dritten Sonntag im Oktober wird die "Virgen de la Peña", eine Madonnenfigur aus der einsamen Kirche in den Bergen des Nordens durch die Dörfer auf der Nordseite der Insel getragen. Dabei folgt der Zug nicht der Autostraße, sondern berührt auch die einsamen Weiler ober- und unterhalb, wo zu Ehren der Prozession Palmzweige auf die Wege gelegt werden.

Der Zug besteht aus Tänzern (Bailarines), Flötenspielern, Trommlern und den Mitläufern. Flötenspieler und Trommler sind meist junge Männer, vor allem die Trommeln werden doch den recht kräftigen Burschen anvertraut. Die Flöten sind aus Metall und geben ziemlich unmelodiöse Pfeiftöne von sich. Bailarines gibt es von ganz jung bis alt, auch Mädchen dürfen seit einigen Jahren mitmachen. Der Anführer der Bailarines, ein schon recht gesetzter Herr, soll im täglichen Leben Bankdirektor sein. Alle sind weiß gekleidet, die Bailarines tragen eine spezielle inseltyische Tracht mit bunten Bändern.
Prozession-1
Pause mit Vesper ist dann in Erese, dem Dorf, das direkt oberhalb von uns liegt. Die Madonna wird auf dem Dorfplatz, auf einer gemauerten Terrasse abseits der Straße abgestellt. Einige Damen schon etwas fortgeschritteneren Alters sitzen hinter der Sänfte auf der Bank, man kann nicht behaupten, sie wirkten wie ein Geleit von Ehrenjunfern, sondern sie scheinen die Madonna eher zu bewachen. Die Tänzer, Pfeifer und Trommler bekommen in einem Raum unterhalb der Terrasse zu essen und zu trinken. Die mitlaufende Menge und die Schaulustigen warten oben. Wir treffen dort immer die wenigen Leute, die wir kennen, man schwatzt ein wenig, wird vorgestellt, schwatzt weiter, und irgendwann geht es los. Die Bailarines kommen herauf, klappern mit den Kastagnetten, die Trommler beginnen ihre Instrumente zu bearbeiten, dann setzt auch das Pfeifen der Flöten ein. Melodiös ist das alles nicht, aber laut.

Der Zug setzt sich in Bewegung, vorne der Fahnenträger, mit einer spanischen Flagge, auf der "Norte" (Norden) steht, dann die Bailarines, die Trommler und Flötenspieler, dann die Sänfte der Madonna, von vier Frauen getragen. Es folgt der Rest des Zuges, die zahlreichen Mitläufer. Zurück bleiben die Schaulustigen, die sich überlegen, ob sie alle Fotos geschossen haben, die es sich zu schießen lohnte.

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